Eder schiesst Portugal zum ersten EM-Titel

Erstmals setzt sich Portugal an einer EM durch. Im Stade France siegt der Aussenseiter gegen den überlegenen Gastgeber Frankreich 1:0 nach Verlängerung. Eder trifft in der 109. Minute zum Sieg.

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Endlich, endlich, endlich! In der 66. Minute wird die grosse Langeweile in der zweiten Halbzeit des EM-Finals tatsächlich erstmals unterbrochen. Wenig überraschend sind es die Franzosen, die zur bisher grössten Torchance der Begegnung kommen. Ihr Topskorer Antoine Griezmann aber verpasst wegen schlechten Timings beim Kopfball die ausgezeichnete Möglichkeit, aus kurzer Distanz das 1:0 gegen Portugal zu erzielen. Sein Versuch geht knapp über die Latte.

Gignac im Pech, Eder trifft

Immerhin ist das Spiel damit halbwegs lanciert. Das darf man ja Mitte der zweiten Halbzeit auch mal erwarten. Erstaunlicherweise bereits neun Minuten später gibt es wieder so etwas wie Torgefahr, als Olivier Giroud aus recht spitzem Winkel an Torhüter Rui Patricio scheitert. Die Portugiesen verlegen sich vollständig aufs Kontern, aber ihnen fehlt es in den Zweikämpfen an Durchsetzungsvermögen und im Strafraum an Kopfballstärke, zumal Cristiano Ronaldo schon lange nicht mehr mitspielt, weil er nach 24 Minuten verletzt vom Platz getragen werden musste.

Und doch melden sich die Portugiesen rund zehn Minuten vor Spielende erstmals gefährlich vor dem Tor Frankreichs an. Es ist bezeichnenderweise eine missglückte Flanke, die Hugo Lloris zur ersten Parade des Abends zwingt. Den spektakulären Fallrückziehernachschuss Ricardo Quaresmas pariert der Torhüter locker. Kurz darauf arbeitet der unermüdliche Moussa Sissoko auf der anderen Seite weiter an seinem Marktwert. Er stieg mit Newcastle zwar ab, wird aber von Grössen wie Liverpool und Arsenal umworben und dürfte der Premier League erhalten haben.

In der 84. Minute pariert Rui Patricio einen scharfen Weitschuss Sissokos stark, es ist aber noch nicht die letzte und schon gar nicht die beste Möglichkeit für die nun klar besseren Franzosen. In der Nachspielzeit tanzt der eingewechselte André-Pierre Gignac den zuvor so überzeugenden Pepe wie einen Schulbuben aus, trifft den Ball aber nicht richtig und damit nur den Pfosten.

Auf in die Verlängerung, wo die Franzosen weiter den Ton angeben. Doch es sind die Portugiesen, die mit einem (nicht gerechtfertigten) Freistoss an die Latte durch Raphael Guerreiro im Pech sind. Das ist in der 108. Minute, und keine sechzig Sekunden später jubeln die Portugiesen. Es ist Eder, der aus 22 Metern in die linke untere Torecke trifft. Portugal jubelt, Frankreich weint, denn der wütende Sturmlauf der Gastgeber bringt nichts mehr ein.

Ronaldos Ausfall

Angefangen hatte die Veranstaltung im Stade de France mit einer opulenten, musikalischen Eröffnungsshow, in dessen Zentrum ein 25 Meter grosser EM-Pokal mitten auf dem Spielfeld stand. Ab 21 Uhr aber gehörte die Bühne den Protagonisten, die sich vom kolossalen Rahmen des Ereignisses vorerst beeindruckt zeigten. Die Portugiesen fabrizierten in den ersten 120 Sekunden drei haarsträubende Fehlpässe, die Franzosen kamen ebenfalls nur schleppend in die Gänge. Nani vergab nach vier Minuten eine Halbchance für Portugal, in der 10. Minute scheiterten Griezmann und Giroud mit ihren Kopfbällen an Rui Patricio.

Kurz zuvor hatte sich die wichtigste Szene der ersten Halbzeit ereignet. Cristiano Ronaldo war von Dimitri Payet im Zweikampf an der Mittellinie hart am Knie getroffen worden, Schiedsrichter Mark Clattenburg ahndete das Foul nicht, und der portugiesische Captain versuchte verzweifelt, weiterzuspielen. Sichtlich angeschlagen liess sich Ronaldo zweimal an der Seitenlinie pflegen, doch Mitte der ersten Halbzeit musste er das Feld unter Tränen und Schmerzen verlassen.

Sissokos Energie

Der Ausfall ihres Schlüsselspieler verunsicherte die Portugiesen nur kurz. Sie agierten nun einfach noch defensiver und verliessen sich auf ihre stabile Defensive um den kopfballstarken Pepe. Und den Franzosen fiel lange erstaunlich wenig ein. Wenn sie gefährlich wurden, war stets der kraftvolle Sissoko mit einem energischen Sturmlauf daran beteiligt.

Am Ende gehört aber auch er zu den Verlierern des langen Abends in Paris.

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