Mehr als nur Lewandowski

Die Polen sind am Samstag in Saint-Etienne(15 Uhr) der Schweizer Achtelfinalgegner. Sie präsentierten sich an der EM bisher als Kollektiv mit starken Fussballern. Und ihr Schlüsselspieler ist nicht Robert Lewandowski.

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Dominic Wuillemin

Als noch nicht feststeht, dass die Schweizer im Achtelfinal auf Polen treffen, wird Steve von Bergen gebeten, zu jedem potenziellen Gegner etwas zu sagen. Die Nordiren würden mit viel Herz und Leidenschaft agieren, meint der Innenverteidiger. Die Deutschen seien bei jedem Turnier die Favoriten. Und die Polen? «Mit Robert Lewandowski haben sie einen grossartigen Stürmer», sagt von Bergen.Natürlich hat der YB-Captain am Dienstagnachmittag bei der Pressekonferenz in Montpellier nicht nur von Lewandowski gesprochen.

Er erwähnte etwa auch die vielen starken Einzelspieler, er schilderte seine Eindrücke vom 2:2 im Herbst 2014, als er beim Freundschaftsspiel in Warschau im Abwehrzentrum zum Einsatz gekommen war. «Da sahen wir, wie gut sie sind», sagt er. Und doch ist es bezeichnend, hat von Bergen als Erstes Lewandowski erwähnt. Der 27-Jährige ist mit der beste Stürmer weltweit, für die Bayern hat er in der vergangenen Saison in 52 Spielen 42 Treffer erzielt. Und bald einmal wird Lewandowski auch Rekordtorschütze seines Landes sein. Er hat bereits 34-mal getroffen, der Bestwert von W?odzimierz Luba?ski liegt bei 48.

Grosses Talent von Ajax

Allerdings wartet Robert Lewandowski in Frankreich auch nach dem gestrigen 1:0-Sieg gegen die Ukraine immer noch auf sein erstes Tor. Wie die Schweizer haben die Polen in der Gruppenphase nur zweimal getroffen, sie haben allerdings auch noch kein Gegentor erhalten. Das ist überraschend. Noch in der Qualifi­kation hatten die Osteuropäer deutlich mehr Treffer erzielt als Deutschland oder Irland. Mit Arkadiusz Milik verfügen sie über einen weiteren for­mi­da­blen Stürmer, der 22-Jährige war in der vergangenen Saison bei Ajax Amsterdam an 31 Toren beteiligt.

Krychowiak wie Xhaka

Der Schlüsselspieler allerdings ist weder Lewandowski noch Milik, sondern der zentrale Mittelfeldakteur Grzegorz Krychowiak. Beim 26-Jährigen, der in der letzten Saison zusammen mit Ever Banega das starke Zentrum des Europa-League-Siegers FC Sevilla gebildet hatte, beginnen in der Regel die Spielzüge; er hat eine ähnliche Rolle inne wie Granit Xhaka bei der Schweiz, beide tragen die Nummer 10. Krychowiak war angeschlagen ins Turnier gestartet, er konnte aber nun dreimal durchspielen.

Mit Torhüter Wojciech Szczesny (Roma), Rechtsverteidiger ­Lukas Piszczek (Dortmund) und Jakub Blaszczykowski (Florenz) haben die Polen weitere erfahrene und starke Einzelspieler in ihren Reihen.

«Egal, wer der Gegner ist»

Die beiden Teams dürften sich beim Achtelfinal am Samstag um 15 Uhr in Saint-Etienne auf Augenhöhe bewegen. «Auch wir haben ein sehr gutes Team», sagt Steve von Bergen. «Und wir haben uns von Match zu Match gesteigert.» Der Routinier will zudem einen Mentalitätswechsel erkannt haben. «Wir sind nicht mehr die kleinen Schweizer. Wir versuchen immer, das Spiel zu machen, egal, wer der Gegner ist.»

Berner Zeitung

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