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Kommentar zu China und MongoleiEin Mongole ärgert die Chinesen

China versucht, eine französische Ausstellung über Dschingis Khan zu sabotieren.

Im September protestierten Demonstranten in der Mongolei gegen die Diskriminierung der mongolischen Sprache in der benachbarten mongolischen Provinz in China.
Im September protestierten Demonstranten in der Mongolei gegen die Diskriminierung der mongolischen Sprache in der benachbarten mongolischen Provinz in China.
Foto: B. Rentsendori (Reuters)

China hat Mao, Russland Lenin, Amerika Dylan, Grossbritannien Churchill und die Schweiz Henri Dunant. Alle diese Länder könnten noch mit anderen Männern und hoffentlich auch Frauen aufwarten, aber die Mongolei hat nur einen: Dschingis Khan, der aristokratische Herrscher aus dem 13. Jahrhundert, der es fertigbrachte, die verschiedenen Mongolenstämme zu einem Weltreich zu einen und dieses gegen aussen zu verteidigen. Die Mongolen waren als Krieger zäh, schnell und unerschrocken. Unter Dschingis Khans Führung entstand das grösste Weltreich der Geschichte nach dem British Empire.

Der chinesischen Regierung ist offenbar schon ein bekannter Mongole zu viel. Wie mit den Tibetern, den Uiguren oder der Stadt Hongkong herrscht sie über alle Minderheiten in ihrem Reich, also auch über die Mongolen. Dass die französische Stadt Nantes eine Ausstellung über Dschingis Khan plante und dabei das mongolische Museum um Mitarbeit anging, gefiel den Chinesen gar nicht. Sie wollten die Ausstellung bis in die Details mitbestimmen, zumal sich ihre Haltung gegenüber der mongolischen Minderheit im Land in diesem Sommer verschärft hat.

Noch schlimmer als die Arroganz der Weltmacht China ist die Servilität des Westens.

Weil aber Frankreich, das Aufklärungsland, sich von einer Diktatur nicht vorschreiben lassen will, was es wie zeigen soll, haben die Zuständigen die Ausstellung unbestimmt verschoben. Zu Recht natürlich. Und vor allem nicht selbstverständlich. Denn noch schlimmer als die Arroganz einer Weltmacht, global zu bestimmen, wie über sie befunden wird, ist die Servilität des Westens, ihr konsequent entgegenzukommen. Dazu gehört auch die Schweiz.

29 Kommentare
    Bettina Hackel

    Von China seit 1949, vor allem aber in den letzten Jahrzehnten, lasse ich mir seit einiger Zeit am liebsten erzählen von Qiu Xiaolong. Ja, klar - er ist ein Krimi-Autor der Sonderklasse, sein Gedichte lesender und schreibender und T.S. Eliot studierender Oberinspektor Chen aus Shanghai ist ein liebenswürdiger und grundanständiger Mann. Er ist aber auch ein Realist. Jederzeit muss er damit rechnen, dass ihm seine Ermittlungen vermasselt werden von KP-hörigen Beamten oder auch gleich von "ganz oben". Diese Krimis sind erschütternd, beklemmend (und manchmal die Beschreibungen von typischen Mahlzeiten, gelinde gesagt, gewöhnungsbedürftig) - als Lesern bin ich ganz nah und mittendrin in der Bevölkerung und ihrem, je nach Klasse und Wohlverhalten, luxuriösem oder erbärmlichen, aber mit Stolz ertragenem Leben. Ich bin so alt wie die "Volksrepublik" - kaum zu fassen, was die KP sich seit 70 Jahren gegenüber ihrem Volk erlaubt; was kümmert sie und ihre Cliquen da eroberte und unterjochte Minderheiten?