Shaqiri benötigt einen Honduras-Moment

Am Sonntag trifft die Schweiz in Lille auf Gastgeber Frankreich (21 Uhr). Gefordert ist mal wieder vor allem Xherdan Shaqiri.

Manchmal kapriziös: Xherdan Shaqiri polarisiert.

Manchmal kapriziös: Xherdan Shaqiri polarisiert.

(Bild: Keystone)

Fabian Ruch

Geht es weiter nach Papierform, verliert die Schweiz am Sonntag ihr drittes Spiel an der Euro. Sieg gegen Albanien, Unentschieden gegen Rumänien, Niederlage gegen Frankreich – so hatten es viele Beobachter vor dem Turnier prognostiziert.

Es würde mindestens zu Rang 3, vielleicht zu Rang 2 und fast zweifellos fürs Weiterkommen in die EM-Achtelfinals reichen. Aber die Schweizer haben keine grosse Lust, berechenbar zu sein.

Trainer Vladimir Petkovic sagte nach dem 1:1 gegen Rumänien am Mittwoch in Paris, er sei überzeugt, dass sich seine Mannschaft weiter steigern werde. «Wir können besser spielen», sagte er, «und gemessen an den Torchancen müssten wir ja trotzdem sechs Punkte haben.»

Eine Rechnung offen

Es ist eine Art Bonusspiel für die Schweizer, weil sie gegen Frankreich weniger unter Druck stehen als gegen Albanien und Rumänien. Vor zwei Jahren an der WM in Brasilien resultierte diese Ausgangslage in einem Debakel, die 2:5-Niederlage gegen Frankreich im zweiten Vorrundenspiel haben die Fussballer nicht vergessen.

«Wir haben noch eine Rechnung offen mit den Franzosen», sagte Captain Stephan Lichtsteiner, «und ich bin sicher, dass wir heute einen Schritt weiter sind.»

Ein Spieler im Schweizer Team denkt derzeit bestimmt mit schönen Erinnerungen zurück an 2014. Xherdan Shaqiri, Schlüsselfigur in der Offensive, überzeugte in den ersten Spielen gegen Ecuador (2:1) und Frankreich nicht, seine Leistungen wurden kritisiert, die Fans regten sich über den kapriziösen Individualisten auf.

Und es hiess, Ottmar Hitzfeld überlege sich, Shaqiri auf die Bank zu setzen. Der Nationaltrainer tat es nicht, Shaqiri schoss gegen Honduras (3:0) drei Tore und brillierte später auch im Achtelfinal gegen Argentinien (0:1 nach Verlängerung) mit einer formidablen Vorstellung. Er war wieder Liebling der Fussballnation.

Shaqiri wehrt sich

Und nun ist dieser Xherdan Shaqiri wieder ein Ärgernis in der Heimat. Er wird scharf attackiert, weil er lustlos spiele, ineffizient und schwach. Im Internet wird darüber abgestimmt, ob ihn Trainer Petkovic auf die Bank setzen soll.

Shaqiri selber hat, wenig überraschend, kein Verständnis für diese Polemik um seine Person. Nach dem Unentschieden gegen Rumänien erklärte er, seine Leistungen seien nicht so schlecht. «Ich arbeite viel, helfe auch defensiv mit», sagte Shaqiri. «Und ein Skorerpunkt in zwei Partien ist nicht so schlecht.»

Der 24-Jährige hatte das Tor gegen Albanien durch Fabian Schär mit einem Eckball vorbereitet. Und er legte dem glücklosen Haris Seferovic eine Grosschance gegen Rumänien stark vor. Insgesamt ist seine Performance bisher nicht gut, aber sie ist ordentlich und ganz sicher nicht so schlecht, wie man das Gefühl erhält, wenn man die sozialen Medien verfolgt.

Es ist das Schicksal von aussergewöhnlichen Fussballern, werden sie strenger beurteilt als andere. Am Sonntag in Lille bietet sich Shaqiri die ideale Bühne, die Fussballwelt daran zu erinnern, dass er vor wenigen Jahren als grosses Versprechen galt.

Es fehlt ihm noch eine ganze Menge zur Grösse im internationalen Fussball, an Konstanz unter anderem, Durchsetzungsvermögen, vielleicht auch an Demut. Aber alle zwei Jahre ist einer wie er zu einer Sonderleistung fähig.

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