Mögen Sie Ronaldo?

Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn: Cristiano Ronaldo polarisiert, das ist klar. Die Sportredaktoren Fabian Ruch und Dominic Wuilllemin nehmen Stellung.

Ronaldos Lächeln – für die einen total arrogant, für die anderen höchst attraktiv.

Ronaldos Lächeln – für die einen total arrogant, für die anderen höchst attraktiv.

(Bild: Keystone)

Pro: Er ist ein Topathlet und ein Segen für den Fussballvon Fabian Ruch

Die Follower (Stand Freitag, 15.24 Uhr): 43,2 Millionen auf Twitter, 62,8 Millionen auf Instagram, 112,4 Millionen auf Facebook. Cristiano Ronaldo ist der erste Athlet mit mehr als 200 Millionen Followern, er ist der beliebteste Athlet weltweit.

Und seit wenigen Tagen ist bekannt, dass er mit einem geschätzten Verdienst von 82 Millionen Franken der bestbezahlte Sportler ist – vor Lionel Messi, LeBron James und Roger Federer. James ist Basketballer. Wer Ronaldo ist, muss keinem Kind erklärt werden.

Diese Zahlen lügen nicht, so viele Menschen irren sich nicht. Ronaldo ist einzigartig. Der Portugiese hat es geschafft, die Sportwelt zu revolutionieren. Er beeinflusst Haarschnitt, Spielweise, Fussballschuhmode einer ganzen Generation. Und er ist ein Vorbild, weil er oft Benachteiligte unterstützt.

Seine narzisstische Art wirkt für viele störend. Es ist nicht neu, dass Begnadete zu gross für viele Menschen sind. Dabei ist Ronaldo ein schüchterner Junge von der Blumeninsel Madeira, der zum Kunstprodukt der Werbung wurde. Und in erster Linie ist er ohnehin ein Modellathlet. Er ist der Erste im Training und der Letzte, der nach Hause geht.

Einen wie Ronaldo gab es noch nie: kraftvoll, spektakulär, attraktiv (was vor allem den Frauen gefällt). Er kann alles und ist kompletter als Konkurrent Messi. Und er ist ein Champion, hat weit über 100 Titel und Auszeichnungen gesammelt.

Nicht zuletzt ist Ronaldo ein Segen für den Fussball. Es fallen immer weniger Treffer. An ihm liegt es nicht. Gegen Island zuletzt gab er zehn Torschüsse ab.

Die Torquoten von Ronaldo und Messi sind unerreicht – obwohl der Fussball immer athletischer, anstrengender, ausgeglichener wird. Weltfiguren werden im Rückblick immer positiver beurteilt. In 50 Jahren wird es heissen, Ronaldo und Messi seien die grössten Fussballer der Geschichte.

Contra: Ronaldo geht es immer nur um sich selbstvon Dominic Wuillemin

Gegen Island war es mal wieder so weit: Cristiano Ronaldo zeigte sein arrogantes Lächeln. Dieses Lächeln, das fester Bestandteil seines Repertoires ist und das er immer dann aufsetzt, wenn er nicht ­zufrieden ist. Mit dem Schiedsrichter zum Beispiel, oder mit dem gegnerischen Torhüter, der sich erfrecht hatte, seinen Schuss abzuwehren. Am Dienstagabend in Saint-Etienne lächelte Ronaldo viel.

Dem Superstar wollte gegen ein Land, das weniger Einwohner als Luxemburg hat, einfach nichts gelingen. Er hätte die Leistung des Gegners anerkennen können. Ein Gegner, der wie er selbst von einer kleinen Insel kommt – Ronaldo ist auf Madeira geboren.

Stattdessen setzte der Stürmer zum Rundumschlag an. Er beklagte sich über die Spielweise der Isländer, über ihre Mentalität, darüber, dass sie ihren ersten Punktgewinn an einer EM bejubelt haben.

Es war geradezu grotesk: Er, der das sagte, war der, der vor zwei Jahren im Champions-League-Finale das irrelevante 4:1 mittels Elfmeter so gefeiert hatte, als hätte er soeben ein Abonnement auf den Titel des Weltfussballers erhalten. Da war einmal mehr zu erkennen, worum es Ronaldo immer geht: um sich selbst.

Bei Real Madrid mit den vielen Superstars kann er diese Einstellung besser kaschieren als im Nationalteam. Aber auch in Madrid ist es nur ein guter Tag, wenn er selbst getroffen hat. Es kommt sogar vor, dass sich Ronaldo über ein Tor des Mitspielers ärgert.

Und es wird ihn masslos stören, hat Konkurrent, pardon, Teamkollege Gareth Bale bereits zwei Freistosstore an dieser EM erzielt. Ronaldo fehlt die Grösse, die Grösse anderer zu anerkennen.

Nach der Partie verhöhnten einige Isländer Ronaldo. Einem Messi würde das nicht passieren, er geniesst den Respekt der Berufskollegen.

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