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Gastro-Rezension aus SäriswilEin Pfännli im Gasthof Rössli

Die Besseresser frönten ihrem Hobby, einen Landgasthof an einem Sonntagabend zu besuchen. Im Rössli in Säriswil gab es Romantik, Randen und Rechauds.

Dunkel und ungastlich fühlt sich die Region Bern bei der Autofahrt nach Säriswil an. Ganz gegenteilig fühlen sich die Besseresser am Ziel, im Gasthof Rössli: Drinnen ist es wohlig warm, die verschiedenen Räume mit viel Holz sind heimelig, und aufs Dach des Anbaus trommelt der Regen. Dieses Geräusch, das Ambiente und die Dekoration geniessen wir fast allein. Nur drei Personen haben nebst uns an diesem Abend den Weg ins Lokal gefunden.

Wir werden vom Kellner freundlich begrüsst, der Chef schüttelt uns sogar die Hände. Der Apéro – ein Apfelschaumwein von Wanner Most (7.50 Fr.) und der San Pellegrino Bitter (6.20 Fr.) – wird trotz des bescheidenen Besucheraufmarschs erst nach einigen Minuten geliefert. Dafür kommt zeitgleich die Menükarte mit.

Das Rössli wird in der fünften Generation der Familie Kaufmann geführt. Nicht nur der Familienname ist geblieben, auch der Vorname. So heisst auch der jüngste der Familie Fritz. Fritz Theo, wie sein Vater präzisiert. Diese Geschichte gefällt uns natürlich sehr (Lesen Sie mehr über die Wirtefamilie.)

Der Wirt im Rössli heisst seit immer Fritz Kaufmann. (v. l. Elisabeth Kaufmann, Fritz Kaufmann, Fritz Kaufmann, Fritz Kaufmann, Marina Kaufmann).
Der Wirt im Rössli heisst seit immer Fritz Kaufmann. (v. l. Elisabeth Kaufmann, Fritz Kaufmann, Fritz Kaufmann, Fritz Kaufmann, Marina Kaufmann).
Adrian Moser 

Und auch das Menü gefällt uns, denn es ist auf Berndeutsch getextet. Produkte wie das Fleisch und die Kartoffeln kommen allesamt aus der Region. Einzig der Kellner kommt von weiter her: aus St. Gallen, und heute hat der Ostschweizer gute Laune, da sein Fussballteam die nationale Liga anführt. Wir mögen ihm die (hoffentlich temporäre) Freude gönnen.

In Landgasthöfen spielt Fleisch die Hauptrolle im Menü, nicht so bei Kaufmanns: Hier werden auch Gemüseliebhaber glücklich. Rande könnte man zum Beispiel in der Form von Suppe, Püree oder in einem Risotto essen. Die Besseresserin bestellt die Suppe, die als Zweierlei mit Schwarzwurzel (11.50 Fr.) serviert wird. Damit dies im Teller farblich gelingt, schenkt man gleichzeitig ein. Ganz «süüferli».

Der Besseresser bestellt den Nüsslisalat mit angebratenen Birnenspalten, Walnüssen und Brie (12.50 Fr.). Die Sauce findet er zu sauer und die Sprossen eine sinnlose Dekoration. Ansonsten wirkt er sehr glücklich.

Beim Hauptgang macht Fritz Kaufmann Werbung für «Frédéric». So hiess nicht etwa das Tier, das auf den Teller kommt, sondern das Gericht. Dessen Name hat der Vater des Wirts erfunden. Getreu dem Motto «never change a winning team» hat die nächste Generation den Namen übernommen. Uns wird ein Entrecote in einer Pfanne auf einem Rechaud serviert. Dazu gibts Kräuterbutter, Jus, Spinat und Pommes. Bestellen kann man das nur ab zwei Personen (98 Fr. zusammen).

Die geschäumte Kräuterbutter vermischt sich während des Essens langsam mit dem Jus, was eine wunderbare Symbiose ergibt. Je länger man das Fleisch im Pfännli lässt, desto mehr durchgebraten wird es. Perfekt für all jene, die es nicht so blutig mögen. Und die, die es eben rosa mögen, sichern sich schon vorher einige Stücke oder nehmen die dicker geschnittenen.

Sehr gern hätten wir auch ein Dessert bestellt, aber dieses Vergnügen kompensierten wir mit einem Kuchenhäppchen und geschlagener Nidle, die zum Kaffee gereicht wurden. Ein rundum kulinarisch-heimeliger Abend.

Rössli, Staatsstrasse 125, 3049 Säriswil. 031 829 33 73.