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Kitzbühel-Sieger Beat Feuz«Muss so ein Zielsprung sein? Ganz klar Nein!»

Der Emmentaler bangt und leidet stundenlang, bis sein erster Sieg auf der Streif feststeht. Die mentale Tortur war selbst für ihn zu viel.

Feuz fährt mit der Nummer 5 eine Zeit, die keiner mehr unterbieten kann.
Video: SRF

Hat Beat Feuz irgendwer verflucht? Oft schon sah er in Kitzbühel wie der Sieger aus. Geworden ist er es nie. Einmal stürzte er nach makelloser Fahrt oder schnappte ihm Thomas Dressen mit hoher Startnummer den Triumph weg. Viermal Rang 2, ein Abflug, das ist die Ausbeute für ihn in den letzten fünf Jahren.

Am Freitag dann heisst sein grösster Gegner: Wind. Nach 23 Fahrern folgt deswegen ein langer Unterbruch, Feuz steht im Ziel, seine Bestzeit würde keiner mehr schlagen. Zu dunkel ist es geworden in Kitzbühel nach den zwei Pausen wegen der Stürze von  Urs Kryenbühl und Ryan Cochran-Siegle. Feuz diskutiert heftig mit Österreichs Verbandschef Peter Schröcksnadel. Dominik Paris, Dritter noch hinter Matthias Mayer, unterstützt ihn. Die Fahrer, die vor dem Unterbruch ins Ziel gekommen sind, hätten nichts von Wind gespürt, sagt Feuz.

Sieg – auch dank Österreichs Präsidenten

Schröcksnadel, so erzählt es der Schweizer, telefonierte hoch zum Start, «er setzte sich dafür ein, dass das Rennen weitergeht». Sieben Athleten werden noch heruntergelassen, nach der Nummer 30 ist Schluss, das Ergebnis zählt. «Es war dunkel und Harakiri für diese Fahrer. Aber das ist nichts Neues. Normalerweise trifft es die Athleten ab Nummer 40, wegen der Unterbrüche waren nun schon die ab der Nummer 20 betroffen.» Ein wenig hat Feuz den Sieg also ausgerechnet dem österreichischen Ewig-Präsidenten zu verdanken.

Feuz mit der Trophäe in der Hand, die ihm zuvor so lange verwehrt geblieben war.
Feuz mit der Trophäe in der Hand, die ihm zuvor so lange verwehrt geblieben war.
Foto: Erich Spiess (Keystone/APA)

Feuz mag in den letzten Jahren immer heruntergespielt haben, was ihm ein Sieg auf der legendären Streif bedeuten würde. Nun lehnt er über die Absperrung im Zielgelände, die goldene Gams in der Hand, den vielleicht wertvollsten Pokal für einen Abfahrer. Und die Erleichterung ist dem 33-Jährigen anzusehen. «Einfach wunderschön», sagt er. Und dann: «Eine Rennabsage wäre mein Nackenschlag gewesen. Hätten sie abgebrochen, hätte mich in Kitzbühel dieses Wochenende keiner mehr gesehen.» Feuz hätte die zweite Abfahrt vom Samstag ausgelassen, den Super-G vom Sonntag, «ich hätte es mental nicht gepackt. Es wäre mir zu gefährlich gewesen.»

Kryenbühls Sturz? «Schock pur»

Die Vorbereitung aufs Rennen, seine Fahrt nahe der Perfektion, der Sturz von Teamkollege Urs Kryenbühl, die ewige Warterei: «Es wäre zu viel zusammengekommen, wenn das Rennen dann nicht einmal gewertet worden wäre.» Es war eine mentale Tortur, die selbst den oft stoischen, bedachten Emmentaler mitnahm.

Als Kryenbühl über den Zielsprung geflogen kam, der Wind auf dessen Ski drückte und ihn vorwärts und leicht seitlich auf die pickelharte Piste knallen liess, schlug Feuz die Hände über dem Kopf zusammen, bangte um seinen Teamkollegen. «Schock pur» sei das gewesen.

Urs Kryenbühl stürzt beim Zielsprung schwer.
Video: SRF

Feuz kritisiert auch die Verantwortlichen. Die ganze Woche über waren die weiten Flüge Thema gewesen. «Den Sprung zu korrigieren, wäre nicht schwer gewesen. Aber wenn man nur mit einem Rechen zwei Meter dahinter etwas darüber geht, ist das keine Korrektur.» Es brauche den Zielsprung in Kitzbühel, «der gehört dazu. Aber wir haben 148 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho. Das ist nicht nichts. War es zumutbar? Ja. Aber muss das sein? Das kann ich mit einem ganz klaren Nein beantworten. Nach dem ersten Training muss so etwas einfach angepasst werden.»

Siegerkuss, Siegesschreie

Emotional ist dann auch der Moment, als sein grosser Triumph feststeht, er streckt die Trophäe in die Höhe, von Freundin Katrin Triendl gibt es einen Siegerkuss. Dann wird Feuz von Trainern und Kollegen geschultert, Siegesschreie hallen über den leeren Hang, der sonst von zehntausenden Feierwütigen gesäumt wird. Erstmals in diesem speziellen Winter habe er ausblenden können, dass kein Publikum vor Ort sei, sagt Feuz. «Ich konnte mich voll fokussieren. Die anderen Male dachte ich: Es ist halt nichts los im Zielraum. Eigentlich ist es ja wurst, was ich mache.» Dass nun aber Kitzbühel anstand, das hat seine Einstellung geändert.

Die Österreicher mögen noch so stänkern, dass am Freitag eigentlich nur das Ersatzrennen für Wengen stattfand und erst am Samstag die richtige Hahnenkammabfahrt ansteht: Feuz ist jetzt endlich Sieger der Abfahrt in Kitzbühel.

8 Kommentare
    Otto Herrmann

    Blödsinn, das Ganze. Völlig irre. Natürlich verdienen die Fahrer gut. Trotzdem: Muss man so mit dem Leben spielen? Nur um einen Zirkus am Leben zu erhalten, der ganz klar einem Auslaufmodell gleichkommt?