Das doppelte Déjà-vu

Zwei Schweizer Spieler haben die Geschichte des gestrigen Spiels entscheidend mitgeprägt: Admir Mehmedi und Stephan Lichtsteiner nahmen je eine Rolle ein, die sie bereits kannten.

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Es war alles vorbereitet: Breel Embolo hatte sich des Überziehers bereits entledigt. Er hatte die Anweisungen von Vladimir Petkovic erhalten und vorsichtshalber auch schon Kontakt zum vierten Offiziellen aufgenommen. Eine Ecke noch, so lautete der Plan, dann wäre Embolo ins Spiel ­gekommen, um noch etwas gegen den 0:1-Rückstand der Schweizer gegen Rumänien zu unternehmen.

Admir Mehmedi muss schmunzeln, als er diese Geschichte im Anschluss an das zweite Schweizer EM-Spiel hört. Ihn hätte es treffen sollen mit Petkovics geplanter Auswechslung in der 57. Minute. Doch der Stürmer durfte bleiben, weil er nach dem Eckstoss von Ricardo Rodriguez und dem anschliessenden Kopfball von Johan Djourou ein Glanzlicht setzte. Mit einem strammen Volley erzielte Mehmedi das 1:1, das bis zum Schlusspfiff Bestand haben ­sollte.

Mehmedi spielte im Anschluss wie verwandelt, als hätte ihn erst sein Tor daran erinnern müssen, wie schön der Fussball sein kann. «Das wäre die falsche Entscheidung gewesen, wenn der Trainer mich ausgewechselt hätte», sagt Mehmedi mit breitem Grinsen im Gesicht. Wer hätte ihm widersprechen sollen?

Die Gesamtsituation

Vor dem Turnier hatte sich auf dem 25-Jährigen eine Menge Druck aufgebaut. Während er in Leverkusen nicht mehr erste Wahl war, drängte zeitgleich ein Spieler namens Breel Embolo nach oben, den sie in Frankreich inzwischen sogar dann feiern, wenn er gar nicht auf dem Platz steht. Mehmedi jedenfalls schien seine Gesamtsituation zu beschäftigen. «Nein», sagt er, «ich habe auch in den letzten Spielen gut gespielt. Die Leute, die etwas vom Fussball verstehen, haben das gesehen.»

Netterweise hat Mehmedi jetzt das Tor gegen die Rumänen erzielt, damit auch die Ahnungslosen endlich verstehen, wie wichtig er für dieses Team ist. Bei der WM 2014 war es ähnlich gewesen: Mehmedi sass zu Beginn nur auf der Bank, schoss sich dann aber im Startspiel gegen Ecuador in und Valentin Stocker aus der WM-Mannschaft.

Wer weiss, vielleicht hat ja nicht nur Mehmedi eine Zeitmaschine im Keller stehen, mit der er sich in den letzten Tagen zwei Jahre zurückversetzt hat. Auch Captain Stephan Lichtsteiner hinterliess gestern erneut den Eindruck, als wäre es wieder 2014. Bei ihm ist diese Feststellung allerdings nicht so wohlwollend wie bei Mehmedi.

Die Captainbinde

Zwar hat der 32-Jährige inzwischen die Captainbinde am Arm. Doch man wird das Gefühl nicht los, dass ihn der Stofffetzen mehr belastet denn beflügelt. Auch gegen Rumänien zeigte Lichtsteiner keinen seiner berüchtigten Tempoläufe. Zu allem Überfluss verschuldete er auch noch den Schweizer Rückstand: Im Duell mit Alexandru Chipciu hielt er diesen zu energisch am Trikot fest, der Schiedsrichter entschied auf Penalty.

«Klar halte ich ihn kurz fest. Aber ob man da gleich Elfmeter pfeifen muss?», fragte Lichtsteiner anschliessend in die Runde. Sonst wollte er sich zu seinen Leistungen nicht äussern. Er wusste ja, warum er überhaupt danach gefragt wurde – damit er selber zugibt, dass es ihm im Moment nicht perfekt läuft.

Doch Lichtsteiner ist Profi. Auch in dieser Hinsicht. «Das überlasse ich den Journalisten. Wenn man jetzt zu gut redet, dann heisst es, man sei arrogant. Wenn man zu schlecht redet, dann hat man kein Selbstvertrauen», sagte Lichtsteiner.

Doch auch das erinnerte an seine Situation vor zwei Jahren.

Berner Zeitung

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