«Dann gibt es ein böses Erwachen»

Das Spiel gegen die Rumänen beschäftigt auch drei ehemalige Nationalspieler, die insgesamt 283 Länderspiele absolvierten.

Im EM-Fokus: Die Schweizer Nationalmannschaft.

Im EM-Fokus: Die Schweizer Nationalmannschaft. Bild: Keystone

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Die Schweiz konnte in ihrem ersten Gruppenspiel gegen Albanien nicht überzeugen und konnte sich bei Torhüter Yann Sommer bedanken, der den hauchdünnen 1:0-Sieg mit Glanzparaden in den Händen hielt. Ab 18 Uhr spielt das Team von Vladimir Petkovic gegen die Rumänen, die trotz der 1:2-Startniederlage gegen Gastgeber Frankreich gute Noten erhielten.

Heinz Hermann, mit 117 Länderspielen nach wie vor Rekordnationalspieler, macht sich grosse Sorgen. «Die Schweiz hat mich gegen Albanien überhaupt nicht überzeugt. Es war wenig Bindung im Spiel. Mir fehlte die Kompaktheit», sagt der langjährige Captain des Nationalteams.

«Physisch und psychisch total auf der Höhe»

Kein Spieler, ausser Goalie Yann Sommer, habe sein Niveau erreicht. «Gegen die Rumänen braucht es eine eklatante Leistungssteigerung. Und wenn die Mannschaft nicht von der ersten Sekunde an parat ist und die Spieler nicht endlich ihr zweifelsohne vorhandenes Potenzial abrufen können, dann gibt es für die Schweiz ein böses Erwachen», befürchtet der Zürcher und schwärmt sogleich von den Rumänen.

«Sie waren gegen Frankreich lange Zeit die klar bessere Mannschaft. Die Rumänen sind extrem solidarisch untereinander, jeder fightet für den anderen. Sie haben mir wirklich sehr gut gefallen», lobt Hermann und erklärt: «Diese Rumänen sind physisch und psychisch total auf der Höhe. Auch spielerisch sind sie enorm stark und jederzeit auch in der Lage, ein extremes Pressing zu spielen.»

«Mir fehlt der Biss»

Ähnlich sieht es Ciriaco Sforza, der für die Schweiz 79 Länderspiele absolvierte. «Bei den Schweizern fehlen mir der Biss, die Mentalität, die Winnermentalität», sagte der Champions-League-Sieger mit den Bayern. Er sei nicht überzeugt, ob alle Spieler in der Lage seien, «überhaupt den inneren Schweinehund zu überwinden».

Auch der Aargauer war von der Leistung der Rumänen gegen Frankreich angetan. «Bei den Schweizern spielen praktisch alle im Ausland und zum Teil erst noch bei Topclubs. Viele Rumänen wollen dort noch hin. Und man spürt förmlich, wie sie die grosse Bühne einer EM dazu nutzen wollen», sagt Sforza. «Die Franzosen mussten gegen diese Rumänen lange unten durch und konnten den Sieg nur durch einen Sonntagsschuss praktisch mit dem Schlusspfiff sicherstellen.»

«Im Zentrum zu dominant»

Hakan Yakin brachte es auf 87 Länderspiele für die Schweiz. Der Basler betont eingangs, dass ihn Expertenkommentare, wie er sie heute abgebe, damals als Spieler nicht interessiert hätten. Das Spiel gegen Albanien sei eigentlich kein Gradmesser gewesen. «Man darf jetzt nicht alles nur negativ sehen. Es war ein Spiel, in das so viele Emotionen hineinspielen. Ich denke da nur an das Bruderduell der Xhaka-Brothers. Zusätzlich hat auch die Nervosität einer ersten EM-Partie mitgewirkt. Und trotzdem hat die Schweiz gewonnen, vergessen wir das nicht.»

Yakin ist überzeugt, dass man gegen die Rumänen eine andere Schweiz sehen wird. «Gegen die Albaner war die Schweiz der Favorit und musste das Spiel machen. Aber es ist keine neue Erkenntnis, dass sie sich damit schon immer schwergetan hat. Gegen die Rumänen ist die Schweiz nicht mehr der Favorit, also werden die Rollen auch anders verteilt sein.»

«Seferovic trifft die falschen Entscheidungen»

Yakin erklärt auch, was besser werden muss: «Die Schweiz war mir gegen die Albaner im Zentrum mit dem Trio Xhaka, Behrami und Dzemaili zu dominant. Es war schon immer eine grosse Stärke der Schweiz, wenn sie über die Flanken kam. Das ist Lichtsteiner und vor allem auch Shaqiri gegen die Albaner nur bedingt gelungen.»

Gar nicht gefallen hat Yakin Haris Seferovic als einzige Sturmspitze. «Er trifft zurzeit die falschen Entscheidungen und arbeitet auch in der Defensive nicht so, wie er sollte. Obwohl noch sehr jung, macht das beispielsweise Breel Embolo schon sehr viel konsequenter.»

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Erstellt: 15.06.2016, 12:41 Uhr

Berühmte Bühne: Die Schweizer trainieren im Stade de France (14. Juni 2016).

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