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Rooneys offene Rechnungen

Wayne Rooney greift heute gegen die Ukraine ins EM-Geschehen ein. Der Engländer will endlich Erfolg an grossen Turnieren haben.

Frisch und motiviert: Bisher war Wayne Rooney an der EM gesperrt und durfte nur trainieren. Heute spielt er gegen die Ukraine erstmals für England.
Frisch und motiviert: Bisher war Wayne Rooney an der EM gesperrt und durfte nur trainieren. Heute spielt er gegen die Ukraine erstmals für England.
Keystone

Die Stimmung heute Abend in Donezk wird elektrisierend sein. Und als wäre die sportliche Ausgangslage vor dem Duell Ukraine versus England nicht brisant genug, gibt es wieder rassistische Drohungen gegen britische Besucher. So hängen in Donezk Kleber, auf denen erklärt wird, dass insbesondere asiatische und dunkelhäutige Engländer in der ukrainischen Industriestadt gejagt werden sollen. Das ist eine Schande, natürlich, und das Polizeiaufgebot wird heute gigantisch sein – zumal doppelt so viele englische Fans als bisher (und damit rund 10'000) vor Ort sein sollen. «Wir konzentrieren uns auf den Fussball», sagt Wayne Rooney, «und freuen uns über die Unterstützung der Supporter.»

Euphorie um Rooney

Den Engländern reicht heute ein Remis, um den EM-Viertelfinal zu erreichen. Die Rückkehr des in den ersten zwei Partien (1:1 gegen Frankreich, 3:2 gegen Schweden) gesperrten Starstürmers Wayne Rooney sorgt in der Heimat für Euphorie, obwohl das englische Team schwächer besetzt ist als in den letzten Jahren. «Ich freue mich, wieder spielen zu dürfen», sagt Rooney. «Aber, hey, ich kann es nicht alleine richten. Wir haben eine sehr gute Truppe und können hier viel erreichen.» England, erklärt der 26-Jährige noch, müsse doch immer den Anspruch haben, an einer WM und EM um den Titel zu spielen.

46 Jahre ist es mittlerweile her, seit die Engländer den einzigen WM-Triumph feierten. Seither gabs regelmässig bittere Rückschläge und dramatische Niederlagen (oft in Elfmeterschiessen). Auch Rooney hat mehrere Rechnungen mit den grossen internationalen Rendezvous offen. «Es ist wie ein Fluch», sagte er in diesem Frühling. «Und ich hoffe, ich werde an der Euro davon erlöst.»

2004, mit 18 Jahren, war Rooney der umjubelte Aufsteiger im englischen Team, er war für wenige Tage der jüngste EM-Torschütze der Geschichte, ehe er vom Schweizer Johan Vonlanthen abgelöst wurde. Rooney überzeugte als Teenager an der Euro in Portugal, zog sich aber im Viertelfinal gegen den Gastgeber einen Mittelfussbruch zu – und England verlor eine dramatische Partie (im Penaltyschiessen).

In der Bringschuld

Zwei Jahre später, an der WM in Deutschland, war Englands goldene Generation auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, Jungstar Rooney aber vorerst verletzt – wieder stoppte ihn ein gebrochener Mittelfuss. Im Verlauf des Turniers spielte der bullige Angreifer immer länger, ehe er im Viertelfinal (ja, gegen Portugal) Mitte der zweiten Hälfte nach einem wüsten Foulspiel des Feldes verwiesen wurde. England verlor (ja, im Elfmeterschiessen), der Katzenjammer in der Heimat war wieder riesig – und Rooney ein nationaler Sündenbock.

Für die Euro 2008 qualifizierten sich die Engländer überraschend nicht, und an der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren enttäuschten sie schwer, im Achtelfinal verloren sie gegen Deutschland 1:4. Rooney spielte in Südafrika ein ausgesprochen schwaches Turnier, wie viele Weltstars, aber mittlerweile hat man sich in England ja darauf geeinigt, dass der kauzige, wortkarge italienische Trainer Fabio Capello der Hauptgrund für die teilweise blamablen Auftritte der Mannschaft war. «Unter ihm herrschte immer eine schlechte Stimmung», sagt Wayne Rooney, «es ist gut, ist er seit einigen Monaten nicht mehr unser Trainer.»

Nun ist Pragmatiker Roy Hodgson der Coach Englands, auch für ihn geht es heute um sehr viel. Und Wayne Rooney steht in der Bringschuld. Weil er in der Schlussphase des für England bedeutungslosen Qualifikationsspiels in Montenegro eine Tätlichkeit begangen hatte, fehlte er in den ersten zwei EM-Partien. Die nächsten Tage werden zeigen, ob der überragende Stürmer von Manchester United seinen Weltklassestatus endlich auch im Nationalteam beweisen kann. Vom Hattrick bis zum nächsten Platzverweis ist bei Rooney stets alles möglich.

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