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YB-Captain«Es ist momentan ein schmaler Grat, auf dem man sich als Fussballer bewegt»

Fabian Lustenberger spricht nach dem ersten Training seit acht Wochen über die Fitness im Team, die Kritik am Fussball und den Reiz von Stadionton ab Band.

«Körperlich sind wir sehr fit, jetzt kommt das Fussballerische dazu.» Fabian Lustenberger zum Formstand bei YB.
«Körperlich sind wir sehr fit, jetzt kommt das Fussballerische dazu.» Fabian Lustenberger zum Formstand bei YB.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Zwei Monate ohne Fussballdas gab es für Sie als Profi wohl überhaupt noch nie?

Nein. Aber ich bin auch noch nie so viel gelaufen zuvor. Es hat alles immer zwei Seiten. Rein physisch haben wir kaum etwas verloren, denke ich. Aber jetzt haben wir theoretisch vier, fünf Wochen Zeit, alles wieder aufzuholen. Und wir geniessen es, einander so wiederzusehen, wenn auch mit der nötigen Vorsicht.

Was ist genau anders als bei normalen Trainings?

Das herkömmliche Beisammensein in der Kabine fällt weg. Wir sind auf mehrere Garderoben verteilt, erst auf dem Platz bist du dann im Team, und auch da gelten natürlich Abstandsregeln. Erst der Fussball an und für sich läuft dann einigermassen normal ab.

«Es betrifft jeden, und keiner hat das schon mal erlebt.»

Sie als Captain durften die herkömmliche YB-Heimgarderobe beziehen.

Ich habe das Glück, so alt zu sein. (lacht) Ich wurde mit Hoarau, Sörensen, Sulejmani und Nsame eingeteilt.

Vor jedem Training müssen Sie künftig Fieber messen und Fragen zum Gesundheitszustand beantworten.

Das gehört in diesen Zeiten dazu und ist für mich auch keine grosse Sache mehr. Wir halten uns an die Regularien, um möglichst schnell wieder spielen zu können.

Jetzt geht es zwar weiter mit Trainieren. Ob und wann wieder gespielt wird, ist jedoch noch immer nicht klar.

Das ist schwierig für uns. Aber jetzt, am ersten Tag, überwiegt da noch die Freude, endlich wieder Fusssball zu spielen.

Es dauert mindestens noch einen weiteren Monat…

Bis dahin werden wir dafür sicher das erforderliche Wettkampfniveau haben. Das ist ein Vorteil gegenüber der Bundesliga, welche zwischen Teamtraining und Spielstart weniger Zeit hatte.

Stichwort Bundesligawie haben Sie den Restart erlebt?

Mir hat es Spass gemacht nach so langer Zeit ohne Livefussball. Ich habe die Konferenz geschaut, alle Tore gesehen, mich mit der Hertha gefreut.

Keine Zweifel am Produkt, vor leeren Rängen und mit Stadionatmosphäre ab Band?

Natürlich will das niemand, sofern es nicht nötig ist. Aber ich denke, die Quoten sprechen für sich: Die Leute wollen wieder Fussball sehen.

Es gab auch wieder Kritik, etwa am Jubelverhalten einiger Spieler.

Es ist momentan ein schmaler Grat, auf dem man sich als Fussballer bewegt. Die Aufmerksamkeit ist vielleicht noch grösser als sonst. Auf die nächste Runde hin werden die Spieler wahrscheinlich noch einmal gebrieft, das Jubeln ganz zu unterlassen.

«Vielleicht könnte ich nicht mehr alle Punktestände aus dem Kopf rezitieren.»

Es fühlt sich ja derzeit eher an wie der Saisonauftakt. Wie ist der Formstand Ihrer Mannschaft?

Konditionell: sehr hoch. Da haben wir viel gearbeitet, gingen ja fünf- bis sechsmal die Woche laufen. Jetzt kommt das Fussballerische dazu, das ist eine andere Belastung.

Und Sie als Team wollen die Meisterschaft unbedingt beenden?

Ja. Die Lust auf Fussball ist zu gross, um einfach zu sagen, jetzt machen wir hier vorzeitig Schluss.

Der Kontrahent aus St. Gallen war jetzt unanständig lange Leader.

Das haben sie sich verdient. Sie waren in der Rückrunde die beste Mannschaft. Sobald es aber losgeht, wollen wir das ändern. Und am Schluss ganz oben stehen.

Aber ist man denn gedanklich überhaupt noch nahe an dieser Saison? Wie präsent ist die Ausgangslage?

Vielleicht könnte ich jetzt nicht alle Punktestände aus dem Kopf rezitieren. Aber die Situation an der Spitze ist dir natürlich präsent. Und man denkt an die offene Meisterschaft.

Mental aber ist das schon eine besondere Herausforderung: sieben Wochen Pause, mitten in einer Saison.

Absolut, ja. Das hat noch keiner erlebt. Aber das zeichnet ja diese Zeit aus, in der ganzen Gesellschaft. Es betrifft jeden, und keiner hat das schon einmal so erlebt.