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Erste Wolken am Konjunkturhimmel

Der Schweizer Wirtschaftsmotor läuft noch immer einwandfrei. Erstmals ist aber ein leises Stottern zu hören. Die Finanzkrise zeitigt Wirkung.

Auf den ersten Blick ist alles gut. Auch im ersten Quartal verzeichnete die Schweizer Wirtschaft ein respektables Wachstum. Innerhalb eines Jahres stieg das reale Bruttoinlandprodukt um 3 Prozent. Damit liegt das Wachstum der Wirtschaft seit zwölf Quartalen über 2 Prozent.

Auf den zweiten Blick sind erste Bremsspuren erkennbar. Laut den Angaben des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) wuchs die Wirtschaft im ersten Quartal gerade noch um 0,3 Prozent – verglichen mit je 0,9 Prozent in den drei vorangegangenen Quartalen. «Da sieht man jetzt die Abkühlung der internationalen Konjunktur und die Folgen der Finanzkrise», sagt Aymo Brunetti, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik beim Seco. Die Abschwächung sei aber schon allein deshalb keine Überraschung, weil das Wachstum im zweiten Halbjahr 2007 noch sehr stark gewesen sei.

Die Finanzkrise hinterlässt Spuren

Wenig überraschend lassen sich an den neusten Konjunkturzahlen erstmals die Folgen der Finanzkrise ablesen. Der Finanzbereich schrumpfte gegenüber dem Vorquartal um 2,1 Prozent – die erste negative Entwicklung dieser Branche seit fünf Jahren. Noch im vierten Quartal 2007 verbuchte die Finanzbranche ein Wachstum von 1,9 Prozent. Für das laufende Jahr erwartet Brunetti in diesem Bereich keine grösseren Überraschungen. Die Finanzkrise bleibe aber ein grosser Unsicherheitsfaktor. Die Auswirkungen für 2009 seien deshalb nur schwer abzuschätzen.

Als Wachstumstreiber erweist sich nach wie vor der private Konsum. Diese wichtigste Komponente des Bruttoinlandprodukts legte im Vergleich zum vorangegangenen Quartal um 0,4 Prozent zu. Die Konsumenten gaben mehr Geld aus für Wohnen, Energie und Nahrungsmittel. Und zwar real. Diese Werte sind um die teils markanten Preisanstiege korrigiert.

Als zweite Konjunkturstütze erwiesen sich die Ausrüstungsinvestitionen. Nach zwei negativen Quartalen legten diese um 2,5 Prozent zu. Dabei wurde vor allem in medizinaltechnische Geräte, Präzisionsinstrumente und Fahrzeuge investiert – laut Brunetti ein Zeichen dafür, dass die Unternehmen zuversichtlich in die Zukunft blicken. Der Zuwachs sei allerdings nicht besonders gross, schränkt der Seco-Mann auch gleich ein.

Erste Wolken auch im Industriesektor

Auch die neusten Daten über den Geschäftsverlauf im Industriesektor deuten ein erstes Stottern im Konjunkturverlauf an. Ein von der Credit Suisse erhobener Index weist für den Monat Mai einen Wert von 55,7 aus. Zwar signalisiert eine Ziffer über 50 noch immer eine Ausweitung der Wirtschaftsaktivität. Der aktuelle Wert ist aber um einen Punkt gesunken – zum dritten Mal in den letzten vier Monaten.

Bemerkenswert ist die Konjunkturabschwächung in der Schweiz deshalb, weil sich das europäische Umfeld nach wie vor stabil präsentiert. Deutschland vermeldete vor wenigen Tagen ein überraschendes Wachstum von 1,5 Prozent im ersten Quartal. Brunetti hält dem entgegen, dass die Schweizer Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2007 besser gelaufen sei als die der meisten europäischen Länder.

Die Credit Suisse rechnet nicht mit einem Konjunktureinbruch, aber mit einer Wachstumsberuhigung. Sie sagt im Jahresmittel 2008 ein Wachstum von 1,9 Prozent voraus. Dieser Wert deckt sich mit der aktuellen Prognose des Seco.

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