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TennisFelsblöcke auf dem steinigen Weg

Die Thunerin Valentina Ryser (19) will es auf die WTA-Tour schaffen. Die Coronakrise erschwert das ohnehin kühne Vorhaben.

Valentina Ryser bereitet sich im Frühsommer 2019 in Biel auf das Juniorenturnier von Wimbledon vor.
Valentina Ryser bereitet sich im Frühsommer 2019 in Biel auf das Juniorenturnier von Wimbledon vor.
Bild: Christian Pfander

Die Auszeit erfolgt zur Unzeit. Valentina Ryser trainiert gerade in Biel, sie ist guter Dinge, das Jahr hat vorzüglich begonnen. Den Final erreichte die Thunerin zuletzt zweimal, sie war jeweils als Qualifikantin gestartet. Am Folgetag wird sie die Reise ans nächste Turnier antreten. So lautet zumindest der Plan.

Just bevor sie ihre Sachen packen will, erfährt sie, dass Israel wegen der Coronakrise Personen aus der Schweiz die Einreise verwehrt. Kurze Zeit später wird das Nationale Leistungszentrum schliessen müssen, genauso wie alle andern Sportstätten des Landes. Ryser ist seit Mitte März zum Nichtstun verpflichtet. Und wird das wohl noch eine ganze Weile sein.

Die 19-Jährige strebt danach, sich als Tennisprofi zu etablieren. Sie tut dies freilich nicht ohne jede Perspektive; vor einem Jahr erreichte sie am Juniorenturnier der Australian Open den Achtelfinal. Doch der Weg, der ihr bevorsteht, ist steinig. In der Weltrangliste nimmt sie den 680. Platz ein. Sie ist talentiert, aber keine Hochbegabte, die sich im Grunde nur selber um eine erfolgreiche Karriere bringen könnte.

Das Ultimatum

Ihre Planung sieht vor, dass sie Ende 2021 ein erstes Mal Bilanz, allfällige Konsequenzen ziehen wird. Bis dahin soll sie sich im Ranking erheblich verbessern. Insofern ist die Zwangspause ein heftiger Einschnitt. Zumindest bis Mitte Juli werden keine Wettkämpfe stattfinden.

Die finanziellen Einbussen sind überschaubar. Die Bernerin bestritt zuletzt Profiturniere der niedrigsten Kategorie, und sie hätte sie gewinnen müssen, damit die Kosten ansatzweise gedeckt gewesen wären. Sie befindet sich in einem Stadium der Karriere, in dem eine Saison vorab Investition ist. Sie finanziert sie im Wesentlichen über Sponsoren.

Der grosse Name

Gecoacht wird Ryser von Michaella Krajicek, das ist die Schwester von Richard Krajicek, jenem Mann, der 1996 Wimbledon gewann. Das Engagement ruht während der Coronakrise. Von Swiss Tennis erhält die 19-Jährige täglich einen Plan für das Konditionstraining. Dieses absolviert sie zumeist zu Hause, sie wohnt bei ihrer Mutter in Thun.

Hadern mag sie nicht. Den Aufenthalt daheim geniesst sie gewissermassen, schliesslich bestanden die letzten Jahre primär darin, von Turnier an Turnier zu reisen. Ihr Fernstudium hat sie unterbrochen, es liess sich nicht länger mit der hohen Belastung vereinbaren. Nun bildet sie sich alternativ weiter, verbessert ihre Englisch- und ihre Französischkenntnisse. Und sie malt, backt, kocht; dazu sei ja nun Zeit, sagt sie lächelnd.

Ryser geht davon aus, vor Mitte Juli wieder ordentlich trainieren zu können. Die Zuversicht hat sie sich bewahrt. Doch auch sie weiss: Je länger die Coronakrise andauert, desto geringer werden ihre Chancen, den Durchbruch zu schaffen.