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Wanderung durch ClavaleyresEine Exklave taucht ab

Wer den Kanton Freiburg diagonal durchquert, streift irgendwann auch Berner Boden. Das ändert sich ab 2022: Dann werden die Grenzen neu gezogen – Clavaleyres wechselt den Kanton.

Wiesen und Wälder zwischen Wallenried und Chandossel.
Wiesen und Wälder zwischen Wallenried und Chandossel.
Foto: Andreas Staeger

Der Blick auf die Landeskarte macht stutzig: Zwischen dem Schiffenensee und dem Murtensee gibt es kaum signalisierte Wanderwege, ebenso im benachbarten Dreieck zwischen Avenches, Payerne und Neuenburgersee nicht. Die Gegend wird intensiv landwirtschaftlich genutzt. Wanderer scheinen hier kaum etwas verloren zu haben. Man kann es aber trotzdem versuchen: In drei Etappen durchquert der Weitwanderweg «Fribourg en diagonale» den Kanton Freiburg. Die Etappen sind sehr unterschiedlich lang (Dauer zwischen 2,5 und 9,5 Stunden), weshalb man sich sein Menü besser nach eigenem Gusto zusammenstellt. Die hier vorgeschlagene Route führt von Courtepin bis an den Murtensee.

Fabriken, Wiesen und Wälder

Der Einstieg ist industriell: Es geht an einem riesigen Fabrikareal vorbei, auf dem ein Grossverteiler Hühner verarbeitet. Über den Golfplatz Wallenried, an Wiesen und mächtigen Bauernhöfen vorbei gelangt man nach Les Bois. Jetzt wird es recht hübsch: Ein schöner Naturweg zieht sich durch Weideland und Waldgebiet.

Nach einem kurzen Abstieg erreicht man die Strasse, die den Ruisseau des Echelles entlang nach Chandossel führt. Durch Waldgebiet geht es weiter nach Hindere Hubel. Ab hier bis zum Murtensee gibt es nur noch Asphalt. Das ist etwas unerfreulich, doch zur Entschädigung erwarten einen zwei Überraschungen am Weg.

Die Weiten des Mittellands, im Hintergrund Clavaleyres.
Die Weiten des Mittellands, im Hintergrund Clavaleyres.
Foto: Andreas Staeger

Die erste davon ist Clavaleyres. Das Dörfchen gehört seit der Reformationszeit zu Bern und war damit während Jahrhunderten eine bernische, deutschsprachige Exklave in freiburgisch-waadtländischem, französischsprachigem Gebiet. Mit einer Fläche von einem Quadratkilometer und 48 Einwohnern war es Anfang des 21. Jahrhunderts eine der kleinsten Gemeinden des Kantons Bern. Nach einem gescheiterten Versuch, mit der ebenfalls bernischen Exklave Münchenwiler zu fusionieren, strebte Clavaleyres einen Kantonswechsel an, um sich mit Murten zusammenzuschliessen. Dem ungewöhnlichen Vorhaben stimmte die Stimmbevölkerung der beiden involvierten Kantone im Februar 2020 zu.

Bevor es seine bernische Identität abstreift, ist dem Mikrodorf schon der Wanderweg abhandengekommen: Vor wenigen Jahren wurde die Route «Fribourg en diagonal» so verlegt, dass sie das Dorfgebiet nun umrundet und damit auch den (noch) bernischen Boden umgeht. Doch wenn man beim Hubelwald die offizielle Wanderroute verlässt und auf das Strässchen einschwenkt, gelangt man direkt ins Dorf und zum Gemeindehaus. Ein Zettel an der Tür informiert, dass die Gemeindeverwaltung jeden dritten Mittwochnachmittag geöffnet ist. Etwas ausserhalb des Dorfs steht ein winziger, von einer Mauer und einer hübschen Baumgruppe umgebener Friedhof.

Das Gemeindehaus von Clavaleyres trägt noch das Berner Wappen.
Das Gemeindehaus von Clavaleyres trägt noch das Berner Wappen.
Foto: Andreas Staeger

Das Städtchen am See

Danach geht es quer über die A1, anschliessend noch eine Weile die Autobahn entlang, dann erreicht man das zweite Bijou: Der untere Siedlungsteil der Gemeinde Greng ist ein kompaktes und anmutiges Ensemble. Um ein Schlossgut aus dem 18. Jahrhundert gruppieren sich neuere Bauten, deren Gestaltung sich am barocken Kern orientiert. Strassenseitig ist das Dorf von einer Mauer umgeben, was ihm den Anstrich eines Kleinstädtchens verleiht.

Das letzte Teilstück der Wanderung bis nach Murten führt den See entlang, allerdings nicht direkt am Ufer, sondern hinter Privatliegenschaften hindurch, sodass man vom Wasser kaum etwas mitbekommt. Sehr reizvoll ist dafür das Ziel Murten mit seinem mittelalterlichen Stadtkern, den hübschen Laubengängen und der begehbaren Ringmauer. Zudem kann man hier am Ufer promenieren und somit den Murtensee doch noch in Augenschein nehmen.