Einmal Latte, viermal Pfosten, fünf Tore – und vor allem drei Punkte

Trotz vieler vergebener Chancen und Pech im Abschluss siegen mitreissende SCL Tigers gegen Zug mit 5:3.

Langnaus Matchwinner: Harri Pesonen. Foto: Marcel Bieri (Keystone)

Langnaus Matchwinner: Harri Pesonen. Foto: Marcel Bieri (Keystone)

Philipp Rindlisbacher

Eine Flasche Wein, ein Stück Kuchen dazu, den einen oder anderen Händedruck – Gratulationen erhielt Marco Bayer für einmal bereits vor dem Spiel. 47 wurde der Tigers-Sportchef am Freitag, er wünsche sich einen mutigen Auftritt des Teams und natürlich einen Sieg, meinte er.

Wenn man so will, kriegte Bayer von seinen Leuten ein Geschenkpaket mit Schleife. 5:3 siegte Langnau gegen Zug, den viel gepriesenen Meisterschaftsfavoriten. Es war der Lohn für eine offensiv äusserst starke Leistung der SCL Tigers, die nicht mit Kreativität geizten. Von einem dicken Ausrufezeichen sprach Stürmer Harri Pesonen, «wir hätten auch acht oder neun Tore schiessen können». Und Trainer Heinz Ehlers meinte, es sei wohl das beste Spiel gewesen in seiner Zeit als Langnau-Coach. Zur Erinnerung: Der Däne betreut die Equipe seit Herbst 2016.

DiDomenicos Antwort

Nach zwei eher mässigen Darbietungen zum Auftakt formierte Ehlers die Angriffsformationen neu, anstelle des Kanadiers Aaron Gagnon stürmte wieder Chris DiDomenico. Fuchsteufelswild war dieser gewesen am Dienstag, dem Vernehmen nach hatte er nicht eben souverän reagiert auf die Nichtnomination fürs Spiel gegen Gottéron. Der Flügel zeigte eine Reaktion, er war Antreiber und Impulsgeber, leitete das 1:1 Pascal Bergers in der 15. Minute mit einer schmucken Finte ein. Nur 128 Sekunden später lag Langnau in Führung, und auch wenn diese nach der anfänglichen Zuger Sturm-und-Drang-Phase etwas glücklich anmutete, verdeutlichte der Treffer die Baustellen beim Playoff-Finalisten. Die Gäste verteidigten sorglos, keiner kümmerte sich um den nach vorne geeilten Torschützen Sebastian Schilt. Leonardo Genoni wurde trotz freier Sicht zwischen den Schonern erwischt. Wobei nicht unerwähnt bleiben darf, dass sich der Goalie in der Folge markant steigerte.

Die Tigers erhielten erstaunlich viel freies Eis offeriert, Raphael Kuonen schoss das 3:2, mutterseelenallein stand er vor Genoni (23.). Doch auch die Defensive des Heimteams war nicht über alle Zweifel erhaben. Den Ausgleich gleich nach Beginn des Mittelabschnitts hatten die Emmentaler in Überzahl kassiert, das 3:3 erzielten sie selber: Julian Schmutz bezwang Ivars Punnenovs ungewollt. Die Langnauer agierten wie wilde Tiger, die manchmal ausbüxten. Die Zuger – um im Tierreich zu bleiben – glichen einem Hühnerhaufen.

Pesonens Ansage

Im Mittelabschnitt hätten die Tigers die Partie entscheiden können, ja entscheiden müssen. Sie liessen beste Chancen aus, bewiesen dafür wie in den ersten beiden Spielen Geschick im Treffen der Torumrandung. Einmal landete der Puck an der Latte, gleich viermal (!) am Pfosten, Stefan Rüegsegger hätte nur ins halb leere Tor einschieben müssen. Dass der Grossteil der 5538 Zuschauer dennoch euphorisiert nach Hause gehen konnte, lag nicht zuletzt an Zugs Oscar Lindberg. In Unterzahl liess er sich zu einem Foul an Robbie Earl hinreissen, Pesonen buchte das viel umjubelte Siegtor (52.) – und legte 37 Sekunden vor Schluss mit einem Backhand-Treffer ins verwaiste Gehäuse nach. «Wenn wir ein Team wie Zug derart dominieren können, dann ist vieles möglich», meinte der finnische Weltmeister.

Sportchef Marco Bayer seinerseits sprach in Zusammenhang mit dem Sieg von einem «Big Point». Einziger Wermutstropfen an seinem Geburtstag war Earls Ausfall. Der Amerikaner beklagte starke Knieschmerzen. Ehlers sagte: «Es sieht nicht gut aus.»

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