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100. GeburtstagEin Lebensabend voller Demut und Dankbarkeit

Heute Montag feiert Walter Schaub im Pflegeheim Des Alpes in Merligen bei guter Gesundheit und beneidenswerter geistiger Frische seinen 100. Geburtstag.

Mit grosser Dankbarkeit sitzt Walter Schaub im Sessel, liest in der Bibel und geniesst die schöne Aussicht. Walter Schaub wird am 16. März 100 Jahre alt.
Mit grosser Dankbarkeit sitzt Walter Schaub im Sessel, liest in der Bibel und geniesst die schöne Aussicht. Walter Schaub wird am 16. März 100 Jahre alt.
Foto: Verena Holzer

Mit tiefem Gottvertrauen geniesst Walter Schaub seinen Lebensabend im Pflegeheim Des Alpes in Merligen. Geboren am 16. März 1920 in Heimberg, schaut der rüstige Senior, bei geistiger Frische und guter Gesundheit, dankbar auf seinen langen Lebensweg zurück. Sein Lebenselixier ist die Bibel. Sie ist seine stete Begleiterin, und er kennt die meisten Verse auswendig.

Als er drei Jahre alt geworden war, zog seine Familie wegen des Berufs seines Vaters nach Wabern. Hier besuchte Walter Schaub vier Jahre die Primarschule. Für den Besuch der Sekundarschule in Köniz kaufte ihm sein Vater ein Fahrrad. Im Winter legten die Schüler die fünf Kilometer Wegstrecke auf den Ski zurück.

Es war ja mehr ein Skilaufen denn ein Skifahren, nur über Mittag übten die Kinder das Skifahren auf dem Hügel hinter dem Schulhaus. Mittags erhielten die Schüler im Restaurant für 20 Rappen einen Teller Suppe und beim Bäcker für einen Zehner eine Studentenschnitte. Das war das obligate Mittagessen, wenn am Nachmittag Unterricht war.

Das prägende Erlebnis

In der Familie war es üblich, dass zum Essen gebetet wurde und er, wie seine fünf Geschwister, mit christlichen Liedern in den Schlaf gesungen wurde. Gerne verbrachte der junge Walter seine Ferien bei seinem Onkel Fritz Pfister. Am Sonntag besuchte man den Gottesdienst in der Kapelle.

«Und da wurden die Lieder gesungen, die mir meine Mutter jeweils abends gesungen hatte, und ich spürte, wie mich Gottes Geist erfasste», erinnert sich der Senior noch heute. Dieses Erlebnis habe ihn für sein Leben geprägt. Er lernte die Lieder auswendig und sang sie später auch immer gern.

Für 5 Franken täglich

Nach der Schulzeit kamen harte Jahre. Es war eine grosse Arbeitslosigkeit und kaum möglich, eine Lehrstelle zu finden. In Pensionen in Blonay und im Winter in Arveyes, beides im Kanton Waadt, verdiente er sein täglich Brot als Hausbursche. Nach zwei Jahren kehrte er heim und fand Arbeit im Aussendienst des Telegrafenamts in Bern. Pro Tag verdiente er 5 Franken, durfte aber nicht mehr als 20 Tage im Monat arbeiten.

Mit der Rekrutenschule 1940 und anschliessender Unteroffiziersschule absolvierte er insgesamt 803 Diensttage. Bei der Frage, wie er denn seine Frau kennen gelernt habe, huschte ein verschmitztes Lächeln über sein Gesicht. «Die Explosion des Munitionsdepots in Uttigen ist dafür verantwortlich», erklärt er. Beim dortigen Einsatz habe er als Korporal eine Unterkunft bei der Familie Zurbrügg erhalten. Bald hatte es ihm Berthi, die älteste der drei Töchter, angetan.

Diese wurden jedoch sehr streng erzogen. Da er bereits Auto fahren konnte, holte er die Lernende einmal nach der Berufsschule in Thun ab. Doch die Heimfahrt dauerte dann doch etwas länger als üblicherweise die Fahrt mit der Bahn! «Das gab ein rechtes ‹Gewitter›, weil die Familie in eine andere religiöse Gemeinschaft eingebunden war», erzählt der Jubilar.

Unerwartet musste er dann an die französische Grenze. Er vergass aber nicht Berthis Geburtstag und schickte eine Karte. Mit der Unterstützung einer Tante fand das Paar wieder zusammen, und am 2. April 1947 heirateten Walter Schaub und Bertha Zurbrügg in Gümligen – in Abwesenheit der Brauteltern und der beiden Schwestern.

Das Eis ist geschmolzen

Mit der Geburt des ersten Enkelkindes taute auch bei der Familie Zurbrügg das Eis, und es entwickelte sich ein zunehmend herzlicher Kontakt. Neben der Tochter wurden dem Ehepaar Schaub zwei Söhne geschenkt. Heute denken sie mit den vier Enkelkindern sowie zwei Urenkeln sicherlich ganz fest an der Jubilar, der sich im Des Alpes sehr wohl und gut betreut fühlt. Manchmal leitet er sogar die abendliche Stunde der Besinnung im Haus. Er habe auch mal eine kurze Predigt gehalten, so der rüstige Senior.