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Zum 80. GeburtstagEdy Hubachers kreative Sammelaktion

Statt in der Toskana feierte Olympiasieger Edy Hubacher seinen Geburtstag zu Hause in Moosseedorf mit einem 10’000-Meter-Lauf um sein Viergenerationenhaus.

Edy Hubacher und Irène Nanculaf von Special Olympics besprechen im Schönguet, der Ideenwerkstatt fürs Gestalten, die Spendenaktion.
Edy Hubacher und Irène Nanculaf von Special Olympics besprechen im Schönguet, der Ideenwerkstatt fürs Gestalten, die Spendenaktion.
Foto: Christian Pfander

Mehr als 200 Gratulationen sind bei Edy Hubacher eingetroffen. Jede einzelne beantwortet der Jubilar persönlich. «Das braucht Zeit», sagt er. Aktuell bedanke er sich gerade bei Sportfunktionär Gian Gilli für die Glückwünsche, berichtet er am Telefon. Aber Edy Hubacher wäre nicht Edy Hubacher, wenn er sich nicht etwas Spezielles ausgedacht hätte. So funktionierte er vor einem Monat, am 15. April, seinen 80. Geburtstag in eine Birthday Challenge um. Weil er von James Campbell gehört hatte – der britische Speerwerfer lief in seinem sechs Meter grossen Garten einen Marathon (42,195 km) –, adaptierte er diese Idee. Er absolvierte einen 10000-Meter-Lauf rund ums Haus. «Gewalkt, nicht gerannt», hält er fest. «18 Runden waren nötig, inklusive Passagen mit Treppensteigen und anderen Hindernissenaber auch eines Verpflegungsstands», erzählt er lachend. Den Parcours hatte er mit Hilfe seiner Familie umgesetzt. Und das Geburtstagskind hatte dann die Idee, den Anlass mit einem karitativen Nutzen zu verbinden. Edy Hubacher sammelt Geld und lässt die Spenden Special Olympics zukommen. «Junge Sportler mit einer geistigen Beeinträchtigung erleben in der Corona-Krise eine sehr schwierige Zeit. Sie sind auf direkte Betreuung angewiesen, gerade diese ist wegen der Abstandsregel nicht immer möglich», begründet er seine Wahl. Der frühere Lehrer hatte bereits das Projekt «FC Thun macht Schule», das Kindern mit Beeinträchtigungen Trainings ermöglichte, initiiert und begleitet.

Und so muntert Edy Hubacher alle Gratulanten in seinem persönlichen Dankesschreiben auf, auch an diese Organisation zu denken. Mit einem Stundenlohn von 25 Franken kämen Special Olympics 50 Franken zugute, für ein Sponsoring von einem Franken pro 100 Meter sogar 100 Franken, teilt Hubacher in seinen Antworten mit. Bisher seien 1900 Franken zusammengekommen. Bis Pfingsten soll die Aktion noch laufen. Edy Hubacher erhofft sich eine grosse Solidarität und möchte die Marke von 5000 Franken knacken. Denn: «Dene wos guet geit, giengs besser wes dene besser gieng, wos weniger guet geit», zittiert er aus einem Lied von Mani Matter.

Der Sturz im Garten

Eigentlich hätte Edy Hubacher seinen runden Geburtstag mit Familie und Freundeskreis in einem Agriturismo oberhalb von Florenz feiern wollen. Die Covid-19-Pandemie machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Dazu kam, dass er zwei Wochen vorher im Garten gestürzt und in einem Rosenstrauch gelandet war. Die Wunden mussten im Spital mit vier Stichen an der Stirn und deren elf am Handgelenk genäht werden. Das Knie war arg geschwollen. «So gehörte der Lauf quasi zu meinem Rehabilitationsprogramm», erzählt er. Muskelkater hatte der passionierte Golfspieler am nächsten Tag keinen. Aber die Gesundheit zwingt den früheren Spitzensportler ab und zu zum Innehalten. So musste er sich Anfang dieser Woche eine Hautveränderung im Gesicht entfernen lassen. Ein Eingriff am Herzen steht ihm zudem noch bevor.

Zehnkämpfer und Bob-Olympiasieger

In den 1960er-Jahren war der 203 cm grosse Modellathlet einer der besten Kugelstosser und Diskuswerfer. Im Rahmen eines Zehnkampfs stiess er 1969 in Bern die Kugel an einem gewonnenen Länderkampf 19,17 Meter weit. Noch heute bedeutet diese Marke für einen Zehnkämpfer Weltrekord. Edy Hubacher bezeichnet dieses historische Ereignis als sein sportliches Highlight. Der Leichtathlet nahm aber 1968 nicht nur an Olympischen Sommerspielen, sondern vier Jahre später in Sapporo auch an Winterspielen teil. In Mexiko wurde er wegen einer Handverletzung unter seinem Wert geschlagen. In Japan gewann er als Anschieber mit Pilot Jean Wicki Bronze im Zweier- und Gold im Viererbob.

Eduard «Edy» Hubacher war ein erfolgreicher Kugelstosser und mehrmals Schweizer Meister.
Eduard «Edy» Hubacher war ein erfolgreicher Kugelstosser und mehrmals Schweizer Meister.
Foto: Keystone

Nach seiner sportlichen Karriere bekleidete Edy Hubacher zahlreiche ehrenamtliche Funktionen in verschiedenen Organisationen. Dazu machte sich der Pädagoge einen Namen als «Rätselonkel der Nation». Unzählige knifflige Denkaufgaben hat er kreiert. Insofern überraschte die Idee zur Birthday Challenge nicht. Sie dürfte nicht sein letztes Projekt gewesen sein. «Zwei weitere Projekte habe ich bereits im Kopf», verrät er.