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Heute von 16 bis 19 UhrExperten beantworten Fragen zum Reiserecht

Haben Sie Ferien gebucht und erhalten Ihr Geld nicht zurück? Oder möchten Sie wissen, was zu beachten ist, wenn Sie jetzt Ferien buchen?

Sprachaufenthalte am Strand wie hier in Miami sind für viele Schüler ein Traum. Für einen Sprachschüler wurde er aber zu einem Albtraum.
Sprachaufenthalte am Strand wie hier in Miami sind für viele Schüler ein Traum. Für einen Sprachschüler wurde er aber zu einem Albtraum.
Foto: Getty Images

Berner Sprachschüler muss sich 3700 Franken ans Bein streichen

Die Vorfreude war für den 17-jährigen Luca B.* gross. Bevor er im August 2020 die Lehre starten wollte, buchten seine Eltern ihm ein Jahr Sprachaufenthalte mit der Schweizer Schule EF Education First. Auf dem Programm standen Nizza, Malta und Miami. Der Teenager wollte Französisch und Englisch lernen.

Zuerst lief das Jahr wie geplant. Doch dann kam das Coronavirus. Der erste Sprachaufenthalt in der Schule in Nizza wurde ab März wegen des Virus abgebrochen. Die folgenden Monate konnte Luca B. die Schulen nicht mehr besuchen, weil sie geschlossen wurden.

Das gesamte Schulgeld von 28’847 Franken musste bereits im August 2019 bezahlt werden. Insgesamt konnten Leistungen in der Höhe von 6400 Franken nicht bezogen werden. Die Eltern von Luca B. verlangten dieses Geld von der Schule zurück.

«Die Schule EF erklärte, laut den AGB müsse sie nur einen Gutschein anbieten, der drei Jahre gültig und auf andere Familienmitglieder übertragbar sei», sagt der den Fall betreuende Anwalt Stefan Rolli aus Bern. Der Haken: Der 17-Jährige ist ab Anfang August nun drei Jahre in der Lehre und möchte in dieser Zeit keinen Sprachaufenthalt besuchen, da er auch deutlich weniger Ferien hat als zuvor.

«Eine Rückzahlung wurde seitens EF zuerst verweigert, da in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen vorgesehen ist, dass in Fällen von höherer Gewalt kein Rückerstattungsanspruch besteht», sagt Stefan Rolli.

Was ist höhere Gewalt?

Bei einem unvorhersehbaren, aussergewöhnlichen Ereignis, das mit unabwendbarer Gewalt von aussen hereinbricht, sprechen Juristen von höherer Gewalt. Darunter fallen Krieg, Terroranschläge, politische Unruhen und Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche und Wirbelstürme.

Keine höhere Gewalt liegt vor, wenn das vom Reiseveranstalter gebuchte Hotel abbrennt oder das Flugzeug einen Defekt hat und nicht fliegen kann. Solche Ereignisse brechen nicht von aussen herein, wie das die Definition der höheren Gewalt verlangt, sondern spielen sich im Verantwortungsbereich des Reiseveranstalters ab. Höhere Gewalt ist nicht einheitlich definiert. Deshalb der Tipp: Es gilt, was in den Versicherungsbedingungen steht. Es lohnt sich vor jeder Buchung, diese genau zu studieren. Laut Anwalt Stefan Rolli ist es zulässig, dass EF eine Pandemie als höhere Gewalt definiert.

Einvernehmliche Lösung mit EF

Nach anwaltlicher Intervention war die Sprachschule EF dann bereit, den Fall so zu behandeln, wie wenn der Teenager das Programm abgebrochen hätte, und die nicht vor Ort genutzten Wochen im Umfang von 50 Prozent zurückzuerstatten. Nach Abzug von Gebühren bekam die Familie noch 2660 Franken zurück. Beide Parteien sagen, die Angelegenheit sei einvernehmlich gelöst worden.

Wer Reisen bucht, sollte darauf achten, dass diese unter das Pauschalreisegesetz fallen. Wenn der Veranstalter diese nicht durchführen kann, zum Beispiel wenn die pandemische Lage wieder eine Grenzschliessung nach sich zieht, dann muss der Pauschal-Reiseveranstalter eine Umbuchungsmöglichkeit anbieten oder auf Wunsch des Kunden die Gelder zurückerstatten. Ivo Grossenbacher, Anwalt bei Bratschi und Partner in Bern, sagt: «Die Bestimmungen des Pauschalreisegesetzes sind nämlich grundsätzlich zwingender Natur, weshalb von ihnen nicht vertraglich zuungunsten des Konsumenten abgewichen werden kann.»

Mittlerweile haben erste Sprachschulen den Betrieb wieder aufgenommen. Das Grundproblem, dass Schüler zu Beginn der Sprachschule viel Geld bezahlen müssen, bleibt wohl auch in Zukunft bestehen. Denn die wenigsten Schulen akzeptieren monatliche Zahlungen.

* Name ist bekannt.