C'est la vie

Der Franzose neigt nicht zum Fussballfanatismus. Die Euro 2016 ist nun mal im Land, also beschäftigt man sich damit.

Fabian Ruch

Aber ein Sommermärchen findet in Frankreich nicht statt, dazu ist die Wirtschaftslage zu ungemütlich. Streiks, Demonstrationen, Lohndebatten verun­sichern das Land, die politische Grosswetterlage ist stürmisch, die Terroranschläge vom letzten November in Paris haben die Menschen getroffen. Zudem laden Millionen von Bistros zum Verweilen, Diskutieren, Lachen ein. Bis lange in die Nacht. Und sowieso: Die EM beginnt ja jetzt erst richtig.

In «L’Equipe», der führenden Sportzeitung Europas, wurden seit Turnierbeginn dennoch jeden Tag mindestens dreissig Seiten zur Euro publiziert. Die Textbeiträge sind zuweilen brillant und die Kolumnisten renommiert, die Schlagzeilen aber reisserischer als früher. Im Journalismuszeitalter der Internetklicks wird vieles zugespitzt oder vereinfacht. Und am Freitag gehörten die ersten dreizehn Seiten ohnehin dem Rugby. Gestern fand das Endspiel des 124 Jahre alten Top-14-Wettbewerbs statt, wo sich die besten Rugbyteams des Landes messen. Es wurde erstmals im Ausland ausgetragen. Im Camp Nou in Barcelona.

Das Wembley in London wäre gestern ja auch nicht die passende Spielstätte gewesen. Der Brexit wird in Frankreich mit einer Mischung aus Be­lustigung, Ungläubigkeit und trotzigem Verständnis verfolgt. Es sind komplizierte Zeiten. Immerhin stehen alle vier Teilnehmer aus Grossbritannien in den EM-Achtelfinals. Es wäre eine hübsche Pointe, würde England ausgerechnet jetzt erstmals Europas Meister.

Das wiederum würde selbst die Franzosen ärgern. Sie werden sich zu wehren wissen. Gestern twitterte einer, der nächste James-Bond-Film werde bloss aus einer Szene bestehen: 007 zwei Stunden bei der Passkontrolle am Pariser Flughafen Charles de Gaulle...

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