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Mein JobEr will etwas chnüble

Nicola Liechti aus Münsingen lernt Elektroinstallateur. Für den 18-Jährigen war immer klar, dass er einen handwerklichen Beruf ausüben will.

Nicola Liechti beim Montieren einer Lampe auf der Baustelle Aarhus in Gümligen.
Nicola Liechti beim Montieren einer Lampe auf der Baustelle Aarhus in Gümligen.
Foto: Christian Pfander

Weiterhin die Schulbank drücken? Das kam für Nicola Liechti nach der neunten Klasse nicht infrage. «Ich will etwas ‹chnüble›», sagt der 18-Jährige. Er hat sich für die vierjährige Lehre als Elektroinstallateur entschieden und bei der Elektro Burkhalter AG in Bern eine Lehrstelle erhalten.
In diesen Tagen – es ist noch vor dem Lockdown – arbeitet Nicola Liechti in Gümligen. Auf dem Areal der Stiftung Aarhus entsteht ein Neubau. Der Drittlehrjahrstift installiert Exit-Leuchten, jene rechteckigen Lampen, die den Weg zu den Notausgängen weisen. Nicola Liechti steht auf einer Leiter. Setzt gekonnt Schraubenzieher und Spitzzange ein. «Die Leuchte hängt schief», sagt er. Löst die Schrauben, schiebt die Lampe vorsichtig hin und her, zieht die Schrauben erneut an. «Fertig bin ich erst, wenn ich zufrieden bin», sagt er. Steigt die drei Stufen der Leiter hinab, greift nach dem Werkzeuggurt, der unter die Hüfte gerutscht ist, und zieht ihn hoch. Nicola Liechti ist schlank und gross gewachsen. Nach Feierabend wird er mit seinen Unihockeykollegen in Münsingen trainieren. Sport begeistert ihn.

Alles andere als eintönig

Auf der Baustelle hat sich das Team von Elektro Burkhalter temporär in einem der Räume eingerichtet. Werkzeug liegt da. Auf einem Gestell türmen sich Kabel, Steckdosen und Schrauben. Arbeitskollegen gehen ein und aus. Nicola Liechti sitzt am Tisch, nimmt sich Zeit, bevor er auf eine Frage antwortet. Er mag diese Arbeitsumgebung, der flüchtige Austausch mit anderen Handwerkern, das Lebhafte. «Für uns Elektroinstallateure beginnt die Arbeit nach dem Aushub und endet, wenn auch das Gebäude fertig ist.» Er und seine Arbeitskollegen seien verantwortlich für alle Stromanschlüsse – von der Waschmaschine über die Heizung bis hin zur Aussenbeleuchtung. Die Tätigkeiten seien alles andere als eintönig. «Einzig das Verlegen der Rohre für Kabel ist langweilig, und ich bin jedes Mal froh, wenn diese Arbeit erledigt ist», sagt er.

Verantwortung übernehmen

In diesem Lehrjahr, dem zweitletzten, kann Nicola Liechti bereits viel Verantwortung übernehmen und sich selber organisieren. Hier auf der Baustelle in Gümligen war er unter anderem zuständig für die Einrichtung sämtlicher Installationen im 4. Stock. «Der Auftrag ist mir gelungen», sagt der angehende Elektroinstallateur, die Freude ist ihm anzusehen. Verantwortung übernehmen, das entspricht ihm. Er lebt mit seinem Vater in Münsingen, muss seinen Beitrag an die Hausarbeit leisten. «Ich bin zuständig fürs Kochen, darum gibt es fast immer Pasta», sagt er.

Respekt vor dem Abschluss

Der temporäre Aufenthaltsraum auf der Baustelle ist auch ein Ort, an dem man sich um 9 Uhr zur Znünipause trifft, am Donnerstagmittag in der Mikrowelle Wienerli wärmt und gemeinsam Hotdogs isst und freitags ein Feierabendbier trinkt. Nicola Liechti ist am Freitag nicht dabei. Er besucht dann den Unterricht für die Berufsmatura, um später die Fachhochschule absolvieren zu können. Wobei er sich noch nicht sicher ist, ob er das auch will, «bevor ich mich entscheide, will ich eine Weltreise machen», sagt er. Der Schulstoff bereitet dem angehenden Elektroinstallateur keine Mühe. Mathematik, ein wichtiges Fach in seiner Ausbildung, ist seit je sein liebstes. Trotzdem beschäftigt ihn manchmal die Lehrabschlussprüfung, die in gut einem Jahr ansteht – da vor allem der praktische Teil. «Der Chef muss mir zwar längst nicht mehr dauernd über die Schultern schauen, und ein schwerwiegender Fehler ist mir auch noch nie passiert», sagt er. Doch ganz fit für die Prüfung fühle er sich trotzdem noch nicht: «Sorgfalt allein reicht nicht, ich muss schneller werden.»

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