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Leserreaktionen«Es geht um weit mehr als um das Palmöl»

Leserinnen und Leser äussern sich zu aktuellen Themen. Unter anderem zum Freihandelsabkommen mit Indonesien.

Palmölplantage in Indonesien.
Palmölplantage in Indonesien.
Getty Images/iStockphoto

Zum Freihandelsabkommen mit Indonesien

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der weltweite Freihandel in den letzten Jahren in Kritik geraten ist. Deswegen nun aber auch Innovationen abzulehnen, ist nicht ehrlich. Das Freihandelsabkommen mit Indonesien, das am 7. März zur Abstimmung kommt, versucht ja gerade einen Kontrapunkt zu setzen. Das gelingt auch insofern, als mit der Vorlage neue Nachhaltigkeitsstandards, denen Indonesien zugestimmt hat, umgesetzt werden. Dabei geht es nicht nur um die Ökologie, die angesichts der Situation der Regenwälder eine grosse Herausforderung ist. Es geht auch um soziale Nachhaltigkeit, mehr Einkommen, bessere Löhne und Arbeitssicherheit. Geben wir diesen Zielen eine Chance. Markus Hirsbrunner, Zollbrück

Beim Freihandelsabkommen geht es um weit mehr als nur um das Palmöl. Die Vorlage bringt allen Schweizer Exportbranchen Vorteile: Sowohl die Industrie als auch die Hersteller landwirtschaftlicher Erzeugnisse profitieren. Die Besorgnis seitens der Landwirtschaft ist unbegründet. Die Schweizer Palmöleinfuhr aus Indonesien ist gering: Sie entspricht lediglich zwei Prozent der Gesamtimporte aus Indonesien und war in den letzten Jahren sogar rückläufig. Die Einhaltung hoher Nachhaltigkeits- und Qualitätsanforderungen ist künftig zwingend. Ein Ja zur Vorlage ist wichtig, da dieses auch für künftige Abkommen einen Standard setzen kann. Die Exportwirtschaft ist eine tragende Säule unserer Gesellschaft. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir mit allen grossen Volkswirtschaften dieser Erde möglichst barrierefrei Handel betreiben können. Hans Baumberger, Langenthal

«Besser als nichts» reicht als Rechtfertigung nicht aus. Wenn wir dieses Freihandelsabkommen jetzt so abschliessen, können Verbesserungen wohl erst in zehn Jahren wieder gefordert werden, da wir im schwerfälligen Boot der EFTA-Staaten drinsitzen. Zudem wird dieses ungenügende Abkommen zum Vorbild für weitere Freihandelsabkommen werden. Alex Schneider, Küttigen

Das Freihandelsabkommen bringt der ganzen Schweizer Wirtschaft grosse Vorteile – nicht zuletzt gegenüber der Konkurrenz aus der EU. Das Entwicklungsland Indonesien kämpft mit riesigen Herausforderungen, hat aber erstmals klare Auflagen akzeptiert, um seinerseits eine kleine Zollreduktion für eine kleine Menge Palmöl aus nachhaltiger Produktion zu erhalten. Für Indonesien sind Palmölexporte unabdingbar. Das Referendum gibt dem Schweizer Volk das letzte Wort: Ein Ja setzt ein symbolisches Zeichen für entwicklungsfreundlichen Handel; es hilft einer besseren Forstpolitik mit mehr Arbeitsplätzen und mit «Waldbrücken», die laut WWF bereits zu einem kleinen Wiederanstieg der Orang-Utan-Population geführt haben. Es gibt keine einfachen Lösungen, um zehn Milliarden Menschen zu ernähren. Aber ein Nein lässt die Regenwälder weiter brennen – weltweit! – und lässt das Palmöl aus dem Raubbau in unserer Schokolade und unserem Shampoo. Christian Häberli, World Trade Institute, Universität Bern

Beim Abkommen geht es um mehr als nur um Palmöl. Es hat Pionier-Charakter. Erstmals hat Indonesien zugestimmt, einen Nachhaltigkeits-Mechanismus inklusive Korrektur- und Durchsetzungsmassnahmen in einem Freihandelsabkommen aufzunehmen. Mit diesem Abkommen wird ein Standard für weitere solche Verträge gesetzt. Solche Verträge sind für Entwicklungs- und Schwellenländer in wirtschaftlicher, aber auch sozialer Hinsicht von Bedeutung. Gerhard Fischer, alt Grossrat SVP, Meiringen

Zur Abstimmung über die Festhalle in der Stadt Bern

Die Stadt Bern ist nicht (mehr) auf Rosen gebettet, und der Kanton ist es noch weniger. Trotzdem wollen beide je 15 Millionen in die Zukunft eines völlig unsicheren Messeplatzes stecken, weil ohne diese Steuergelder «sich eine zu tiefe Ausschüttungsrendite an die Aktionärinnen und Aktionäre der Messepark Bern AG ergäbe» (Abstimmungsbotschaft). Nach einem Jahr Corona-Krise mit vielen «vergessen» gegangenen Kulturschaffenden und vielen andern Notleidenden hat die öffentliche Hand genügend wichtigere Aufgaben zu erfüllen, als Aktionären von unsicheren Messeplätzen die Rendite zu sichern. Und die Krankenkasse Visana als hier auftretender Aktionär würde besser die angehäuften Reserven in die Prämienverbilligung als in wirtschaftlich zweifel-hafte Objekte investieren. Peter Sigerist, Bern

Link zum Standpunkt-Artikel: «Die neue Festhalle ist eine Chance für Bern»

1 Kommentar
    P. Milraux

    Es scheint mir ratsam, nicht mit Indonesien zu handeln, die Mentalitäten sind zu unterschiedlich, wir können es später bitter bereuen ... aber es wird zu spät sein.