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Corona-Herbst in der SchweizFerienwohnungen sind gefragter denn je

Die Buchungen von Feriendomizilen haben sich in der Schweiz im Herbst fast verdreifacht. Nun müssen die Vermittler ihr Personal aufstocken. Derweil meiden die Deutschschweizer das Waadtland.

Viele Ferienwohnungen sind für diesen Herbst schon vergeben: Für eine Unterkunft in Grindelwald reservierter Parkplatz.
Viele Ferienwohnungen sind für diesen Herbst schon vergeben: Für eine Unterkunft in Grindelwald reservierter Parkplatz.
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Der Bund hat die Länder der Risikolisten am Freitag verlängert. Das bekommen die hiesigen Tourismusorte sofort zu spüren. Denn mit jeder Destination, die neu auf die Liste kommt, steigt die Nachfrage für Ferien in der Schweiz. Das hat für E-Domizil besondere Konsequenzen. Die Plattform vermittelt in der Schweiz mehr als 14'000 Ferienwohnungen. «Die Nachfrage ist so gross wie nie. Damit wir in der Buchungsabwicklung nicht in Rückstand geraten, haben wir unseren Personalbestand um 230 Stellenprozente erhöht», sagt Geschäftsführer Daniel Koller.

«Der Reiseumsatz für die Periode September bis November hat sich gegenüber dem Vorjahr fast verdreifacht», sagt Koller. Er rechnet damit, dass die Zahlen weiter steigen. «Die Kunden buchen in der jetzigen Situation extrem kurzfristig.» Ein Phänomen, das seit dem Lockdown zu beobachten sei und mit den wieder ansteigenden Corona-Fallzahlen weiter zunehme. Bisher hätten die Schweizer ihre Unterkunft kaum weniger als 30 Tage vor ihrer Anreise reserviert. «Derzeit buchen sie hingegen häufig nur wenige Tage im Voraus.»

Eine Auswertung der Marketingorganisation Graubünden Ferien zeigt, dass die Ferienwohnungen auch abseits der bekannten Orte und Zentren gefragt sind. Auf der Plattform, die Graubünden Ferien als Dienstleistung für Tourismusregionen betreut, sind rund 3000 Wohnungen in zehn Destinationen buchbar. «Wir verzeichnen im Oktober 2020 rund 70 Prozent mehr Logiernächte als vergangenes Jahr im selben Monat», sagt Martin Vincenz, Geschäftsführer von Graubünden Ferien.

Noch sind für die Herbstferien keine Zahlen zu den Logiernächten in den Hotels erhältlich. Eine Umfrage zeigt aber, dass die kommenden Wochen in den meisten Regionen vielversprechend sind – mit einer Ausnahme. Die Übersicht:

Deutschschweizer meiden die Waadt

Bekannt durch den gleichnamigen Wein: Das Dorf St. Saphorin am Genfersee.
Bekannt durch den gleichnamigen Wein: Das Dorf St. Saphorin am Genfersee.
Foto: Alain Jarne (Leman Tourisme)

Forfait geben will er noch nicht, bedrückt klingt er trotzdem: Andreas Banholzer, Direktor von Waadtland Tourismus, bereiten die steigenden Corona-Fallzahlen in der Westschweiz Sorgen. «Natürlich spüren wir die Konsequenzen», sagt er. Die negativen Schlagzeilen sowie das strengere Massnahmen-Regime der Behörden verschärften die Situation der Tourismusbetriebe zusätzlich. Während sich die Romandie im Sommer vieler Buchungen von Deutschschweizern erfreute, seien die Zahlen aktuell dürftig.

Auch wenn Banholzer wenig Hoffnung hat, dass sich in der Waadt das Blatt im Herbst noch wendet, mag er nicht resignieren: «Schliesslich haben wir ländliche Gebiete, die gerade in dieser Jahreszeit sehr attraktiv sind und Platz bieten.» Ein Trost bleibt dem Waadtländer Tourismusdirektor. Die Zahlen von E-Domizil zeigen: Die Nachfrage nach Ferienwohnungen im Waadtland hat sich trotz steigender Corona-Fälle nicht verändert.

«Vorsichtig positive» Prognose im Wallis

Das Wallis ist bei den Schweizer Touristen nach wie vor beliebt: Die Aussicht von Ausserberg ins herbstlich gefärbte Saastal
Das Wallis ist bei den Schweizer Touristen nach wie vor beliebt: Die Aussicht von Ausserberg ins herbstlich gefärbte Saastal
Foto: Keystone

Für den Direktor von Wallis Promotion, Damian Constantin, ist klar: «Ist ein Kanton auf der Risikoliste eines Staates, wirkt sich das auf die ganze Schweiz negativ aus.» Nur wer sie besser kenne, komme trotzdem. «Die Schweizer können hingegen sehr gut differenzieren», sagt Constantin, der die Konferenz der regionalen Tourismusdirektoren in der Schweiz präsidiert. So sei das Wallis bei den inländischen Gästen nach wie vor sehr beliebt. Er bezeichnet die Buchungssituation für Oktober als «vorsichtig positiv». «Vorsichtig, weil die inländischen Touristen derzeit äusserst kurzfristig buchen.» Sie entschieden je nach Wetterlage, wohin ihre Reise gehe. «Diese Volatilität ist eine neue Realität, mit der wir leben müssen.»

Aargau und Thurgau mausern sich zu Ferienregionen

Eine neue Ferienregion entdeckt: Velofahrer auf der Rheinroute bei Gailingen mit Diessenhofen TG und der Rheinbrücke im Hintergrund.
Eine neue Ferienregion entdeckt: Velofahrer auf der Rheinroute bei Gailingen mit Diessenhofen TG und der Rheinbrücke im Hintergrund.
Foto: Thurgau Tourismus

Nachdem im Corona-Sommer die Bergregionen das grosse Los gezogen hatten, erfreuen sich im Herbst auch die ländlichen Kantone ungewöhnlich grosser Nachfrage. «Wir haben im Freizeittourismus im Vergleich zu den Vorjahren merklich zugelegt. Schön, wird unser Kanton nun auch als Ferienregion wahrgenommen», sagt Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus. Besonders ländliche Orte seien beliebt, wie die Kartause Ittingen oder das Golfpanorama Lipperswil. «Dort haben die Anfragen in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen.» Trotzdem werde die Herbstbilanz wohl negativ ausfallen: «Der Anstieg im Freizeitbereich wird die fehlenden Gäste nicht aufwiegen können, die in den letzten Jahren geschäftlich bei uns waren.»

Auch im Aargau sind die Angebote auf dem Land oder in den kleinen Städten begehrter als sonst. «Gerade die Freizeitregionen wie das Seetal haben massiv zugelegt», sagt Andrea Portmann, Direktorin von Aargau Tourismus.

Guter Buchungsstand in Graubünden

Nicht nur bei den Schafen beliebt: Die Bündner Berge.
Nicht nur bei den Schafen beliebt: Die Bündner Berge.
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Im Bündnerland sind nicht nur die Ferienwohnungen beliebt. «In den meisten Destinationen ist der Buchungsstand für den Herbst gut und bewegt sich vielerorts auf Vorjahresniveauund der war bereits hoch», sagt Martin Vincenz von Graubünden Ferien. Ein entscheidender Faktor sei aber das Wetter. «Das Engadin und Arosa rechnen beispielsweise für diesen Herbst mit einem besseren Ergebnis als 2019 – sofern Petrus mitspielt.»