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Schwere Covid-19-VerläufeEs kann jeden treffen

Jugend allein schützt nicht gegen das Coronavirus. In den USA hat sich der Anteil junger Erwachsener, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, seit April erhöht.

Auch jüngere Erwachsene können einen schweren Covid-19-Verlauf haben. Der Anteil scheint höher, als zu Beginn der Pandemie vermutet wurde.
Auch jüngere Erwachsene können einen schweren Covid-19-Verlauf haben. Der Anteil scheint höher, als zu Beginn der Pandemie vermutet wurde.
Foto: Cheney Orr (Reuters)

Wer nicht selbst davon betroffen ist, nimmt eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus vor allem als Krankheit der anderen wahr. Als ein Leiden der Alten, der Vorerkrankten, der Schwergewichtigen. In Südamerika wird Covid-19 als «Pest der Snobs» bezeichnet, also als eine Plage, die von reiselustigen Wohlhabenden und Vielfliegern ins Land gebracht wurde. Zumindest das Bild von Covid-19 als einer Krankheit der Alten muss modifiziert werden. Zwar kommt es bei Senioren häufiger als in anderen Altersgruppen zu schweren Verläufen und Todesfällen. Doch der Anteil der mittelalten und jüngeren Erwachsenen ist nicht so gering wie noch zu Beginn der Pandemie vermutet.

Ärzte der University of California in San Francisco zeigen im «Journal of Adolescent Health», dass auch jüngere Erwachsene die Krankheit bekommen und so schwer erkranken können, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Als «medizinisch verletzlich» bezeichnen die Forscher jene, die davon betroffen sind. Jugend allein sei kein Schutzschild, das junge Erwachsene vor einem heftigen Verlauf bewahre, betonen die Mediziner.

Rauchen gilt als einer der grössten Risikofaktoren bei jungen Erwachsenen

Anhand repräsentativer Daten von mehr als 8400 Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren hatten die Ärzte um Sally Adams untersucht, welche Faktoren in dieser Lebensphase schwere Verläufe begünstigen. Etwa ein Drittel der Probanden galt gemäss den Berechnungen der Wissenschaftler als anfällig; Männer etwas häufiger als Frauen. Als typische Risikofaktoren erwiesen sich auch in diesem Alter Herzleiden, Diabetes, Asthma, eingeschränkte Immunabwehr, Lebererkrankungen und Übergewicht.

Prognostisch besonders ungünstig für einen sich verschlechternden Krankheitsverlauf war jedoch das Rauchen. Wurde nur das Risiko für Nichtraucher berechnet, galten etwa 16 Prozent der Teilnehmer als anfällig für schwerere Erkrankungen. Zählten die Wissenschaftler die Raucher dazu, erhöhte sich die Anfälligkeit der gesamten Gruppe hingegen auf mehr als 31 Prozent. «Rauchen wirkt sich erheblich auf junge Erwachsene aus», sagt Adams. «Typischerweise leiden sie ja nur selten an chronischen Erkrankungen.» Charles Irwin Jr., der ebenfalls an der Studie beteiligt war, betont: «Das Risiko für diese Altersgruppe halbiert sich, wenn man die Raucher nicht mitrechnet. Insofern lohnt sich jede Anstrengung, damit aufzuhören.»

Als typische Risikofaktoren erwiesen sich auch bei den jungen Erwachsenen Herzleiden, Diabetes, Asthma, eingeschränkte Immunabwehr, Lebererkrankungen und Übergewicht.

Die unterschiedliche Anfälligkeit der Geschlechter für einen schweren Verlauf ist auch davon abhängig, dass manche Leiden Männer und Frauen nicht gleichmässig treffen. So leiden junge Frauen etwas häufiger an Asthma, sind öfter übergewichtig und von Immunstörungen betroffen. Da junge Männer aber häufiger rauchen, ist ihre Anfälligkeit in dieser Studie dennoch mit 33,3 Prozent höher gewesen als jene der Frauen, die auf 29,7 Prozent kamen.

Daten der amerikanischen Seuchenschutzbehörde CDC hatten kürzlich gezeigt, dass für die Risikogruppe jenseits der 65 zwar die grösste Wahrscheinlichkeit besteht, nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 im Krankenhaus behandelt werden zu müssen. Doch der Unterschied zu jüngeren Erwachsenen wird kleiner. In den USA gab es bis Mitte April 8,7 Krankenhauseinweisungen pro 100’000 Einwohner aus der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen. Unter den Senioren jenseits der 65 waren es 128,3 von 100’000. Bis Ende Juni hatte sich der Anteil der jungen Erwachsenen allerdings verdreifacht, während jener der Alten «nur» um den Faktor 1,4 gestiegen war.