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Schule für frankofone Kinder
Der Bund spart bei den französischsprachigen Angestellten

Seit 33 Jahren hat die École Cantonale de Langue Française à Berne in Wittigkofen zwischen Schrebergärten und Hochhäusern ein eigenes Schulhaus.
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In Kürze:
  • Eine Gruppe von Finanzexperten um den ehemaligen Gewerkschafter Serge Gaillard will die Bundessubvention für die kantonale französische Schule in Bern streichen.
  • Der Kanton Bern könnte verpflichtet sein, die entstehende Finanzlücke mit rund einer Million Franken auszugleichen.
  • Die Schule wurde für die Kinder von frankofonen Bundesangestellten gegründet.

Nun tritt ein, was man bei der kantonalen Bildungsdirektion schon vor ein paar Jahren befürchtet hat. Die Beteiligung des Bundes an der französischsprachigen Schule in Bern steht zur Diskussion. Es geht um gut eine Million Franken.

Die École Cantonale de Langue Française à Berne (ECLF) hat einen Sonderstatus. Sie wird nicht wie die anderen Volksschulen in Bern von der Gemeinde geführt, sondern vom Kanton selbst. Wie die Schulen im französischsprachigen Kantonsteil unterrichtet sie nach dem Plan d’Études Romand statt nach dem Lehrplan 21, wie es in der Stadt Bern üblich ist. Seit 1982 ist die Schule öffentlich. Sie wurde in den 1940er-Jahren von frankofonen Bernern und Bernerinnen gegründet.

Bund hat Schulhaus finanziert

Seit die Schule öffentlich ist, beteiligt sich auch der Bund daran. Denn die Mitarbeitenden der Bundesverwaltung sollen möglichst aus allen Schweizer Sprachregionen kommen. Indem er die École Cantonale unterstützt, ermöglicht der Bund seinen frankofonen Mitarbeitenden, ihre Kinder in eine französischsprachige Schule zu schicken. Ende der 1980er-Jahre finanzierte die Eidgenossenschaft deshalb auch den Bau des Schulhauses zu wesentlichen Teilen.

Doch jetzt schlägt eine Expertengruppe dem Bundesrat vor, den Subventionskredit für die kantonale französischsprachige Schule in Bern zu streichen. 

Ein Viertel des Schulbudgets betroffen

Die Experten rund um den ehemaligen Gewerkschafter und Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung Serge Gaillard haben die Aufgaben und Subventionen des Bundes nach Sparpotenzial durchforstet. Anfang September präsentierten sie ihre Vorschläge der Öffentlichkeit.

Mit den Subventionen für die École Cantonale könnte der Bund jährlich gut eine Million Franken sparen. Das entspricht einem Viertel des Betriebsbudgets der École Cantonale. Den Rest finanziert vor allem der Kanton Bern.

Die zuständige Regierungsrätin Christine Häsler rechnet aber weiterhin mit den Bundesgeldern, wie sie auf Anfrage schreibt. «Der Kanton wird sich dafür einsetzen.»

Regierungsrätin Christine Häsler am BZ Berner Zeitung Talk an der 70. BEA am 28.04.2023 in Bern. Foto: Raphael Moser / Tamedia AG

Die Schule sei aus dem gemeinsamen Willen von Bund, Kanton Bern und Stadt Bern heraus gegründet worden, und der Bund trage die Schule nicht nur finanziell, sondern auch strategisch mit. «Die ECLF ist aus Bundessicht, aus Kantonssicht und aus Gemeindesicht eine spezielle Schule in der Bundeshauptstadt», schreibt Häsler.

Die Formulierung macht es möglich

Das aktuelle Szenario hat der Kanton aber bereits 2021 vorausgesehen. Im «Courrier de Berne» sagte der damalige stellvertretende Generalsekretär Aldo Dalla Piazza, der Bund ziehe sich «heimlich» aus seiner Verpflichtung gegenüber der Schule zurück. Gemäss dem revidierten Gesetz «gewährt» der Bund dem Kanton Beiträge an dessen Schule. Diese Formulierung ermöglicht es nun, den Beitrag als Sparpotenzial zur Diskussion zu stellen.

Gemäss der Formulierung im alten Gesetz beteiligte sich der Bund an den Betriebskosten der gemeinsam getragenen Schule. Er führte die Schule damit auch ein wenig selbst.

Im Gegensatz zum Bund hat sich der Kanton Bern in seinem Volksschulgesetz verpflichtet, die französischsprachige Schule in Bern zu führen. Sollte der Bund also tatsächlich bei der kantonalen französischsprachigen Schule in Bern sparen, müsste der Kanton die Lücke ausgleichen. Um Kosten zu sparen, könnte er lediglich die Zahl der Ausbildungsplätze verkleinern.

Derzeit besuchen rund 300 Kinder und Jugendliche die ECLF im Hochhausquartier Wittigkofen. In der Stadt Bern gibt es daneben die Internationale französische Schule im Kirchenfeldquartier sowie den städtischen Schulversuch der Classes Bilingues im Mattequartier.