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Börsen sacken ab«Ein neuerlicher Lockdown wäre der GAU»

Die Aktienmärkte geben deutlich nach. Steigende Corona-Zahlen und die Angst vor einer Verschärfung der Pandemie-Massnahmen treiben die Anleger aus dem Markt.

Sorgenvolle Miene: Ein Börsenhändler blickt in Frankfurt am Main auf die Monitore.
Sorgenvolle Miene: Ein Börsenhändler blickt in Frankfurt am Main auf die Monitore.
Foto: Boris Rössler (Keystone/DPA)

«Ein neuerlicher Lockdown wäre der Gau – nicht nur für den Markt», sagte ein Börsianer. «Das Coronavirus lehrt europäischen Aktienanlegern wieder das Fürchten.» Kein Wunder steigt daher auch das Angstbarometer der Schweizer Börse, der Volatilitätsindex VSMI, auf den höchsten Stand seit rund einem Monat.

Das zweite marktbestimmende Thema sind die festgefahrenen Verhandlungen über ein neues Konjunkturpaket in den USA. Republikaner und Demokraten stehen sich weiter ohne nennenswerte Annäherung gegenüber. Finanzminister Steven Mnuchin bezeichnete es als schwierig, noch vor den Präsidentschaftswahlen Anfang November einen Kompromiss zu finden. «Damit sind die Weichen gestellt. Die Anleger dürften bis nach den US-Wahlen in Deckung bleiben», sagte ein Händler.

SMI und DAX geben nach

Der Schweizer Leitindex SMI schloss 2,2 Prozent im Minus bei 10’067,96 Punkte. Dies entspricht dem prozentual stärksten Abschlag seit vier Monaten. Dax und EuroStoxx50 rutschten am Donnerstag um jeweils etwa 2,5 Prozent auf 12’703,75 und 3189,42 Punkte ab. Der US-Standardwerteindex Dow Jones büsste ein halbes Prozent ein. Die zweite Welle in der Corona-Pandemie in Europa bereitete zuvor auch den asiatischen Anlegern Sorgen. In Tokio ging der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,5 Prozent tiefer bei 23'507 Punkten aus dem Handel.

In Zürich ging der stärkste Druck auf den Gesamtmarkt vom Indexschwergewicht Roche aus. Die Titel büssten 3,5 Prozent ein, nachdem der Konzern mit dem Medikamenten-Umsatz im dritten Quartal enttäuscht hatte. Die Aktien der Luxusgüterkonzerne Swatch und Richemont litten unter den Konjunktursorgen und sanken jeweils etwa 2,5 Prozent. Mit einem Minus von fast vier Prozent waren die Titel des Rückversicherers Swiss Re die grössten Verlierer im Standardwerte-Index.

Der einzige Gewinner im SMI waren Lonza mit einem Plus von 1,6 Prozent. Der Arznei-Auftragsfertiger stellte für die kommenden Jahre ein starkes Wachstum und eine Margenverbesserung in Aussicht.

Reise- und Öl-Titel werden verkauft

Wegen der neuen Pandemie-Beschränkungen flogen auch Anteilsscheine von Reise- und Touristikwerten aus den Depots. Der europäische Branchenindex verlor fast zwei Prozent. Sein Pendant für die Öl- und Gasindustrie gab im Sog eines fallenden Ölpreises 3,5 Prozent nach. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich wegen Spekulationen auf einen erneuten Bedarfsrückgang um drei Prozent auf 42 Dollar je Barrel (159 Liter). «Sollte sich die Nachfrage spürbar eintrüben, wird die OPEC+ nicht darum herumkommen, die Produktionserhöhung abzublasen, will sie nicht ein erneutes Überangebot und einen neuerlichen Preisrutsch riskieren», sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch.

Vor diesem Hintergrund flüchteten weitere Anleger in den «sicheren Hafen» Anleihen. Gefragt war auch die Weltleitwährung. Dies verhalf dem Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, zu einem Kursplus von 0,4 Prozent. Im Gegenzug büsste der Euro auf 1,1695 Dollar ein.

Allerorten würden die Pandemie-Beschränkungen verschärft, sagte Derek Halpenny, Chef-Analyst für Europa bei Bank Mitsubishi UFJ. «Dies alles deutet auf eine grössere Belastung für die Wirtschaft im vierten Quartal hin und rechtfertigt eine Anpassung der Aktienkurse.» Gleichzeitig verlaufe die Bilanzsaison bislang eher enttäuschend, gab Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades zu Bedenken.

SDA/REUTERS/step

32 Kommentare
    Stefan Marti

    Uiäh, wie schlimm! Tragisch! Da muss sofort der Bund mit Milliarden intervenieren! Das geht gar nicht, dass die Finanzindustrie leidet! Wäre ja noch, wenn die Jahresendrendite keine 10 % mehr wäre. Tja, wenn die Natur eine Bank wäre, wäre sie längst gerettet.