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Wegen Corona und VandalismusE-Bike-Verleiher stellt Betrieb in Bern ein

Zu wenig wirtschaftlich: Nicht einmal zwei Jahre nach der Lancierung gibt der E-Bike-Verleiher Bond sein Verleihsystem in Bern wieder auf.

Die Bond-Leihvelos (hier in Köniz) gehören in der Region Bern der Vergangenheit an.
Die Bond-Leihvelos (hier in Köniz) gehören in der Region Bern der Vergangenheit an.
Foto: Adrian Moser

Mit seinem Freefloating-System wollte er es mit Publibike aufnehmen. 2018 baute der E-Bike-Verleiher Bond – damals noch unter dem Namen Smide – in der Bundesstadt eine Fahrzeugflotte auf. Das Modell war so simpel wie ausgeklügelt: Man nimmt sich irgendwo in der Stadt ein E-Bike, fährt damit für einen bestimmten Tarif herum und stellt es danach wieder an einem beliebigen Ort hin – ohne dass man dafür eine Ladestation anpeilen muss.

Nun hat es sich mit den schnellen 45km/h-Velos jedoch ausgefahren. Bond stellt den Betrieb in der Region Bern ab sofort ein. Das teilte der Veloverleiher am Dienstagabend seinen Kunden per Mail mit. «Die aktuelle Pandemie hinterlässt ihre Spuren», heisst es in der Mail. Die Auslastung der öffentlichen Flotte in Bern liege wegen des Rückgangs des Pendlerverkehrs «unter dem Niveau, das für einen wirtschaftlich nachhaltigen Betrieb erforderlich wäre.»

Publibike zu mächtige Konkurrentin

Nicht nur Corona ist aber schuld. «Im Markt steht Bond einer Wettbewerbssituation mit öffentlich finanzierter Konkurrenz gegenüber», schreibt das Unternehmen. Damit gemeint ist der Anbieter Publibike. In der Stadt Bern wurde die Postauto-Tochter für das erste flächendeckende Veloverleihsystem berücksichtigt.

Und es gibt noch einen weiteren Grund: «Einige Berner Stadtteile bereiten uns Probleme mit Vandalismus und Diebstählen.» Corinne Vogel, Mitbegründerin von Bond, präzisiert auf Anfrage, dass es insbesondere in Bümpliz zu den unschönen Vorfällen gekommen sei.

«Totales Verlustgeschäft»

Zahlen, die untermauern, wie schlecht es dem E-Bike-Verleiher in Bern effektiv lief, nennt das Unternehmen keine. Fakt ist: «In Bern ist es momentan ein totales Verlustgeschäft», so Vogel. In Zürich habe man diese Probleme nicht. Dort spiele der Markt dank mehreren Anbietern mehr mit.

Mit der Aufgabe in Bern wird auch der Betrieb in der Agglomeration eingestellt – in Köniz, Muri, Zollikofen und Deisswil. In Gemeinden wie etwa in Muri war das System erst Ende Mai lanciert worden. «Nach den Corona-Lockerungen zog der Verleih kurzzeitig wieder an», erklärt Vogel. Man habe damals daran geglaubt, dass der Betrieb wieder Fahrt aufnehmen würde. Bereits kurz darauf habe man aber das Gegenteil feststellen müssen. «Die Ausleihen waren schon bald wieder rückläufig.»

Bond setzt in Bern nun auf Firmenflotten

200 E-Bikes waren bis vor Kurzem im Raum Bern in Betrieb. Sie werden nun eingezogen und teilweise verkauft. Einige Velos versucht Bond zudem privat zu vermieten.

Im Fokus stehen für Bond nun aber Firmenflotten. Solche möchte das Unternehmen im Raum Bern vermehrt aufzubauen. Das heisst: Eine Firma mietet sich für seine Mitarbeitenden eine eigene Flotte mit eigener Ladestation. Laut Vogel sei dieser Geschäftszweig wesentlich rentabler als die öffentliche Vermietung. Nichtsdestotrotz hoffe man nach wie vor, zu einem späteren Zeitpubkt wieder in der Bundesstadt einsteigen zu können.