Zum Hauptinhalt springen

Leserreaktionen«Ein Burkaverbot würde unser Image als offenes Land beschädigen»

Leserinnen und Leser äussern sich zu aktuellen Themen. Unter anderem zur Abstimmung über das Verhüllungsverbot.

Arabische Touristinnen bei der Höhematte in Interlaken.
Arabische Touristinnen bei der Höhematte in Interlaken.
Foto: Bruno Petroni

Zu «Wir brauchen keine Kleiderpolizei»

Niqab, Burka, Unterdrückung, freiwillig, Zwang, feministisch: Das sind Schlagworte, die ich im Zusammenhang mit der Abstimmung zur Initiative «Ja zum Verhüllungsverbot» immer wieder lese und höre. Lange, ab und zu fast endlose Debatten dafür und dagegen, fast ausschliesslich unter dem Motto Frauenrecht. Dass man aus dieser Sicht dafür oder dagegen sein kann, erübrigt sich zu erwähnen. Mein Respekt gilt jeder fairen Überlegung. Aber vergessen geht aus meiner Sicht, dass es vor allem um ein schweizweites Verbot für das Verhüllen des Gesichts von Mann und Frau geht, um ein «sich verstecken». Eine Verhüllung, der sogar zerstörerische oder kriminelle Motive zugrunde liegen wie bei Demonstrationen - beispielsweise bei Aktionen von Hooligans und ähnlichen Gruppierungen. Eine Meinung oder Grundhaltung zu vertreten ist das eine, nicht dazu zu stehen, indem man sich versteckt, sein Gesicht verdeckt, das ist das andere. Das gilt es unbedingt vor dem Ausfüllen des Stimmzettels zu bedenken. Elsbeth Abegglen, Iseltwald

Tag für Tag stehe ich mit verzweifelten Hoteliers und Hotelièren in Kontakt, die endlich wieder Menschen aus der ganzen Welt empfangen möchten. Dazu gehört auch das wachsende Gästesegment aus den Golfstaaten, mit dem viele Hotels Abhängigkeiten von preissensiblen europäischen Gästen reduzieren. Für diese Hotels wäre eine Annahme des Verhüllungsverbots schmerzhaft. Aber nicht nur für sie, sondern für das Image der Schweiz generell. Als kleines Land mit wenig Rohstoffen wissen wir seit jeher, wie wichtig Offenheit und Vernetzung sind. Diese Eigenschaften sind Teil unserer DNA und wirken sich auf die Art und Weise aus, wie wir ausländische Gäste herzlich willkommen heissen. Ein Burkaverbot würde unser Image als offenes Land beschädigen und gleichzeitig muslimische Frauen in der ganzen Welt nicht freier machen. Wir leben in der Schweiz in einer modernen Gesellschaft – hier sind Kleidervorschriften fehl am Platz. Das von den Gegnern häufig angebrachte Problem der Verschleierung von Frauen gegen ihren Willen nimmt der Gegenvorschlag auf und sorgt dafür, dass im Gleichstellungsgesetz neue Möglichkeiten zur Förderung der Gleichstellung ergänzt werden. Nicole Brändle Schlegel, Leiterin Arbeit, Bildung, Politik Hotellerie Suisse

Gesicht zeigen ist in unserer Kultur tief verankert. Es ist ein Akt der Höflichkeit. Es geht um Respekt und Toleranz gegenüber anderen Menschen und anderen Kulturen. In früheren Zeiten überlebenswichtig. Es geht nicht um Hooligans, es geht nicht um den Islam oder Demonstrantinnen. Es geht schlicht und einfach darum, dass Mann und Frau in unserem Land, in unserer Kultur dem Gegenüber sein Gesicht zeigen. Gegner der Initiative sprechen davon, dass «wir» keine Kleiderpolizei wollen. Das will niemand. Es werden keine Kleider verboten. Es wird einzig und allein verboten, mit einem komplett verhüllten Gesicht im öffentlichen Raum in Erscheinung zu treten. So, wie man keine Shorts im Vatikan trägt, oder westliche Frauen ihre Haare bedecken, wenn sie in einem islamischen Land öffentlich unterwegs sind. An der Kleidung vom Kopftuch über das Kleid wird sich nichts ändern. Wieso diese Panikmache? In unserer Kultur haben wir uns dahingehend emanzipiert, mit freiem Gesicht in der Öffentlichkeit aufzutreten. Wieso sollten wir diese Errungenschaften wieder aufgeben? Jann Barben, Thun

Zu «Wenn sie zu Mittag essen, frieren sie»

Schade, leider gibt es in der Schweiz bald zwei Lager. Auf der einen Seite ist die Privatwirtschaft, von den rechten Politikern unterstützt. Diese wollen arbeiten und nicht auf Kosten der Steuerzahler leben und somit ihre geschlossenen Betriebe mit sehr guten Massnahmen und Konzepten gegen die Corona-Ansteckungsgefahr öffnen. Die andere Seite mit den rot-grünen Politikern mit dem Motto «Wir sagen wie es gehen soll und die anderen bezahlen», den sogenannten Wissenschaftlern, Experten und Bundesrat-Berater der Taskforce, die mit dem Lockdown selbst keine Einbussen haben, möchten verständlicherweise noch lange alles geschlossen halten. Für sie geben die zusätzlichen Besprechungen und unzähligen Medienauftritte während dem Lockdown ein sicher sehr gut honoriertes Zusatzeinkommen. Denn welcher Bauer schlachtet zuerst seine beste Kuh im Stall? Dass sich Arbeiter bei Minustemperaturen draussen verpflegen müssen, stört viele Politiker nicht, denn für sie ist das vermutlich geheizte Bundeshaus-Restaurant geöffnet. Peter Zbinden, Liebefeld

Zu «Kantone knausern bei Prämienverbilligungen»

Prämienverbilligungen für die Haushalte sind eine gute Sache. Die Bedürfnisse der Krankenversicherten werden aufgrund der von den Krankenkassen neu geschaffenen und übernommenen Leistungen immer grösser. Dadurch steigen die Prämien und die Verbilligungen «verpuffen». Zur Zeit erstellen wir die Steuererklärungen. Ist diese mal beendet, stellt man fest, dass unter der Position «Aufwendungen und allgemeine Abzüge» die Versicherungsprämien nicht mal zur Hälfte abgezogen werden können. Ausserdem sind unter «Selbstgetragenen Krankheitskosten» keine Abzüge möglich. Haben unsere Volksvertreter schon mal darüber nachgedacht, dass bei Abzug der tatsächlichen Kosten in den genannten Positionen bei allen Haushalten die Steuerbelastung einiges tiefer wäre? Wenn nicht wäre es an der Zeit, hier eine für alle sich auswirkende, tiefere Steuerbelastung zu schaffen. Gilbert Aebischer, Hilterfingen