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«Ein heftiger Schlag für die Globalisierung»

Ökonom Klaus Wellershof sagt, warum die Wahl von Donald Trump drastische Folgen für die Schweizer Wirtschaft haben kann.

Welche Wirkung hat der Wahlsieg von Donald Trump auf die Weltwirtschaft?

Die Welt ist jetzt ein noch unsicherer Platz. Niemand kennt seine Agenda. Bis jetzt hat er erzählt, was die Leute hören wollten. Der Freihandel wird leiden. Allein schon weil das Vertrauen angeknackst ist. Auch das Klima wird aggressiver werden.

Sie sprechen das Verhältnis der USA zum Rest der Welt an. Was erwarten Sie gegenüber Europa?

Die Europäer hatten immer ein zu positives Bild von den USA. Die Weltmacht ist unzuverlässiger geworden. Es muss uns zu denken geben, dass die Mehrheit der Amerikaner einen Lügner zum Präsidenten gewählt habt. Und selbst heute Morgen verkündet er Unmögliches.

Was meinen Sie damit?

Seine Pläne, die US-Infrastruktur so gut wie anderswo zu machen, sind reine Träumerei. Es ist unmöglich, das aufzuholen, was bisher so lange verschlafen wurde. Auch sonst zeigen sich in seinen bisherigen Aussagen viele Widersprüche.

Welche Folgen hat die Wahl Trumps für die Weltwirtschaft und im Speziellen für die Schweiz?

Sie ist wie gesagt nicht gut für die internationale Arbeitsteilung und ein heftiger Schlag für die Globalisierung. Es ist mit schärferen Auseinandersetzungen mit China zu rechnen. Für die Schweiz, die besonders auf die Offenheit der Märkte angewiesen ist, sind das sehr schlechte Vorzeichen.

Wie wird sich das Wachstum der Weltwirtschaft weiterentwickeln?

Kurzfristig werden wir wenig Wirkung sehen. Die Folgen der Trump-Wahl werden wohl erst auf die Kapital- und Währungsmärkte beschränkt bleiben. Mittelfristig wird das Trendwachstum weltweit aber einen Rückschlag erleiden.

Kommt es in den USA zu einer Rezession?

Das ist nicht sicher. Aber die Investitionen gehen schon seit zwei Quartalen zurück, die Unternehmensgewinne schrumpfen seit dem letzten Jahr – und beides noch vor der Wahl von Donald Trump. Die zusätzliche Unsicherheit dürfte die Investitionen weiter bremsen. Jetzt kommt in den USA alles auf die Konsumenten an.

Wird die US-Notenbank, wie bisher erwartet, im Dezember die Zinsen erhöhen?

Es ist jetzt schon möglich, dass sie noch einmal zuwartet mit einer Zinserhöhung. Aber sie wird kommen. Im ersten Quartal wird sich die Inflation in den USA auf 2,8 Prozent erhöhen. Auf dem jetzigen Niveau kann die Inflation nur bleiben, wenn der Ölpreis auf unter 20 Dollar pro Fass fällt.

Welche Entwicklung erwarten Sie beim Dollarkurs?

Der Dollar ist schon jetzt sehr deutlich überbewertet – zum Euro rund 13 Prozent. Es bräuchte sehr viele gute Nachrichten aus den USA, dass er sich auf dem aktuellen Niveau halten kann. Kurzfristig kann ihn nur die Erwartung von Zinserhöhungen noch etwas stützen.

Unter einen erneuten Aufwärtsdruck dürfte auch der Franken wieder kommen, wie sich heute am frühen Morgen gezeigt hat.

Ja, die darauf erfolgte Abschwächung geht mit grosser Wahrscheinlichkeit auf Interventionen der Schweizerischen Nationalbank zurück. Die Schweizer werden aus Angst noch mehr Geld ins Land repatriieren, was den Franken stärkt. Die Nationalbank glaubt, das auffangen zu müssen. Auf die Dauer kann sie diese Politik aber nicht fortsetzen.

Donald Trump hat Investitionen in die Infrastruktur angekündigt und Steuersenkungen. Welche Folgen hat das für die US-Staatsfinanzen?

Wenn er macht, was er angekündigt hat, wird die USA in Sachen Verschuldung Italien in wenigen Jahren in den Schatten stellen. Das Staatsdefizit wird sich im nächsten Jahr schon ohne jeden Trump-Effekt auf 5 Prozent gemessen am Bruttoinlandprodukt belaufen.

Welche Folgen hat das für das Zinsniveau?

Die zusätzlichen Schulden und die steigende Inflation werden die Zinsen nach oben treiben. Das wird sich weltweit zeigen.

Sie erwarten in den USA ein schwaches Wachstum und eine höhere Inflation. Das erinnert an das Szenario einer Stagflation wie in den 1970er-Jahren.

Das ist tatsächlich, was droht. Hoffen wir, dass es nicht so kommt.