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Fastenbrecher Seferovic

Zum ersten Mal seit 1986 fällt der Ramadan auf eine Fussball-WM. In Algerien wird darüber gestritten, wie sich die Spieler im Achtelfinal verhalten sollen. Und was machen die Muslime in der Schweizer Nati?

Wird nicht fasten: Haris Seferovic (r.), hier mit Xherdan Shaqiri nach dem Sieg über Honduras.
Wird nicht fasten: Haris Seferovic (r.), hier mit Xherdan Shaqiri nach dem Sieg über Honduras.
Keystone
Gökhan Inler an einer Pressekonferenz in der Arena Fonte Nova in Salvador (Brasilien).
Gökhan Inler an einer Pressekonferenz in der Arena Fonte Nova in Salvador (Brasilien).
Keystone
Er und sein Team haben sich bisher noch nicht zum Fasten an der WM geäussert: Algeriens Madjid Bougherra im Spiel gegen Südkorea.
Er und sein Team haben sich bisher noch nicht zum Fasten an der WM geäussert: Algeriens Madjid Bougherra im Spiel gegen Südkorea.
Keystone
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Für weltweit über eine Milliarde Muslime beginnt dieses Wochenende der Fastenmonat Ramadan. Die Pflicht zum Fasten ist im Koran verankert. Während der Fastenzeit sollen Muslime von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex verzichten.

Das Fasten könnte dieses Jahr für zahlreiche muslimische Fussballer zur Herausforderung werden. Mit der WM in Brasilien findet nämlich zum ersten Mal seit 1986 wieder eine Fussball-Weltmeisterschaft gleichzeitig mit dem Ramadan statt. Für Diskussionen sorgt das Thema vor allem in Algerien, wie «Spiegel online» berichtet. Viele der algerischen Spieler sind religiös.

Am Montag treten die «Wüstenfüchse» gegen Deutschland an. Der Zeitpunkt des Matches könnte nicht ungünstiger liegen. Das Spiel in Porto Alegre wird um 17 Uhr angepfiffen – elf Stunden nach Tagesanbruch, eine halbe Stunde bevor die Spieler wieder essen und trinken dürfen.

Algeriens Geistliche sind uneins

Das Problem hat laut dem Nachrichtenportal sogar die islamischen Geistlichen auf den Plan gerufen. Nur sind sich diese uneins darüber, wie sich die algerische Nationalelf verhalten sollt. Gemäss Koran muss nicht fasten, wer sich auf der Reise befindet. Die Person soll später eine gleiche Anzahl von Tagen fasten. Dementsprechend sagten Mitglieder des Hohen Islamrats gegenüber der algerischen Presse, den Spielern sei das Fastenbrechen auf der Brasilienreise gestattet.

Hingegen widerspricht Scheich Mohamed Mekerkeb von der Vereinigung der Rechtsgelehrten dieser Einschätzung: «Es ist nicht erlaubt, das Fasten zu brechen. Gott ist mit den Fastenden.» Der Generalsekretär des Koordinationsrats der Imame soll sogar die Fifa aufgefordert haben, den Achtelfinal Deutschland - Algerien in die Nacht zu verlegen.

Und die Muslime in der Nati?

Algerien ist nicht die einzige Mannschaft, in der das Fasten ein Thema ist. Auch in Teams von Deutschland, Frankreich und der Schweiz spielen Muslime. In der Nati etwa Xherdan Shaqiri, Gökhan Inler, Granit Xhaka und Haris Seferovic. Seferovic wird jedoch während der WM nicht fasten, wie sein Vater Hamza Seferovic gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung» sagte (Artikel online nur gegen Bezahlung verfügbar). «Zwölf Stunden ohne Essen, das geht für Sportler nicht.»

Dies sieht laut «Spiegel online» auch Markus de Marées von der Deutschen Sporthochschule Köln so. «Es ist mehr als unwahrscheinlich, eine 90-minütige Belastung innerhalb einer zwölfstündigen Fastenperiode bei 30 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent ohne Leistungseinbussen und ohne gesundheitliche Schäden zu absolvieren.»

Spezielle Ernährung bei Real Madrid

In Deutschland hat der Zentralrat der Muslime den muslimischen Fussballspielern erlaubt, an der WM auch den Tag durch zu essen und zu trinken. Die Muslime im deutschen Trikot werden denn auch nicht fasten. Das komme für ihn nicht infrage, sagt etwa Mesut Özil: «Ich arbeite.» Und der Deutsch-Tunesier Sami Khedira hatte schon früher einmal bekannt gegeben, er brauche Nahrung und Flüssigkeit, um 100 Prozent Leistung geben zu können.

Einer, der die Fastenzeit bisher jeweils einhielt, ist der französische Nationalspieler Karim Benzema. Laut NLZ haben die Ärzte seines Clubs Real Madrid für ihn und andere muslimische Spieler ein spezielles Ernährungsprogramm kreiert. Dieses soll die körperliche Leistungsfähigkeit trotz täglichen Fastens sicherstellen. Ob er aber an der WM in Brasilien fasten wird, dazu hat sich Benzema bisher noch nicht geäussert.

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