Ein wenig wie 2006

Die Schweiz hat an der Euro erst ein Gegentor er­halten. Nicht nur die Defensivstärke erinnert an die WM 2006, als das Nationalteam im Achtelfinal an der Ukraine scheiterte. Weiter im Transferfokus steht derweil Youngster Breel Embolo.

Bald bei Schalke? Stürmer Breel Embolo.

Bald bei Schalke? Stürmer Breel Embolo.

(Bild: Keystone)

Gegen Nordirland, die unwahrscheinlichste Variante, wäre die Schweiz klar Favorit. Gegen Weltmeister Deutschland hätte sie als Underdog nichts zu verlieren. Und gegen Polen würde auf die Schweiz eine Partie warten, die im Vorfeld mal wieder sehr aufgeladen werden würde.

Es wäre für diese talentierte, selbstbewusste Generation ein Schlüsselspiel dafür, sich zu emanzipieren und etwas zu erreichen, was die anderen Auswahlen vor ihr nicht geschafft haben. Denn, so ehrlich darf man sein, die Schweiz hat zwar erstmals eine EM-Vorrunde überstanden, aber das war wegen des grossen Teilnehmerfeldes auch noch nie so einfach. Erst die ­Viertelfinalqualifikation wäre ein grosser Erfolg.

Deshalb sind sich die Beobachter einig, dass die Schweiz erst die Pflicht erfüllt hat. «Wir haben bewiesen, dass wir mithalten können», sagte Vladimir Petkovic nach dem 0:0 gegen Frankreich. Aber auch der Nationaltrainer nahm den Achtungserfolg gelassen hin. «Wir sind im Achtelfinal, da wollten wir hin», sagte Petkovic, «doch unsere Reise soll hier noch nicht zu Ende sein.»

Erneut gegen Starstürmer?

In aller Ruhe werden die Schweizer am Dienstag ab 18 Uhr verfolgen, ob sie am Samstag im Achtelfinal auf Nordirland, Polen oder Deutschland treffen werden. 2006 und 2014 scheiterte das Nationalteam in WM-Achtelfinals gegen die Ukraine und Argentinien äusserst knapp.

Und die aktuelle Auswahl lässt sich zumindest in einigen Aspekten mit jener vor zehn Jahren in Deutschland vergleichen, obwohl aus dem aktuellen Kader einzig Valon Behrami, Johan Djourou und Blerim Dzemaili dabei waren.

2006 kassierten die Schweizer kein einziges Gegentor, das ist immer noch ein WM-Rekord, scheiterten aber im Elfmeterschiessen unvorbereitet an der Ukraine mit Starstürmer Andrei Schewtschenko. Unter anderem hatte die Schweiz damals in der Vorrunde wie diesmal ein 0:0 gegen Frankreich, den späteren Finalisten, erreicht.

Diesmal hat die Schweiz aus dem Spiel heraus ebenfalls noch kein Gegentor erhalten (einzig der Rumäne Bogdan Stancu traf mit einem Elfmeter), selber aber erst zweimal getroffen. Mit so einer Ausbeute hatten zuletzt die Dänen 1992 die Vorrunde überstanden und sich danach zum Titelgewinn gesteigert.

Die Polen, mit Starstürmer ­Robert Lewandowski, wären ein ähnlicher Gegner, wie es 2006 die Ukrainer waren. Zumindest gemessen an der Erwartungshaltung der Öffentlichkeit. Eine Niederlage wäre für viele eine Enttäuschung.

In Wahrheit sind die Polen stärker, sie sind ein Team, das an dieser Euro für Furore sorgen kann. Wie die Schweiz. Diese hat keinen Starstürmer, aber mit Breel Embolo immerhin ein Stürmersupertalent.

Nach seinem EM-Startformationsdebüt gegen Frankreich sagte Embolo: «Ich hätte wegen einer Verletzung fast die EM verpasst. Nun bin ich sehr glücklich, darf ich mich auf diesem Niveau beweisen.» Der kräftige Embolo hatte sich in vielen Zweikämpfen gegen die Hünen in Frankreichs Defensive aufgerieben und war glücklos geblieben.

Nicht Leipzig, wohl Schalke

An der Transferbörse wird der ­19-Jährige weiter hoch gehandelt, am Montag verabschiedete sich mit RB Leipzig jener Verein, der für die Entwicklung Embolos perfekt gewesen wäre, aus dem Wettbieten um den Basler. «Wir sind nicht mehr interessiert», erklärte Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick, der sich nicht mehr hatte hinhalten lassen.

Offenbar hatte sein Klub 20 Millionen Euro für Embolo geboten, der FCB aber 25 Millionen verlangt. Grossklubs wie Manchester United und vor allem Schalke gelten weiter als Interessenten, aber niemand weiss genau, was wie und warum von wem gesteuert wird. Als sicher gilt, dass ein Tor Embolos im EM-Achtelfinal seinem Marktwert nicht schaden würde.

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