Je ein Superstar, je ein gewichtiger Ausfall

Cristiano Ronaldo gegen Gareth Bale – unter diesem Motto steht der erste EM-Halbfinal heute zwischen Portugal und Wales (21 Uhr).

Teamkollegen bei Real Madrid: Gareth Bale (links) und Cristiano Ronaldo (rechts).

Teamkollegen bei Real Madrid: Gareth Bale (links) und Cristiano Ronaldo (rechts).

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Portugal, das ist Cristiano Ronaldo. Wales, das ist Gareth Bale. Und deshalb ist der erste Halbfinal der Euro 2016 heute auch das Duell der beiden Teamkollegen von Real Madrid.

So wird die Partie in Lyon verkauft, man kann sich nicht dagegen wehren, und es ist ja schon so, dass Ronaldo und Bale als Superstars über ihren Mitspielern stehen. Der eine sieht das ein bisschen mehr so als der andere. Denn während sich Ronaldo an der EM regelmässig mit abschätzigen Gesten wegen der tieferen Qualität seiner Kollegen als Ich-AG zelebriert, gibt Bale den Teamspieler. «Wir haben alles zusammen erreicht», sagt Bale, «und es ist am Mittwoch ein Spiel elf gegen elf und nicht Ronaldo gegen Bale.»

Gareth Bales löbliche Aussage stimmt natürlich nur in der Theorie. In Wahrheit werden heute dennoch alle auf die zwei Offensivcracks blicken. Die Sympathien der neutralen Beobachter dürften dem Aussenseiter aus Wales gehören, der zuletzt gegen ein allerdings schwaches Belgien beim 3:1-Sieg brillierte.

Die Waliser müssen auf zwei gesperrte Stammspieler verzichten, wobei vor allem der Ausfall von Arsenals Aaron Ramsey nicht zu kompensieren ist. Die Nummer 10 ist einer der auffälligsten Fussballer der Euro, Ramsey hat bereits fünf Skorerpunkte gesammelt (1 Tor, 4 Vorlagen) und ist im Aufbau der mit Abstand wichtigste Akteur.

Starke Kritik an Portugal

Allerdings fehlt auch bei Portugal die ordnende Figur im Mittelfeld gesperrt. William Carvalho, an der U-21-EM letztes Jahr zum besten Spieler gewählt, verrichtet als Relaisstation zwischen Defensiveund Offensive wertvolle Aufgaben. Insgesamt sind die Portugiesen besser und breiter besetzt als Wales, deshalb dürfte sie die Absenz ihres Strategen weniger treffen.

Portugal geriet in den letzten Tagen stark in die Kritik, weil das Team zu wenig attraktiv und zu defensiv spiele. «Es stört mich überhaupt nicht, wenn die Journalisten negativ schreiben», sagt Trainer Fernando Santos, «Ich wäre besorgt, wenn uns alle für unsere Spielweise loben würden und wir in den Ferien wären.»

Der 61-Jährige mit langer Vergangenheit in Griechenland, unter anderem als Nationaltrainer, übernahm Portugal im Herbst 2014 und hat seither kein Pflichtspiel verloren. Er führte die Auswahl mit sieben Siegen in Serie souverän an die EM. Dort sind die Portugiesen nach fünf Partien ebenfalls noch ungeschlagen, wobei man sagen könnte, dass sie auch noch nie nach 90 Minuten gewonnen haben.

Nie das schlechtere Team

Man tut den Portugiesen indes Unrecht, wenn man sie als destruktiv bezeichnet. Nur Belgien (98 Versuche) hat an diesem Turnier mehr aufs Tor geschossen als Portugal (95), das zudem in keinem Auftritt das schlechtere Team war. Gegen Island (1:1) hätten die Chancen zu einem 4:1-Sieg reichen können, gegen Österreich (0:0) gar zu einem historischen Kantersieg, und gegen Ungarn (3:3) schoss der Gegner relativ glückhafte Tore. Im langweiligen Achtelfinal gegen Kroatien (1:0 nach Verlängerung) gelang es dem smarten Santos, die Schlüsselspieler Luka Modric und Ivan Rakitic aus dem Spiel zu nehmen. Auf Kosten der Unterhaltung.

Und zuletzt, im Viertelfinal gegen nur zu Beginn forsche Polen (Sieg im Elfmeterschiessen), traf Ronaldo zweimal in bester Position den Ball nicht. Das passiert ihm selten. Noch hat der dreifache Weltfussballer an der EM nicht restlos überzeugt. «Ronaldo kommt zu Chancen», sagt Santos, «und er wird auch wieder treffen.» Heute wäre ein guter Moment dazu.

Die möglichen Aufstellungen

(Berner Zeitung)

Erstellt: 06.07.2016, 12:14 Uhr

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