F**k

Unsere Autorin flucht gerne. Aber ihr Sohn soll das möglichst nicht tun, darum achtet sie gerade sehr auf ihre Sprache. Beinahe wäre die ganze Mühe für die Katz gewesen.

In meinem Bieler Mama-Clan gilt aktuell: Watch your mouth! Sprich, wir versuchen ernsthaft, auf unsere Sprache zu achten. Wir wollen ja Vorbild sein für unsere Zweijährigen. Das ist verdammt schwierig, weil ich gern fluche. Der Anrempler im Laden ist neuerdings halt ein Löu statt ein Arsch, das Konzert war grossartig statt geil, die zugeschneiten Autoscheiben morgens sind ziemlich mühsam statt voll scheisse.

Apropos voll scheisse: Uns lief in der Altjahreswoche die Badewanne über, weil der Hauptstrang der Leitung des 200-jährigen Hauses in der Bieler Altstadt dermassen verrostet ist, dass das gesamte System kollabierte. Die Wanne füllte sich in bedrohlichem Tempo mit einer grau-braunen Brühe, sie stank nach frisch gedüngtem Feld und irgendwas schwamm drin herum. Als mein Sohn seinen Teddy in diesen Tümpel werfen wollte, sagte ich selbstbeherrscht «nein, das ist gruusig», schloss das Badezimmer hinter mir ab und dachte: «f**k!»

Doch in der heiligen Zeit fühlt sich kaum jemand verantwortlich für einen solchen Schlamassel; die Verwaltung hatte Ferien, der Abwart war am Skifahren, die Sanitärinstallateure konnte man nur mit viel Geld vom Festessen weg in ein geflutetes Badezimmer locken. Cool, dachte ich, als endlich am Neujahrstag ein Pikettdienstler reagierte, jetzt kriegt wenigstens mein Sohn was zu sehen: Denn der Mann reiste in einem Riesentruck an. Mit Riesenstaubsauger im Gepäck. Und einem Riesenvokabular.

«Verdammtes Scheissrohr», tönte es aus dem Badezimmer. «So eine Drecksscheisse.» Was das für eine alte Hütte sei mit überholten Konstruktionen; «so eine verfluchte Kacke habe ich ja noch nie gesehen». In den eineinhalb Stunden hörte ich mehr Fluchwörter, als ich im ganzen letzten Jahr benutzt habe. Die sorgfältige Spracherziehung war dahin.

Damit ich meinem Sohn keinen Pamir überziehen musste, entschloss ich mich zu einem Spaziergang auf den Spielplatz. Es war schon fast dunkel, nur eine zweite Mutter hockte noch im Sandkasten. «Seisch am Bueb Hallo?», forderte sie ihr Mädchen auf. Mein Bueb streckte dem Kind die Schaufel entgegen und sagte: «Gaga putzen.» Phu, Glück gehabt.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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