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Interview zur Elektromobilität«E-Autos sind Betrug an der Umwelt»

Für Friedrich «Fritz» Indra, einen der angesehensten Motorenentwickler Europas, ist Elektromobilität nicht mehr als ein Hype. Die Zukunft des Automobils sieht er ganz woanders.

«Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, die bald mit synthetischen Kraftstoffen angetrieben werden, werden uns noch viele Jahrzehnte begleiten»: Friedrich Indra auf seinem Intermeccanica Indra.
«Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, die bald mit synthetischen Kraftstoffen angetrieben werden, werden uns noch viele Jahrzehnte begleiten»: Friedrich Indra auf seinem Intermeccanica Indra.
Foto: Daniel Reinhard (zwischengas.com)

Diesen Sommer publizieren wir die besten Reportagen, Interviews und Hintergründe der letzten Monate nochmals. Dieser Artikel erschien erstmals am 6. Juni 2020.

Kaum jemand wagt es, gegen die Elektromobilität die Stimme zu erheben. Fritz Indra ist einer der wenigen Kritiker mit internationalem Renommee. Für den österreichischen Ingenieur leisten Elektroautos keinen Beitrag zum Umweltschutz. Auch aus diesem Grund ärgert er sich gerade besonders über die deutsche Regierung, welche diese Woche als Teil ihres Corona-Konjunkturpakets die Kaufprämie für Elektroautos auf bis zu 9000 Euro erhöht hat, als wir ihn telefonisch erreichen.

Herr Indra, Elektroautos erleben gerade einen noch nie da gewesenen Boom. Sie stehen der Elektromobilität grundsätzlich sehr kritisch gegenüber. Warum?

Der Boom mag auf einige wenige Länder zutreffen, wo gerade – wie in Deutschland – die Förderbeiträge erhöht wurden, aber global stimmt das überhaupt nicht. Als China und die USA letztes Jahr die Unterstützung von E-Autos reduzierten, gingen dort die Verkaufszahlen stark zurück. Die globalen Zulassungszahlen 2019 sind deshalb verglichen mit 2018 praktisch gleich geblieben. Gerade wenn man über Elektromobilität und Klima spricht, muss man global denken. Es nützt nichts, wenn wir lokal etwas verbessern, aber anderswo auf dem Globus etwas deutlich verschlechtern.

Nochmals: Was haben Sie denn gegen E-Autos?

Die E-Mobilität leistet keinen Beitrag zum Klimaschutz und gehört deshalb nicht gefördert. Die benötigten Rohstoffe für die Batterien wie Kobalt oder Lithium werden unter menschenunwürdigen Bedingungen im Kongo und in Chile abgebaut. Bei der Produktion der Batterien in Asien wird billiger und «schmutziger» Strom aus den dort üblichen kalorischen Kraftwerken verwendet. Das E-Auto ist für die meisten Kunden keine echte Alternative zu den Verbrennern. Es ist teurer, fährt mit einer «Füllung» weniger weit, erst recht im Winter, und ist für die Fahrt in die Ferien ungeeignet.

In der Schweiz sind die Wege allerdings kurz… Gibt es nicht auch Argumente für die Elektroautos?

In Städten mit zentralen Ladestationen kann das E-Auto durchaus sinnvoll sein. Manche Leute glauben aber, dass sie «sauberen» Strom beziehen und sie sich deshalb mit dem E-Auto besonders umweltfreundlich bewegen. Da man Strom nicht trennen kann, ist das ein Irrglaube. Man bekommt immer einen Mix aus «sauberem» und «schmutzigem» Strom, auch wenn man bei seinem Anbieter «sauberen» Strom bestellt und bezahlt.

Gleichwohl gelten E-Autos im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor gemeinhin als umweltfreundlich. Warum bestreiten Sie das?

E-Autos werden von der Politik so vermarktet. Dabei wurde bewusst oder unbewusst die globale Herstellkette übersehen. Sicher haben schon viele Politiker bemerkt, was sie da angerichtet haben. Etwas zu fördern, das keinen Beitrag zum Klimaschutz leistet, ist für global denkende Menschen unverantwortlich. Ich hoffe, dass die jetzige Krise hilft, die Situation zu überdenken.

«Die Menschen kaufen nichts, das schlechter ist als das, was sie haben.»

Das Gegenteil ist der Fall: Diese Woche entschied sich Deutschland gegen eine Kaufprämie für abgasarme Benziner und Dieselautos. Dafür gibts deutlich höhere Prämien für Elektroautos, und auch Plug-in-Hybride werden über einen «Umweltbonus» beim Kauf gefördert.

Wer glaubt, dass man mit der höheren Prämie die Wirtschaft wieder in Schwung bringen könnte, irrt gewaltig. Es geht darum, das Gesicht nicht zu verlieren. Seit Jahren wird verkündet, dass das E-Auto den Durchbruch schaffen wird. 2010 hatte beispielsweise die deutsche Regierung gesagt, 2020 würden eine Million E-Autos auf den Strassen fahren. Es sind jetzt etwas über 100’000... Alle Prognosen sind illusorisch. Denn die Menschen kaufen nichts, das schlechter ist als das, was sie haben – und fahren weiter mit den bewährten Verbrennern herum. Denn es ist weit und breit nichts in Sicht, das den Kunden die gleichen Vorteile bieten kann wie ein Produkt, das seit mehr als 100 Jahren von Millionen von Ingenieuren konsequent weiterentwickelt und verbessert wurde.

Hatte der «Dieselskandal» einen Einfluss auf das Umdenken bei den Politikern?

Ja, bestimmt. Ohne den Dieselskandal wäre die E-Mobilität bei einem kleinen, sinnvollen Verwendungszweck geblieben. Aber durch den Skandal hat sich die deutsche Regierung betrogen gefühlt und der Autoindustrie vorgeschrieben, welche Antriebstechnik zu entwickeln ist. Selbst bei den LKW, wo der E-Antrieb noch unsinniger ist. In Zukunft soll sogar elektrisch geflogen werden.

Grosse Autohersteller wie VW wollen komplett auf Elektromobilität umstellen. Was halten Sie von dieser Strategie?

Das ist der sichere Weg in den Ruin, weil man mit E-Autos kein Geld verdienen kann. Sie sind nicht gut genug, um von genügend vielen Kunden gekauft zu werden. VW ist dem «Ruf» der Regierung gefolgt. Wenn VW auf den E-Autos sitzen bleibt, können die Manager die Schuld auf die Regierung schieben. Millionen an Fördergeldern werden so vernichtet.

Ist denn die Qualität der gegenwärtig erhältlichen Elektrofahrzeuge nicht schon bemerkenswert gut?

Tesla-Chef Elon Musk hat es geschafft, seinen E-Autos ein Luxus-Image zu geben. Dieser Markt ist aber selbst in der Schweiz nicht allzu gross, deshalb muss Musk aufpassen, dass er nicht zu viele Autos baut. Qualitativ gibt es bessere E-Fahrzeuge als Tesla. Aber auch bei den billigeren Modellen ist der Markt nicht sehr gross, wie die Verkaufszahlen zeigen. (Anmerkung der Redaktion: Der Marktanteil von E-Autos und Plug-in-Hybriden in der Schweiz liegt bei 5,5 Prozent.) Das Problem ist, dass die Batterie bis zu ihrem Lebensende bis zu 30 Prozent ihrer Kapazität verlieren kann und das Auto deshalb praktisch keinen Wert mehr hat. Ausserdem sind die Entsorgung und das Recycling der Batterien schwierig.

Sie setzen auch ein Fragezeichen hinter die Sicherheit. Wo sehen Sie hier konkrete Probleme?

Wer in ein E-Auto steigt, setzt sich auf eine kleine chemische Fabrik mit Spannungen bis zu 1000 Volt, die auch erhebliche elektromagnetische Strahlungen abgibt. Das erzeugt Unbehagen, vor allem wenn man noch die Videos von schrecklichen Unfällen mit explodierenden E-Autos sieht. Die Fahrzeuginsassen haben in solchen Situationen kaum eine Chance, sich in Sicherheit zu bringen. Einen solchen Fall gab es vor nicht allzu langer Zeit auch im Tessin. Ein weiteres Problem besteht darin, dass sich brennende Elektroautos fast nicht löschen lassen und immer wieder neu Feuer fangen.

Malen Sie da nicht den Teufel an die Wand?

Nein. Denn auch beim Laden mit sehr hohen Stromstärken können Brände entstehen. Zum Beispiel dann, wenn die Kühlung ausfällt, die dafür sorgt, dass die Batterien nicht zu heiss werden. Immer wieder Brände gab es bei dem von der Deutschen Post entwickelten Elektrotransporter Streetscooter. Auch aufgrund anderer Mängel – die Autos hatten zur Reichweitenverlängerung keine Heizung – wird dieses Prestigeprojekt gerade eingestellt.

«Viele Tesla-Fahrer haben auch noch einen Ferrari oder einen Porsche in der Garage stehen.»

Trotzdem: In der Schweiz zählt der Tesla Model 3 zu den meistverkauften Autos. Wie erklären Sie das?

Elon Musk ist ein Marketinggenie, das muss man anerkennen. Er ist bis jetzt der einzige Gewinner des Hypes um das Elektroauto. Denn er hat erkannt, dass es sinnvoll ist, diese Technik von ober her einzuführen. Diese Rechnung ist bisher aufgegangen, obwohl er mit seinen Autos noch keinen Rappen verdient hat. In der Schweiz gibt es überdurchschnittlich viele Menschen, die sich einen Tesla leisten können. Viele Tesla-Fahrer haben aber auch noch einen Ferrari oder einen Porsche in der Garage stehen. Elon Musk hat auch mitbekommen, dass Deutschland mit dem völlig übertriebenen politischen Hang zur E-Mobilität das neue gelobte Land ist. Und er hat erkannt, dass die deutsche Politik ihm mehr zutraut als der einheimischen Automobilindustrie. Aus diesem Grund will er in Deutschland ein neues Werk bauen.

Was halten Sie von der Brennstoffzelle als Antriebsquelle?

Mit dem Ausstieg von Mercedes ist diese Form der alternativen Antriebsquelle wieder einmal tot. Das Hauptproblem ist weniger das Fahrzeug, sondern viel mehr das Tanken und der Transport von Wasserstoff. Zum Nachfüllen muss Wasserstoff auf rund 1000 Bar verdichtet werden. Dabei geht etwa ein Drittel der Energie verloren.

«Die Alternative zum Verbrennungsmotor? Weiter verbesserte Verbrennungsmotoren.»

Also dann doch lieber ein Plug-in-Hybrid-Fahrzeug?

Einfache Hybridsysteme zur Unterstützung der Verbrennungsmotoren machen durchaus Sinn, um den Antrieb effizienter zu machen. Plug-in-Hybride sind aber, wie auch das reine E-Auto, ein Betrug an der Umwelt. Da ein grosser Teil des Testzyklus rein elektrisch gefahren wird, kommen absurde Verbrauchswerte von 2 bis 3 Litern auf 100 Kilometer heraus – auch für schwere SUV. Doch in der Praxis sind solche Fahrzeuge mit E-Antrieb und Batterie etwa 400 Kilogramm schwerer, und oft wird wegen fehlender Steckdose oder aus Bequemlichkeit kein Strom aufgetankt. Solche Fahrzeuge brauchen dann sogar mehr Sprit als vergleichbare reine Verbrenner.

Sehen Sie in absehbarer Zeit eine Alternative zum Verbrennungsmotor?

Ja, weiter verbesserte Verbrennungsmotoren, die mit neuen synthetischen Kraftstoffen betrieben werden. Solche Kraftstoffe nehmen bei der Produktion CO₂ aus der Luft auf. Bei der Verwendung in alten oder neuen Verbrennungsmotoren entsteht wiederum CO₂. Insgesamt werden die Verbrennungsmotoren so absolut klimaneutral und sind gesamtheitlich betrachtet viel besser als E-Antriebe. Es wäre sinnvoller, die Fördergelder in die Entwicklung von synthetischen Treibstoffen zu stecken. Der Kunde wird auch nichts anderes akzeptieren, denn er kann genauso schnell tanken und weit fahren wie heute. Zudem lässt sich das Tankstellennetz weiterverwenden. Während man in Europa noch diskutiert, ob man Verbrennungsmotoren überhaupt noch dulden soll, haben sich die Chinesen bereits voll dazu und zu neuen Kraftstoffen bekannt.

Kritiker werfen Ihnen vor, dass Sie technisch im letzten Jahrhundert stecken geblieben sind und die aktuellen Entwicklungen nicht sehen wollen. Wie nahe dran sind Sie noch an der Forschung?

In meinem ganzen Berufsleben habe ich mich mit Autos und deren Weiterentwicklung beschäftigt. Aber nicht nur mit Verbrennungsmotoren, wie mir oft unterstellt wird, sondern auch mit allen möglichen Alternativen wie Elektro- und Wasserstoffantrieben. Noch heute bin ich beratend tätig und habe so einen guten Überblick über die neuesten Entwicklungen bei den verschiedenen Antriebstechniken. Gerade deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass uns Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, die bald mit synthetischen Kraftstoffen angetrieben werden, noch viele Jahrzehnte begleiten werden.