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Ein Aarberger KrimiFilm mit Lokalkolorit

Am Open-Air-Kino in Lyss feierte «Der Wolf ist tot» Premiere. Das Werk zeichnet sich aus durch seine Nähe zum Seeland – und sein überraschendes Ende.

Marc Flückiger liegt in seinem Blut, hinterrücks ermordet in den Räumen der psychiatrischen Klinik. Kommissar Heiri Weber knöpft sich Verdächtigen um Verdächtige, Zeugen um Zeugin vor, doch auch das x-te Verhör führt nicht zum gewünschten Erfolg. Schliesslich entzieht ihm sein Vorgesetzter entnervt den Fall und schickt ihn in die Zwangsferien. Heiri Weber und seine Frau Rita fahren nach Südfrankreich an die Côte d’Azur.

So beginnt die Geschichte, die Renato Anneler, Benoît Perritaz und Elmar Vatter in ihrem Film erzählen. «Der Wolf ist tot» heisst der Erstling, den das Trio vor Jahresfrist im Seeland gedreht hat. Am Donnerstagabend feierte er unter freiem Himmel Premiere, als Auftakt zum alljährlichen Sommerkino im Parkschwimmbad Lyss.

Die Nähe zum Seeland und zu Lyss kommt nicht von ungefähr. Immerhin ist Renato Anneler, die treibende Kraft hinter dem Filmprojekt, seit Jahr und Tag als Videojournalist für das Lysser Lokalfernsehen Loly unterwegs. Und der Krimi, der ihm zugrunde liegt, spielt nicht nur in Aarberg, er stammt auch aus der Feder des Aarberger Autors Andres Muhmenthaler.

Vertraute Bilder

«Der Wolf ist tot» lässt das Publikum im Seeland gleich von Beginn an tief in das Geschehen eintauchen. Verantwortlich dafür sind die vielen vertrauten Bilder. In den Aussenaufnahmen der psychiatrischen Klinik erkennen die Einheimischen unschwer die markante Fassade der Aarberger Krone wieder. Mit dem Amthaus oder der gedeckten Holzbrücke kommen im Verlauf der Geschichte weitere Bauten aus dem alten Kern des Stedtli vor.

Etwas genauere Ortskenntnisse sind in anderen Szenen nötig. So bemerkt wohl nicht jeder auf Anhieb, dass Heiri Weber und seine Frau Rita in den Ferien gar nicht durch ein französisches Städtchen, sondern durch Estavayer am Neuenburgersee flanieren. Dass die beiden statt an der Côte d’Azur auch mal am Murtensee unterwegs sind. Und dass die alte Tante des Ermordeten, die bei der Lösung des Falls noch eine entscheidende Rolle spielen wird, ebenfalls kein Haus in Frankreich bewohnt, sondern die Villa Bernau in Wabern.

So ist es halt, wenn Filmemacher mit gerade mal rund 60’000 Franken auskommen müssen. Dann reist nur eine kleine Equipe ans Mittelmeer, um wenigstens ein paar Landschaftsbilder einfangen und diese später an der richtigen Stelle in die Handlung einstreuen zu können. Für die aufwendigen Szenen mit den Schauspielern, den zahlreichen Helfern und dem vielen Equipment dagegen sind Drehorte in der nahen Umgebung weit günstiger.

Eindrückliche Mimik

Das vergleichsweise bescheidene Budget schlägt sich auch in der Besetzung der Rollen nieder. Weil die Filmemacher keine Löhne zahlen konnten, rekrutierten sie für das Set fast ausnahmslos Laien. Diese verfügten zwar über erste Erfahrungen vor der Kamera oder auf der Bühne, nicht aber über die Konstanz eines Profis. Wohl deshalb wirkt das Schauspiel hin und wieder etwas hölzern.

Gleichzeitig gibt es auch Szenen, die gerade wegen der schauspielerischen Leistung unter die Haut gehen. Allen voran jene, die den Mord zeigt: Sie lebt von der eindrücklichen Mimik im Gesicht des Täters, auf die die Kamera an dieser zentralen Stelle des Films voll fokussiert.

Wer dieser Täter ist? Das sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Die Geschichte nimmt gegen Ende eine unerwartete Wendung. Nicht zuletzt eben der alten Tante wegen.

«Der Wolf ist tot» läuft ab dem 27. August auch im Kino