«So etwas habe ich noch nie erlebt»

Die Stimmen der Sieger und der Verlierer nach dem Penaltydrama zwischen Deutschland und Italien.

  • loading indicator

Manuel Neuer, der zwei Versuche der Italiener halten konnte, blieb nach dem knappen 6:5-Sieg im Penaltykrimi vor den TV-Kameras erstaunlich gelassen. Allerdings gab der deutsche Goalie zu, dass er «ein solch langes Elfmeterschiessen noch nie erlebt» habe. «Aber wir sind verdient in den Halbfinal vorgestossen, wir waren über 120 Minuten gesehen die dominierende Mannschaft gewesen.» Er hätte sich im Vorfeld des Duells gegen Italien auf ein mögliches Penaltyschiessen vorbereitet. Aber dass er zwei Schüsse, die mitten aufs Tor flogen, passieren liess, ärgerte ihn schon ein wenig. Auf diese Situationen habe er sich nicht eingestellt. «Aber die beiden Versuche, die ich parieren konnte, habe ich immer noch im Kopf» – und schmunzelte dabei.

Blieb gelassen: Manuel Neuer. Video: Reuters

Jonas Hector, der den letzten der 18 Penaltys mit erheblichem Glück verwertete, fiel ein Stein vom Herzen. «Meine Gefühle sind schwer in Worte zu fassen. Ich bin natürlich überglücklich, dass der Ball reinging und dass wir eine Runde weitergekommen sind.» Der junge Kölner war ehrlich genug, zu gestehen, dass «ich auch Glück bei meinem Versuch hatte». Hector lobte seinen Torhüter, der die Elfer von Leonardo Bonucci und Matteo Darmian abwehrte. «Manuel hat wirklich stark gehalten. Defensiv haben wir heute gut gespielt, im Spiel nach vorne hatten wir dagegen das eine oder andere Problem.» Der Aussenverteidiger vergass den hartnäckigen Gegner nicht. «Die Italiener sind sehr gut gestanden. Das muss man ihnen lassen.»

Contes grosse Enttäuschung

Auch Mats Hummels lächelte, er verwertete seinen Elfer zum 3:3. Allerdings ärgerte sich der Verteidiger über seine zweite gelbe Karte an diesem Turnier. «Wie die gegen die Slowakei war auch diese nicht gerechtfertigt. Jetzt bin ich für den Halbfinal gesperrt. Das ist wirklich mühsam.» In der Tat muss Bundestrainer Jogi Löw für das Duell gegen Gastgeber Frankreich oder Island umdisponieren.

Italiens Trainer Antonio Conte bemühte sich nach dem Drama in Bordeaux um Fassung. «Ich bin enttäuscht. Es tut mir sehr leid für die Spieler, die alles gegeben haben. Wir sind von den Deutschen im Penaltyschiessen geschlagen worden – das tut weh.» Er gab indessen zu, dass der Gegner sehr stark gewesen sei.

Auf seine Vergangenheit als Coach der Azzurri angesprochen, wich Conte aus. «Ich ziehe ungern Bilanz. Das müssen andere machen.» Für ihn seien aber die letzten beiden Jahre mit dieser Mannschaft sehr schön und wertvoll gewesen. «Ich möchte es noch einmal betonen: Meine Spieler haben an dieser EM alles gegeben.»

fal

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt