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Time-out mit …«Es ist nicht schlecht, wenn man mehr besitzt als der König»

Anders Eldebrink erlebt das schwedische Modell im Kampf gegen das Coronavirus – und hat auf seiner Farm äusserst prominente Nachbarn.

Am 2. November 2019 in Kloten: Jewgeni Schirjajew, Anders Eldebrink, Conny Evensson und Tim Grossniklaus (von links).
Am 2. November 2019 in Kloten: Jewgeni Schirjajew, Anders Eldebrink, Conny Evensson und Tim Grossniklaus (von links).
Foto: Claudio Thoma/Freshfocus

«20 bis 30 Jahre früher wäre Schweden für eine Pandemie gut vorbereitet gewesen. Aber jetzt sind zum Beispiel alle Apotheken privat, mit dem Ergebnis, dass wichtige Medikamente ausgegangen sind. Ich denke, dass diese Krise mein Land zu einem Neustart zwingt. Ob die Art und Weise, wie man hier mit Corona umgeht, die richtige ist, weiss ich nicht. Sicher ist einfach: Es gab bis jetzt zu viele Tote.

Einer meiner Söhne und seine Frau waren mit Covid-19 angesteckt, zum Glück nur in einer milden Form, sie haben das nach zwei Wochen gut überstanden. Sonst aber bekomme ich selber von Corona nicht sehr viel mit. Einzig beim Einkaufen merkt man etwas, ich ziehe jeweils Handschuhe an. Ich lebe hier auf meiner Farm im Süden von Stockholm, rund eineinhalb Autostunden von der Hauptstadt entfernt. Tagwache ist um 5 Uhr 30, dann geht es in den Wald an die Arbeit. 60 der 100 Hektaren meines Landes sind Wald, da braucht es einiges an Pflege.

Die letzten zwei Monate war ich dort unterwegs oder dann für einen meiner Freunde. Er ist Zimmermann, wenn er Unterstützung braucht, dann ruft er mich an, ich helfe ihm immer wieder beim Hausbau aus. Ich habe ja schliesslich diesen Beruf gelernt. Körperlich bin ich fit, ich halte mein Gewicht bei 92 Kilogramm. Fast jeden Nachmittag gehe ich aufs Laufband, Joggen in der Natur draussen ist nicht gut für mein Knie.

Der König wohnt fünf Kilometer entfernt

Ich habe höchst prominente Nachbarn. An eine Seite meines Grundstücks grenzt das Stenhammar Slot, und das ist der aktuelle Wohnsitz des schwedischen Königs. Er hat sich wegen der Corona-Krise aufs Land zurückgezogen, er wohnt fünf Kilometer von mir entfernt. An der Grenze zwischen unseren Grundstücken liegt ein See, dem König gehören 25 Prozent, mir 75 Prozent des Gewässers. Es ist nicht schlecht, wenn man mehr besitzt als der König...

Auf der anderen Seite meines Grundstücks liegt Harpsund, die Sommerresidenz des schwedischen Premierministers Stefan Löfven. Meine Frau hat ihn eines Abends mit Frau und zwei Bodyguards an unserem Haus vorbeispazieren gesehen. Wenn es dunkel wird, sieht man von meiner Küche aus allerdings auch anderes: Wildschweine, Rehe, Hirsche, jeden Abend. Ich habe schon einige Wildschweine erlegt, Fleisch habe ich hier genug.

7000 Tannen werden gepflanzt

Seit kurzem bin ich Besitzer eines Wohnmobils, mit dem wollten meine Frau und ich eigentlich nach Norwegen, auf die Lofoten, nach Tromsö. Das muss jetzt warten. Aber bald fahre ich nach Lappland, wo meine Mutter noch wohnt. Zusammen mit meinem Bruder Kenth, der 1984 Olympiabronze im Speerwerfen gewonnen hat, werden wir dort im Zuge einer Wiederaufforstung 7000 Tannen pflanzen.

Im Eishockey halte ich mich eher zurück, ich hatte zwei Anfragen als Trainer in Schweden. Es könnte sein, dass ich im Vorstand meines Stammclubs Södertälje im Sportbereich mithelfe. Mein Bruder, jetzt schon in der Führung dabei, versucht die ganze Zeit, mich zu überreden.»