C'est la vie

Nur mal ein Gedankenspiel: Stellen Sie sich vor, am Mittwoch würde die Schweiz den EM-Halbfinal gegen Wales bestreiten.

Fabian Ruch

Was wäre hierzulande gerade los? Würden über 100?000 Fans ins nahe Lyon reisen? Die Euphorie hätte bestimmt historische Dimensionen angenommen, wir würden uns alle überbieten mit Elogen auf Granit Xhaka («bester Mittelfeldspieler der Welt»), Xherdan Shaqiri («so wurde der Zauberzwerg und Alpen-Messi zu einem der Grössten») und Stephan Lichtsteiner («sein Flankengeheimnis»). Vielleicht wäre die Nationalmannschaft sogar in ganz Europa der Liebling aller Sofafussballer, welche die Kleinen mögen. So wie es die Isländer tagelang gewesen sind.

Diese sind ja nun ausgeschieden, was an dieser Stelle letzte Woche mit einem Augenzwinkern gefordert worden war. Auch die Schweizer hätten die Rolle des geliebten Underdogs übernehmen können. Vielleicht hätte dann jeder im Internet wissen wollen, wie sein Name auf Schweizerdeutsch lauten würde. Ronaldo Chrigu. Griezmann Tönu. Lewandowski Röbu. Pogba Pole. Bale Geri.

Gagason?

Ganz sicher würden die grossen Medienhäuser Europas ihre Starreporter in die Schweiz schicken, um den Menschen zu Hause diese modernen Gallier vorzustellen. Hier wuchs Xhaka auf! Da verkaufte Shaqiri in der Lehre Krawatten! Dort lernte Lichtsteiner das Flanken!

Von Lissabon bis Moskau und von Dublin bis Istanbul würden die Leute belustigt Wörter wie «Chuchichäschtli» lernen. Und auf der Suche nach interessanten Fakten zur Schweizer Multikulti-Truppe würde die Inte­grationskraft unseres Landes als leuchtendes Vorbild für den Rest Europas strahlen.

Balkangraben? Was ist das?

Aber eben: So reizvoll das Gedankenspiel ist, so sehr bleibt es ein reizvolles Gedankenspiel.Wales dagegen hat die Gunst des Tableaus genutzt. Und ein bisschen verbunden darf sich die Schweiz der keltischen Nation schon fühlen. Immerhin wurde das Land einst Wallis genannt. Und der walisische Fitnesscoach Adam Owen ist Assistent bei Servette. So viel Schweiz hat von den Halbfinalisten nur noch Deutschland mit Chefscout Urs Siegenthaler, seit einigen Monaten YB-Verwaltungsrat, zu bieten.

Berner Zeitung

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