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Eine Anlage für den Ernstfall, der nie eintraf

Der Besuch im Infanteriebunker Löwenberg bei Murten ist eine faszinierende Reise in vergangene Zeiten.

Für Armeenostalgiker: Eine Panzerabwehrkanone Pak 50 im ehemaligen Infanteriebunker im Löwenberg-Hügel bei Murten.
Für Armeenostalgiker: Eine Panzerabwehrkanone Pak 50 im ehemaligen Infanteriebunker im Löwenberg-Hügel bei Murten.
Raphael Moser

Der Waldweg beim Schloss Löwenberg ist bedeckt mit nassen Blättern. Er führt zu einem Betonbau, der inmitten von Tannen und Sträuchern aus dem Hügel ragt. Die Gittertür, die man durch einen schmalen Betondurchgang erreicht, ist abgeschlossen. René Steiner nimmt einen Schlüsselbund aus dem Hosensack, öffnet zuerst die Gittertür und dahinter eine massive Stahltür. Im Innern ist es stockdunkel. «Hier, nehmen Sie die», sagt Steiner und reicht eine Taschenlampe.

Der Lichtkegel der Taschenlampe zündet zurück ins Jahr 1940, als die Angst vor den deutschen Truppen allgegenwärtig war. An den geografisch engsten Stellen wurden eilends Verteidigungslinien mit Panzersperren und Bunkern gebaut. Der Infanteriebunker im Löwenberg-Hügel bei Murten war ein zentrales Element. 2002 hat ihn die Armee offiziell ausser Betrieb genommen und später dem Verein Historische Militäranlagen Freiburg/Bern übergeben. René Steiner ist Vorstandsmitglied des Vereins und führt regelmässig Gruppen durch die Räume.

Wenig Platz für 13 Mann

Mit einer Grundfläche von vielleicht 4 mal 8 Metern ist der Bunker erstaunlich klein – und noch fast gleich eingerichtet wie vor 75 Jahren. «Das hier ist eine Pak 50», sagt Steiner und zündet mit seiner Taschenlampe auf die Panzerabwehrkanone 50. Ein paar Meter daneben steht das Maschinengewehr 51, mit dem 1000 Schuss pro Minute abgefeuert werden könnten. Mit geübten Handgriffen demonstriert René Steiner, wie die Soldaten im Kriegsfall gezielt, geschossen und den heissen Gewehrlauf gekühlt hätten. «Zum Glück trat der Ernstfall nie ein.»

Maschinengewehr im ausgedienten Bunker in Löwenberg. Bild: Raphael Moser
Maschinengewehr im ausgedienten Bunker in Löwenberg. Bild: Raphael Moser

Zuhinterst, durch eine Öffnung im Boden, führt eine Leiter in den unteren Stock. Dieser Raum, umgeben von 2,6 Meter dicken Betonmauern, ist nichts für Leute mit Platzangst. Hier stehen doppelstöckige Feldbetten, auch das Trocken-WC, der Kurbelventilator und die meisten anderen Gerätschaften sind noch im Original erhalten. Im Kriegsfall hätten bis zu 13 Mann in diesem kleinen Bunker Stellung bezogen und, falls sie genügend Wasser- und Essensvorräte dabei gehabt hätten, bis zu drei Wochen überlebt.

Nach dem Kalten Krieg

René Steiner klettert wieder zurück in den oberen Stock, verräumt das hervorgeholte Material, schliesst die Stahl- und die Gittertür wieder ab. «Kommen Sie», sagt der 59-Jährige. Er marschiert durch den Wald, erreicht eine Betontreppe, steigt hinunter, öffnet eine dicke Betontür und drückt den Lichtschalter. Moderne Deckenlampen gehen an und erhellen den sogenannten Centurion-Bunker, der an eine moderne Zivilschutzanlage erinnert. Den Namen hat der Bunker vom britischen Centurion-Panzer, dessen Kanone hier eingebaut ist.

Geschütz im ausgedienten Bunker in Löwenberg. Bild: Raphael Moser
Geschütz im ausgedienten Bunker in Löwenberg. Bild: Raphael Moser

Konzipiert wurde die Anlage als Schutz vor den Truppen des Warschauer Paktes. Gebaut wurde sie aber in einer Zeit, als der Kalte Krieg bereits vorbei war: 1993/94 nämlich. Ist das nicht widersinnig? Jürg Keller, der Präsident des Vereins Historische Militäranlagen Freiburg/Bern, schüttelt dazu den Kopf. «Eine solche Anlage zu planen und zu realisieren, dauert 15 Jahre. Und wenn die Kredite einmal gesprochen sind, muss man bauen. Sonst drohen hohe Konventionalstrafen.»

«Wissen Sie», sagt Keller nach der Führung, «ein Bunker ist ebenso ein Kulturgut wie zum Beispiel ein Schloss, das früher ebenfalls einmal militärischen Zwecken diente.» Das sei die Motivation, diese Anlagen zu unterhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

270 Mitglieder

Führungen durch die Bunker sind nach einer Voranmeldung www.fort-fribe.ch möglich. Der Verein zählt rund 270 Mitglieder, die jüngsten sind knapp 60-jährig. «Je älter man wird, desto mehr überlegt man, warum etwas so ist, wie es ist», sagt Alt-Brigadier Jürg Keller. Er ist deshalb zuversichtlich, dass der Verein auch in Zukunft Mitglieder findet – und die Geschichte im Löwenberg-Hügel weiterlebt.

Was sich hinter dieser Tür im Berner Inselspital verbirgt, erfahren Sie im letzten Bericht unserer Serie: Die Adventstür vom 24. Dezember.
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Christian Pfander
Durch diese gfürchige Tür dürfen nur wenige gehen. Wer das ist, erfahren Sie hinter der Adventstüre vom 23. Dezember.
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Florine Schönmann
Hinter dieser Tür im Erlacherhof befindet sich das Sitzungszimmers der Stadtregierung. Wie es dort aussieht, lesen Sie hier: Adventstüre vom 1. Dezember.
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Beat Mathys
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