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Kommentar zur BundesanwaltschaftEin Rücktritt genügt nicht

Die Ära Michael Lauber ist Geschichte. Doch die Wahrheit behält er für sich. Deshalb braucht es weitere Konsequenzen.

In der Hauptsache sind die Bundesverwaltungsrichter überzeugt: Michael Lauber hat gelogen.
In der Hauptsache sind die Bundesverwaltungsrichter überzeugt: Michael Lauber hat gelogen.
Foto: Marco Zanoni

Ein Schrecken, der kein Ende zu nehmen schien, endet doch noch. Michael Lauber geht.

Vor über eineinhalb Jahren hat diese Zeitung die Geheimtreffen des Bundesanwalts mit Fifa-Boss Gianni Infantino aufgedeckt. Seither wehrte sich Lauber mit Händen und Füssen, aber er verstrickte sich in Widersprüche.

Das ging so, bis allen klar war: Der Bundesanwalt sagt nicht die Wahrheit. Und nun hält auch das Bundesverwaltungsgericht fest, dass Laubers Aussagen «unglaubhaft» sind. Und dass die «Erinnerungslücke» bei den anderen Teilnehmern «als abwegig anzusehen ist». Die Anwesenden bei den ominösen Zusammenkünften müssen nun entweder auspacken oder ebenfalls abdanken.

Die National- und Ständeräte dürfen erleichtert sein.

Das betrifft neben Infantino auch Laubers Kommunikationschef André Marty und den Walliser Oberstaatsanwalt Rinaldo Arnold. Halten die drei an der Unwahrheit und an ihren Ämtern fest, schädigen sie ihre Institutionen zusätzlich. Ihre Aufsichtsorgane müssten ebenfalls durchgreifen.

Die Aufseher über die Bundesanwaltschaft haben zwar grundsätzlich richtig gehandelt, als sie dem obersten Strafverfolger grobe Ungereimtheiten nicht durchgehen liessen. Sie haben aber im Disziplinarverfahren gegen den Bundesanwalt ebenfalls etliche Fehler begangen. Dagegen setzte sich Lauber zur Wehr, teilweise erfolgreich. Das Bundesverwaltungsgericht gab ihm in einigen Punkten recht. Doch in der Hauptsache sind auch die Bundesverwaltungsrichter überzeugt: Lauber hat gelogen.

Deshalb hat der Bundesanwalt nun dem Parlament seinen Rücktritt angeboten. Die National- und Ständeräte dürfen erleichtert sein. Denn sie haben Lauber vor einem Dreivierteljahr wiedergewählt, obwohl die Geheimtreffen bestens bekannt waren. Das Parlament ist zwar nicht schuld daran, dass mit Lauber der dritte Bundesanwalt in Folge einen unrühmlichen Abgang hat. Aber dafür, dass der Schrecken nicht früher ein Ende nahm.