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Eine Rarität am ThunerseeEin Reh, so weiss wie Schnee

Der Leser Yves Schneider aus Jens ist einer Seltenheit begegnet und konnte sie mit der Kamera festhalten. Jäger senken vor den Albino-Rehen ihre Gewehre – denn ein Abschuss bringe Pech.

Eine schöne Aufnahme eines raren Exemplars: Ein Teilalbino-Reh.
Eine schöne Aufnahme eines raren Exemplars: Ein Teilalbino-Reh.
Foto: Yves Schneider, Jens

Ist es ein letzter Schneefleck, übrig geblieben vom Winter, oder eine Ziege? Diese Frage stellte sich der Leser Yves Schneider aus Jens, als er durch die Wildnis wanderte. Und als er dann durch seine Kamera blickte, wurde ihm klar: Es ist ein weisses Reh.

Den genauen Ort, wo er das Tier vor die Linse bekam, will der Hobby-Fotograf nicht nennen. Dies, weil Albino-Rehe äusserst selten sind und somit viele neugierige Leute anlocken könnten. Alles, was er verrät: Es fühlt sich rund um den Thunersee zu Hause.

So schnell er gekommen war, so schnell war der kurze Moment auch schon wieder vorbei. Als das weisse Reh den Mann mit der Kamera entdeckte, sprang es weg und verschwand.

Wie der Wildhüter Paul Schmid weiss, sind in der Region sogar zwei weisse Rehe unterwegs. Und das schon seit mehreren Jahren. Auf den ersten Blick ist etwas Zentrales nicht zu erkennen: Bei dem fotografierten Tier handelt es sich um einen Teilalbino. Diese haben normale Augen und Klauen. «Vollalbinos haben rote Augen und durchsichtige Klauen – wie bei unseren Fingernägeln», erklärt Schmid. Letztere hätten eine kleinere Überlebenschance, da sie von Fressfeinden leichter entdeckt würden.

Wildhüter Paul Schmid hat in 33 Jahren erst ein einziges Vollalbino-Reh gesehen.
Wildhüter Paul Schmid hat in 33 Jahren erst ein einziges Vollalbino-Reh gesehen.
Foto: Raphael Moser

Ein Pechbringer

«Weisse Rehe sind eine grosse Seltenheit», sagt Paul Schmid. Das lässt sich am besten daran zeigen, dass in seinem Gebiet als Wildhüter erst ein einziges Vollalbino- und drei Teilalbino-Rehe aufgetaucht sind. Und das in 33 Jahren.

Vor den Jägern müssen die weissen Rehe sich übrigens nicht fürchten. Denn das bringe eine grosse Portion Pech mit sich, sagt der Wildhüter Paul Schmid: «In Jägerkreisen sagt man, dass man nur noch ein Jahr zu leben hat, wenn man ein weisses Reh schiesst.»