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Boomender ImmobilienmarktEinfamilienhäuser verkaufen sich so schnell wie noch nie

Die Nachfrage wächst stärker als das Angebot – vor allem in gewissen Regionen. Die Corona-Krise könnte das aber ändern.

Neue Einfamilienhäuser sind begehrt wie nie: Besichtigung einer Baustelle in Schinznach im Kanton Aargau.
Neue Einfamilienhäuser sind begehrt wie nie: Besichtigung einer Baustelle in Schinznach im Kanton Aargau.
Foto: Keystone

72 Tage – so kurz nur waren Einfamilienhäuser 2019 auf dem Markt. Das ergibt eine neue Auswertung aller wichtigen Schweizer Onlinemarktplätze durch das Immobilienportal Homegate und das Swiss Real Estate Institute der Hochschule für Wirtschaft Zürich. Noch nie war dieser Wert so tief. Seit Beginn der Erhebung vor fünf Jahren hat die durchschnittliche Ausschreibungszeit von Einfamilienhäusern um fast ein Drittel abgenommen.

Die sogenannte Insertionszeit reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr in fast allen untersuchten Regionen, teilweise deutlich. Ausnahmen sind Zürich und das Tessin, wo Einfamilienhäuser 4 beziehungsweise 15 Tage länger ausgeschrieben waren als noch 2018. In Zürich ging die Nachfrage leicht zurück, im Tessin wurden massiv mehr Objekte angeboten.

Es handelt sich ausgerechnet um jene beiden Gebiete, in denen der Markt die grössten Unterschiede aufweist. Während Häuser in der Region Zürich weiterhin am schnellsten einen Käufer finden (im Schnitt 52 Tage), dauert die Vermarktungszeit im Tessin mehr als doppelt so lang (107 Tage). Tendenziell sind Objekte in der Deutschschweiz schneller weg als in den anderen Landesteilen.

In den letzten Jahren wurde gleichzeitig zur Abnahme der Ausschreibungszeit eine Zunahme des Angebots registriert. 2019 war das für einmal anders. Die Zahl der online zum Verkauf inserierten Einfamilienhäuser verringerte sich um 2,9 Prozent auf gut 33’000 Objekte. Am ausgeprägtesten fiel der Angebotsrückgang mit knapp 10 Prozent in den Regionen Ost- und Innerschweiz sowie Genf aus.

Dass Häuser immer schneller einen Abnehmer finden, ist aber weniger auf eine Verknappung des Angebots zurückzuführen, sondern vielmehr auf die stetig wachsende Nachfrage. «2019 waren die Wirtschaftsprognosen solide, und es wurden weiterhin rekordtiefe Zinsen erwartet. Entsprechend blieb die Nachfrage nach Eigenheimen gross», erklärt Peter Ilg vom Swiss Real Estate Institute.

«Wir erwarten in diesem Jahr eine abnehmende Nachfrage.»

Peter Ilg, Swiss Real Estate Institute

Vor allem im obersten Preissegment (über 2,5 Millionen Franken) und bei Einfamilienhäusern mit acht und mehr Zimmern beobachteten Ilg und seine Kollegen einen markanten Abbau des Überangebots.

2020 rechnet der Experte allerdings mit einer sinkenden Nachfrage. «Aufgrund der Verunsicherung durch die Corona-Krise werden die meisten Haushalte den Kauf eines Eigenheims etwas zurückstellen. Somit müssen sich die Verkäufer etwas länger gedulden, bis sie ihr Objekt verkaufen können», sagt Ilg. «Wenn sich die Krise im Sommer beruhigt, erwarten wir aber keinen Preiszerfall auf dem Eigenheimmarkt.»