Es ist Zeit

YB-Captain Steve von Bergen hat am Dienstag seinen Rücktritt aus dem Nationalteam bekannt gegeben. Gut möglich, wird er nie mehr für die Schweiz zum Einsatz kommen. Seine Rolle an der EM ist eine andere.

Gute Laune: Die beiden YB-Spieler Denis Zakaria (links) und Steve von Bergen bei der Pressekonferenz am Dienstag in Montpellier.

Gute Laune: Die beiden YB-Spieler Denis Zakaria (links) und Steve von Bergen bei der Pressekonferenz am Dienstag in Montpellier.

(Bild: Keystone)

Dominic Wuillemin

Er sagt es nebenbei. Als wäre es nichts Grosses, ja fast Belangloses. Beispielsweise, was er am Montag gegessen habe. Oder welche Farbe seine liebste sei. Aber das, was Steve von Bergen am Dienstagachmittag an der Pressekonferenz in Montpellier verkündet, verfügt über eine gewisse Tragweite. «Die EM ist mein letztes grosses Turnier», sagt der YB-Captain also. Und weil diese Ausdrucksform Raum für Spekulationen zulässt, schiebt er nach: «Ich werde sicher nicht für die Qualifikation zur Verfügung stehen und dann sagen: Das war es.»

Von Bergen meint es ernst, nach 50 Länderspielen für die Schweiz, nach 3724 Einsatzminuten, nach Teilnahmen an der WM 2010, 2014 und nun der EM in Frankreich – seinem dritten Grossanlass. «Mit 33 ist die Zeit für mich gekommen», sagt er. Und da es nun schon raus ist, ist er auch bereit, zurückzublicken, wie das so üblich ist bei Pressekonferenzen, bei denen ein Rücktritt bekannt gegeben wird. Nie vergessen werde er sein Debüt, sagt von Bergen. Das war im Herbst 2006 bei einem Freundschaftsspiel gegen Costa Rica. Aber auch seine erste Partie von Anfang an ein Jahr später in Genf gegen Holland sei ihm geblieben. «Und natürlich der Sieg gegen Spanien. Das war unglaublich», sagt der Neuenburger. Beim 1:0 an der WM in Südafrika gegen den späteren Weltmeister Spanien war er noch während der ersten Halbzeit für den verletzten Philippe Senderos eingewechselt worden.

Vier Jahre später in Brasilien war es dann von Bergen selbst, der sich während des Turniers verletzte. Nachdem er von Frankreichs Stürmer Olivier Giroud im Gesicht getroffen worden war, musste er abreisen. Es war sein Tiefpunkt im Schweizer Trikot.

Der Stolze

Zehn Jahre dauerte von Bergens Länderspielkarriere. «50 Partien, das ist eine schöne Zahl», sagt er. Er spielte unter Köbi Kuhn, Ottmar Hitzfeld und nun Vladimir Petkovic, sah Spieler kommen und gehen. «Seit meinem Debüt hat sich ja fast alles verändert», sagt er, als er gefragt wird, ob er die Schweizer Teams von früher mit der aktuellen Mannschaft vergleichen könne. Nur Captain Stephan Lichtsteiner und Valon Behrami sind noch länger dabei als er. «Ich aber bin der Älteste hier», ruft er einmal in den Raum. Von Bergen ist gut gelaunt, wirkt zufrieden. Er sagt: «Ich bin stolz auf das Erreichte.»

Dabei sah es vor kurzem nicht danach aus, als ob er die Gelegenheit erhalten würde, mit einem Höhepunkt abzutreten. Für die Testspiele im März gegen Bosnien und Irland war er nicht aufgeboten worden, später, während der EM-Vorbereitung, gab Trainer Vladimir Petkovic erst Sen­deros das Vertrauen. Der Genfer nahm sich mit einem fürchterlichen Fehler gegen Belgien selbst aus dem Wettbewerb. «Ich hatte vor der EM ein Gespräch mit dem Trainer. Meine Rolle war von Anfang an klar», erzählt von Bergen.

Der Vermittler

Es ist eine Rolle, die für den Routinier keine Einsätze vorsieht. Johan Djourou und Fabian Schär sind in der Innenverteidigung ­gesetzt. «Sie machen ihre Sache sehr gut, schliesslich haben wir erst ein Tor erhalten. Und das war ein Penalty», meint von Bergen. Er sagt auch: «Natürlich würde ich gerne spielen. Jeder, der hier ist, will das.» Seine Aufgabe als Routinier sei es, zu schauen, dass die Stimmung gut bleibe. Den Entscheid des Trainers gelte es zu respektieren. «Ich spreche mit den Ersatzspielern, beruhige sie.» Das gelte vor allem für die Jungen. «Ich bin für sie da, wenn sie mich brauchen», sagt von Bergen und legt symbolisch den Arm um Denis Zakaria, seinen Teamkollegen, der 14 Jahre jünger ist.

Am Dienstag an der Pressekonferenz ist der junge YB-Mittelfeldspieler nur der Nebendarsteller. Seine Zeit wird kommen, er steht für die Zukunft.

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