Mit Solidarität, Fleiss und Glück zum 0:0

Die Schweiz steht in den EM-Achtelfinals. Beim 0:0 gegen Frankreich verteidigen die starken Schweizer solidarisch. Der überzeugende Gastgeber trifft gleich dreimal die Latte.

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Fabian Ruch

Ohne Schützenhilfe zu benötigen, hat die Schweiz als Gruppenzweiter die EM-Achtelfinals erreicht. Dank des 0:0-Unentschiedens am Sonntagabend in Lille gegen Gastgeber Frankreich. In der Schlussphase waren beide Mannschaften mit dem Resultat zufrieden, und so geriet der Punktgewinn in den letzten Minuten nicht mehr in Gefahr.

Zu Beginn hatten sich sie die Schweiz und Frankreich keine Verschnaufphase gegönnt. In elektrisierender Ambiance im prächtigen Stade Pierre Mauroy legten die zwei Teams los, als wollten sie die allgemein eher verhaltenen Vorstellungen aus den ersten 24 Vorrundenspielen in weniger als 20 Minuten vergessen machen lassen. Packende Zweikämpfe, rasante Ballstafetten, flinke Dribblings prägten das Geschehen bereits in jener Phase, in der Teams an der Euro 2016 normalerweise gemütlich mal erkunden, was der Gegner heute denn so vorhat.

Die erste Grosschance gehörte den Schweizern, nach acht Minuten war das und nachdem Xherdan Shaqiri den scharfen Corner getreten hatte. Fabian Schär spedierte den Ball an den hinteren Pfosten, wo Paul Pogba, bedrängt von Breel Embolo, beinahe ein Eigentor unterlief.

Pogbas drei Schüsse

Das war der Weckruf für Frankreich. Und für Pogba. Der in der Heimat schwer in der Kritik stehende Star des EM-Gastgebers schoss sich den Frust innerhalb von fünf Minuten dreifach von der Seele. Beim ersten Mal hatte Yann Sommer grosse Mühe, er lenkte den Ball auf die Oberkante der Torumrandung.

Yann Sommer lenkt den Ball auf den Querbalken. (Quelle: SRF)

Keine 60 Sekunden später parierte der Schweizer Goalie einen Versuch Pogbas mirakulös, in der 17. Minute aber wäre er geschlagen gewesen, als ein Gewaltschuss Pogbas erneut die Latte streifte.

Paul Pogba zieht einen Faden und setzt den Ball ans Aluminium. (Quelle: SRF) Nun überzeugten die Franzosen mit kampfstarker, zielstrebiger, forscher Vorstellung, sie erzwangen bis zur 35. Minute gleich neun Eckbälle. Doch die konzentrierten Schweizer verteidigten den eigenen Strafraum unter Regie von Kopfballgigant Schär ausgezeichnet.

Mit Fortdauer der ersten Halbzeit beruhigte sich das Treiben ein wenig, was auch an den ballsicheren, selbstbewussten Schweizern lag, die am Ende in der Disziplin Ballbesitz sogar den besseren Wert aufwiesen (59:41 Prozent). Hätten sie, dieses Manko besteht nicht erst seit Sonntagabend, ein wenig besser geflankt und wären sie beim letzten Pass vor dem Abschluss präziser geblieben, hätten sie noch mehr aus den vielversprechenden Kontermöglichkeiten herausholen können.

Aber auch so gefiel die Schweiz mit einer bemerkenswert solidarischen Darbietung, die umso höher zu gewichten ist, weil die Franzosen erstmals an dieser Euro überzeugten. Vom schweren Druck befreit, unbedingt gewinnen zu müssen, agierten die physisch präsenten Gastgeber phasenweise begeisternd. Es geriet nicht zu ihrem Nachteil, hatte Trainer Didier Deschamps fast das halbe Team ausgetauscht und Stammkräften wie Dimitri Payet eine Pause gegönnt.

Reisstest nicht bestanden

Im Prinzip gab es bei den Schweizern nur etwas herzhaft zu kritisieren: die Qualität der Trikots. Die Leibchen von Admir Mehmedi und Granit Xhaka bestanden den Reisstest im Zweikampf nicht. Es war in Lille ohnehin kein guter Abend für das Material, was nicht an der schlechten Qualität des Rasens lag, welcher die Fussballer immer wieder ausrutschen liess. In der zweiten Halbzeit ging dem Ball nach einem wuchtigen Zweikampf zwischen Valon Behrami und Antoine Griezmann sogar die Luft aus.

Kurz darauf fand Griezmann seinen Meister in Sommer, der dann eine Viertelstunde vor Schluss nach der spektakulärsten Szene des Abends geschlagen gewesen wäre. Der bullige Moussa Sissoko hatte an der Seitenlinie mehrere Schweizer mit einem fulminanten Sprint ausmanövriert, seine Flanke fand den mittlerweile eingewechselten Payet. Und dieser testete die Lattenfestigkeit mit seiner fantastischen Schusstechnik.

Payets Kracher an die Querlatte. (Quelle: SRF)

Das Aluminium hielt der Belastung stand, nicht aber kurz darauf das Trikot von Xhaka, das ein zweites Mal getauscht werden musste.

Und als Payet, aktuell bester Freistossschütze der Welt, mit seinem Freistoss Mitspieler Sissoko abschoss, hatte die Schweiz kurz vor Spielende auch den letzten heiklen Moment überstanden.

Berner Zeitung

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