Forsche Töne von Xhaka und Co.

Die Schweizer ­geben sich nach der Achtelfinalqualifikation selbstbewusst. Sie glauben, die potenziellen Gegner würden sich gar ein wenig vor ihnen fürchten.

Gepfrüft: Anders als die Schweizer Spieler hielten die Trikots am Sonntagabend gegen Frankreich den Belastungen nicht Stand.

Gepfrüft: Anders als die Schweizer Spieler hielten die Trikots am Sonntagabend gegen Frankreich den Belastungen nicht Stand.

(Bild: Keystone)

Das meinte er dann doch nicht ernst. «Einen Schweizer kann man halt nur so stoppen», sagte Granit Xhaka nach dem 0:0 gegen Gastgeber Frankreich, das die Qualifikation für den Achtelfinal bedeutet hatte.

Es war fast schon Mitternacht am Sonntagabend in Lille, und der 23-jährige Mittelfeldspieler war gerade dabei, zum x-ten Mal über die Trikots zu sprechen, die – anders als die Schweizer – an diesem Abend den Belastungen nicht standgehalten hatten. Sieben waren im Verlauf der Partie gerissen, der deutsche Hersteller Puma sah sich deshalb gestern zu einer Stellungnahme gezwungen.

Gut gelaunt

Es war ein Witz von Xhaka, das schon. Er stimmte aber mit seiner Grundhaltung überein. «Ob wir Deutschland im Achtelfinal haben oder im Final, das spielt keine Rolle», sagte der künftige Arsenal-Akteur, der sich an dieser EM immer mehr zum Chef der Equipe mausert und in den drei Gruppenpartien 287 Pässe bei einer Erfolgsquote von 91,29 Prozent gespielt hat. Diesmal verzog die Nummer 10 keine Miene.

Unterstützung erhielt Xhaka von Xherdan Shaqiri, der jeweils ebenso selbstbewusst aufzutreten pflegt: «Wenn man in den Final will, dann muss man auch irgendwann durch die Deutschen durch. Das wäre eine schöne Partie», sagte der 24-jährige frühere Bayern-Spieler, der gegen die Franzosen vor allem in der Defensive überzeugt hatte.

Auch der Offensivakteur war an diesem Abend nicht um einen Spruch verlegen. «Zum Glück produziert Puma keine Kondome!», sagte Shaqiri. Und lachte.

Die Schweizer zeigten sich gut gelaunt, der Abend in Lille war nach ihrem Gusto verlaufen. «Es war eine grossartige Leistung der Mannschaft, endlich haben wir auch einmal gegen eine grosse Mannschaft gezeigt, dass wir mithalten können», sagte Xhaka.

Er meinte aber auch: «Ich schätze, wir haben noch unausgeschöpftes Potenzial. Jetzt folgen für mich nur noch Finalspiele. In einer K.-o.-Runde kann jederzeit alles passieren.» Derweil sagte Trainer Vladimir Petkovic, die anderen Mannschaften müssten es sich erst einmal verdienen, gegen die Schweiz zu spielen. «Wir sind weiter hungrig.»

Gut erholt

Vorerst aber genoss das Team, das am Morgen um 3 Uhr nach Montpellier zurückgekehrt war, einige freie Stunden. Captain Stephan Lichtsteiner, Fabian Schär und Fabian Frei nutzten sie gestern zusammen mit dem Berner Konditionstrainer Oliver Riedwyl für eine Runde Golf auf der nahe gelegenen Anlage.

Andere wie Xherdan Shaqiri zog es bei Sonnenschein und 25 Grad in die Innenstadt. «Die Situation hier ist perfekt. Montpellier hat uns überzeugt. Es ist jedes Mal spürbar, wenn wir ins Flugzeug steigen: Die Atmosphäre wird noch lockerer, wenn wir in die Wärme zurückkommen», sagte Peter Gilliéron.

Der Verbandspräsident ist in diesen Wochen nahe am Team dran. Er sagt: «Der Zusammenhalt unter den Spielern ist riesig. Auch die Ersatzspieler sind zufrieden.» Dabei sei ein solches Turnier für sie oft heikel. «Aber alle sind mit Freude dabei – und mit dem Willen, hier weiterzukommen.»

Gute Aussichten

Zur Ausgangslage sagte Gilliéron: «Für die Planung ist es sehr gut, dass wir jetzt schon wissen, wo und wann wir das nächste Mal spielen. Und den Gegner kennen wir am Dienstagabend auch schon.»

Ihren Achtelfinal bestreiten die Schweizer am Samstag um 15 Uhr in Saint-Etienne gegen Deutschland, Polen oder Nordirland. «Wir haben vor keinem Gegner Angst. Umgekehrt bringen uns die anderen nach dieser Vorrunde nun viel Respekt entgegen, vielleicht haben sie sogar ein wenig Angst», meinte Gilliéron.

Die Schweizer geben sich in diesen Tagen selbstbewusst.

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