Endstation Frankreich

Frankreich deklassiert ein schwaches, überfordertes Island im letzten Viertelfinal mit 5:2. Die Konzentration des Gastgebers gilt am Sonntagabend früh dem Halbfinal gegen Deutschland.

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Irgendwann tun einem die armen Isländer schon fast wieder leid. Die sagenhafte Aufregung um die Euro-Senkrechtstarter konnte einem in den letzten Tagen ja auch auf die Nerven gehen. Und nun erleiden die neuen Lieblinge Fussballeuropas am Sonntagabend ein Debakel gröberen Ausmasses.

Sie sind nicht bereit für den EM-Viertelfinal gegen Frankreich, sie agieren zögerlich, schwach, ideenlos, sie werden mit den eigenen Waffen geschlagen. Denn die Franzosen attackieren aggressiv, sie sind entschlossen und lassen keinen Zweifel aufkommen, dass sie an diesem Abend ihren Traum vom EM-Titel nicht begraben wollen.

Isländischer Fehlstart

Die Franzosen sind das viel bessere Island. Nach 12 Minuten bereits erzielt Olivier Giroud das 1:0, wobei der isländische Torhüter Hannes Halldorsson das erste und nicht letzte Mal an diesem Abend einen ungenügenden Eindruck hinterlässt. Als sei er eigentlich ein Filmemacher und kein Goalie eines EM-Viertelfinalisten. Auf jeden Fall lässt sich Halldorsson zwischen den Beinen erwischen.

Seine Mitspieler haben weiter Mühe, überhaupt einen Einstieg in die Partie zu finden. Vielleicht sind sie auch überfordert von den Rahmenbedingungen des Abends auf spektakulärer Bühne. Bald fällt das 2:0, diesmal trifft Paul Pogba mit einem wuchtigen Kopfball nach einem Corner Antoine Griezmanns. Erneut ist das isländische Defensivverhalten bestenfalls naiv, im Prinzip amateurhaft.

Gemütlicher Spaziergang

Der letzte Viertelfinal der Euro 2016 jedenfalls ist nach einem Viertel der Spielzeit entschieden. Den Isländern fehlt der Glaube an eine Rückkehr und die Klasse, um sich aus dieser misslichen Situation zu befreien. Kurz vor der Pause kassieren sie die Gegentore 3 und 4 gegen schwungvolle Gastgeber, es treffen Dimitri Payet mit einem platzierten Schuss sowie Griezmann mit einem eleganten Lupfer.

Was sich als mühsamer Abend für die Franzosen ankündigte, entwickelt sich zum überaus gemütlichen Spaziergang in den Halbfinal.

Immerhin reagieren die Isländer nach dem Seitenwechsel. Sie sind nun ein bisschen mutiger, Kolbeinn Sigthorsson gelingt in der 56. Minute das 1:4, doch kurz darauf verschuldet der filmemachende Goalie Halldorsson den fünften Gegentreffer, als er an einem Freistoss vorbeifliegt und dem kopfballstarken Giroud dessen drittes Turniertor ermöglicht.

Auf die Verfolgung von Teamkollege Griezmann, der bereits viermal getroffen hat, kann Giroud gegen die inferioren Isländer aber nicht mehr gehen. Bald wird er wie Abwehrchef Laurent Koscielny, dem anderen mit einer Gelben Karte vorbelasteten Franzosen, ausgewechselt.

5:2-Sieg als schlechtes Omen

Die ganze Konzentration Frankreichs gilt am Sonntagabend früh dem nächsten Gegner Deutschland. Am Donnerstag wartet in Marseille der ultimative Härtetest auf den EM-Gastgeber, der Sieger des zweiten Halbfinals wird am nächsten Sonntag im Endspiel im Stade de France gegen Portugal oder Wales jedenfalls favorisiert sein.

Und die Isländer gewinnen wenigstens die zweite Halbzeit gegen nach der Pause entspannte Franzosen mit 2:1. Birkir Bjarnason setzt in der 84. Minute mit seinem Kopfballtreffer den Schlusspunkt unter eine einseitige Begegnung. Es ist schon das zweite Turniertor des Basel-Spielers, der damit zumindest seinen persönlichen Marktwert weiter steigert.

Während sich die isländischen Fussballer nach Spielende minutenlang von den mitgereisten Anhängern verabschieden, feiern die Franzosen den Pflichtsieg nur äusserst kurz. An der WM vor zwei Jahren in Brasilien schlugen sie in der Vorrunde die Schweiz übrigens ebenfalls 5:2, ehe sie später im Viertelfinal gegen Deutschland mit einer 0:1-Niederlage ausschieden.

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