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Neuer Credit-Suisse-PräsidentSpekulationen um Rohners Nachfolge

Nächsten Freitag hält die Grossbank eine ausserordentliche Generalversammlung ab. Frühestens dann soll der neue Bank-Präsident bekannt werden. Sicher ist: Die Namen, die bisher durch die Medien geisterten, sind alle falsch.

Im Frühjahr nächsten Jahres verabschiedet sich Urs Rohner von der Spitze der Credit Suisse.
Im Frühjahr nächsten Jahres verabschiedet sich Urs Rohner von der Spitze der Credit Suisse.
Foto: Anna-Tia Buss

Es ist das am besten gehütete Geheimnis des Schweizer Finanzplatzes: Wer folgt auf Urs Rohner an der Spitze des Verwaltungsrates der Credit Suisse? Im Frühjahr endet sein Mandat. Frühestens am Freitag anlässlich der ausserordentlichen Generalversammlung oder wenige Tage danach soll der Name des neuen Präsidenten bekannt werden, so Quellen. Credit Suisse erklärt, dass die Nachfolge «bis Ende Jahr» kommuniziert würde. Wer kommt infrage? Welche Baustellen muss der neue Präsident in Angriff nehmen? Und wie sieht Rohners Bilanz aus? Ein Überblick.

Die Kandidaten

Galt in den Medien lange als Frontrunner: Ex-SNB-Chef Philipp Hildebrand. Doch er war nie ernsthaft im Gespräch für die Spitze der Credit Suisse.
Galt in den Medien lange als Frontrunner: Ex-SNB-Chef Philipp Hildebrand. Doch er war nie ernsthaft im Gespräch für die Spitze der Credit Suisse.
Foto: Reto Oeschger

Lange galt er als der heisseste Anwärter: Blackrock-Manager und Ex-SNB-Chef Philipp Hildebrand. Doch er wird es definitiv nicht werden, so Quellen. Und das war bereits klar, bevor der Bundesrat Hildebrand als Kandidaten für den Posten des OECD-Generalsekretärs aufbot. Zum einen hat Hildebrands Frau, Rohstoff-Unternehmerin Margarita Louis-Dreyfus, einen Milliardenkredit bei der Credit Suisse aufgenommen – ein klarer Interessenkonflikt. Zum anderen gilt das Verhältnis zwischen Rohner und Hildebrand als schwierig – diplomatisch formuliert.

Vom Profil sonst erfüllt der Ex-SNB-Chef die Anforderungen der Bank, die bei der Präsidentensuche von der Personalagentur Russell Reynolds unterstützt wird: Führungserfahrung bei einem internationalen Top-Institut. Wie zu hören ist, soll Rohners Nachfolger ein bekannter Name sein, der vom Fleck weg überzeugt.

Durchgesickert ist ferner: Der neue Bankpräsident kommt von aussen, es wird jemand für das Board nachnominiert werden. Damit scheidet Andreas Gottschling aus, der seit 2017 im Verwaltungsrat sitzt. Der Deutsche war von «Finews» als Favorit gehandelt worden. Auch die jüngst für das Board nominierten Frauen Blythe Masters (ehemals JP Morgan) und Ex-IWF-Managerin Clare Brady werden es nicht, so mehrere Quellen.

Wie aus dem Umfeld des Verwaltungsrats zu hören ist, gibt es im Board aber Vertreter, die sich dafür einsetzen, dass auf Rohner eine Frau folgt. Doch ist das Feld der möglichen Kandidatinnen noch dünner gesät als bei den Herren. Vermutlich wird es also doch wieder ein Mann. Es muss dabei nicht zwingend ein Schweizer sein, denn die Swissness in der Bankführung ist bereits mit CEO Thomas Gottstein abgedeckt.

Die Baustellen

Der US-Riese Blackrock ist die Grossmacht im Asset-Management. Kleinere Player wie Credit Suisse müssen sich eine lukrative Nische suchen.
Der US-Riese Blackrock ist die Grossmacht im Asset-Management. Kleinere Player wie Credit Suisse müssen sich eine lukrative Nische suchen.
Foto: Lucas Jackson (Reuters) 

Es gibt eine Zahl, auf die ist Bank-Chef Thomas Gottstein besonders stolz: Knapp zehn Prozent beträgt die Rendite auf das harte Eigenkapital in den ersten neun Monaten– dieser Wert gilt als Schwelle, ab der eine Bank Wert für ihre Aktionäre schafft.

Dennoch liegt der Börsenwert der CS nur bei 60 Prozent des Buchwertes. «Der neue Präsident muss eine Antwort finden, wie der Bewertungsabschlag zum Buchwert reduziert werden kann», sagt daher Andreas Venditti, Bank-Analyst bei der Privatbank Vontobel.

Rohners Nachfolger wird die Frage beantworten müssen, ob die Investmentbank nicht immer noch zu gross ist. Die Investmentbank-Aktivitäten sind zum Teil auch in der Schweiz-Einheit und im Asiengeschäft angesiedelt. Laut Venditti sei die Investmentsparte «immer noch deutlich grösser als jene der UBS und absorbiert gut 40 Prozent des ökonomischen Risikokapitals». Mittelfristig will die Credit Suisse den Anteil am Risikokapital wie die UBS auf rund ein Drittel drücken.

Zweite strategische Baustelle ist die jetzt laufende Überprüfung des Asset-Managements. Das Geschäft mit klassischen Aktienfonds hat gegenüber Giganten wie Blackrock einen schweren Stand. Besser laufen Spezialitäten wie Private-Equity-Fonds. Hier hat die CS aber Nachholbedarf.

Laut Quellen wird überlegt, einen Minderheitsanteil der Sparte an die Börse zu bringen. Damit soll zum einen der Wert des Geschäfts besser zum Vorschein kommen. Zum anderen bietet eine eigene Kotierung die Möglichkeit, das Asset-Management in Fusionen einzubringen. Vor einem Börsengang müssen aber erst die Zahlen besser werden: In den ersten neun Monaten sank der Vorsteuergewinn um 22 Prozent.

Um die Kosten zu drücken, bleibt zudem die Frage, ob die Credit Suisse nicht bei ihren Banksystemen einen grossen Sprung wagt und hier mit einem anderen Haus kooperiert. Gewichtiges Hindernis: Wer auf die eigenen Systeme verzichtet, muss darauf einen millionenschweren Abschreiber vornehmen.

Die Bilanz von Rohner

Bemisst man den Erfolg der Ära Rohner am Aktienkurs, ist das Ergebnis niederschmetternd: Während der SMI fast 60 Prozent zulegte, gab die Credit-Suisse-Aktie rund 70 Prozent nach. Die UBS-Aktie verlor in diesem Zeitraum rund 24 Prozent. Immerhin: Gut 9 Milliarden Franken schüttete die CS als Dividenden und Aktienrückkäufe in der Zeit aus.

Als 2012 die UBS bereits die Abkehr vom Investmentbanking vollzog, hielt Rohners CEO Brady Dougan trotzig daran fest. Rohner soll ebenfalls Ideen für einen Umbau gehegt haben, setzte sich damals aber nicht durch.

Es bleibt das Bild eines Präsidenten, der oft glücklos agiert. Wie im Jahr 2014, als die USA die Credit Suisse wegen Schwarzgeldgeschäften zu einer Zahlung von 2,6 Milliarden Franken verdonnerten. Personelle Konsequenzen gab es keine, stattdessen sagte Rohner Sätze wie: «Persönlich haben wir ganz sicher eine weisse Weste.»

Den Befreiungsschlag sollte die Berufung von Tidjane Thiam als Bank-Chef bringen. Dieser drückte mit Erfolg die Kosten um 4 Milliarden Dollar und schrumpfte das Handelsgeschäft. Am Ende stolperte Thiam über die Beschattungsaffäre.

Vielleicht ist es Rohners grösste Leistung, dass er all diese Episoden als Präsident überstand. Bleibt ihm nun, mit einer überzeugenden Nachfolge noch Punkte zu machen.

2 Kommentare
    Ernst Kurer

    Dem Urs Rohner weint wohl niemand eine Träne nach. Bleibt sehr zu hoffen, dass diese Bank ENDLICH fähige Personen in die massgebenden Positionen wählt damit es wieder mal positives zu berichten gibt. Warten wirs ab - wenn man da aus dem Hut zaubert.