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Schweizer Gegner in Nations LeagueUkraine in Quarantäne – Spiel findet weder heute noch morgen statt

Der Luzerner Kantonsarzt schickt fast die ganze Nationalmannschaft der Ukraine in Quarantäne. Gewinnt die Schweiz nun Forfait?

Das sagt SFV-Direktor Pierluigi Tami zur Absage.
Video: SFV

Das Spiel der Schweizer Nationalmannschaft gegen die Ukraine wird weder am Dienstagabend noch am Mittwochabend stattfinden können. Der Grund: Der Luzerner Kantonsarzt hat am Dienstagmorgen das ukrainische Team in Quarantäne geschickt. Am Nachmittag vermeldeten dann die Uefa und der ukrainische Verband die Absage.

Einer der drei neuen Infizierten: Ruslan Malinowski stand gegen Deutschland noch auf dem Platz.
Einer der drei neuen Infizierten: Ruslan Malinowski stand gegen Deutschland noch auf dem Platz.
Foto: Maja Hitij (Getty Images)

«In der Spieler-Delegation haben sich in vier Tagen neun Personen angesteckt», sagt Kantonsarzt Roger Harstall. Bei einer solch unkontrollierten Ausbreitung sei das Risiko von weiteren, noch nicht entdeckten Infizierten zu hoch. Das heisst, andere Spieler könnten das Virus ebenfalls bereits im Körper haben, doch die Tests zeigen im frühen Stadium noch nichts an.

Deshalb hatte Harstall aus epidemiologischer Sicht keine Wahl und verordnete für die über 40-köpfige ukrainische Delegation Quarantäne. Nur die beiden Spieler Junior Moraes und Sergej Kriwtsow, die offenbar in ihrem Club Schachtar Donezk schon einmal eine Infektion durchgemacht hatten, dürfen sich noch frei bewegen.

«Die Quarantäneanordnung ist sowohl zum Schutz der eigenen Mitspieler als auch des gegnerischen Teams», sagt Harstall. Der Gegner. Das wäre am Dienstagabend die Schweizer Nationalmannschaft in der Nations League gewesen, wo die beiden Teams gegen den Abstieg aus der Liga A spielen sollten. Alle Testresultate der Schweizer Spieler sind negativ ausgefallen. Unklar ist, wie es nun weitergeht, ob es zum Beispiel einen Forfait-Sieg für die Schweiz gibt.

Eine weitere Möglichkeit war eine Spielverschiebung: Die Partie hätte auch erst am Mittwoch angepfiffen werden können. Doch wie die Uefa mitteilt, ist es dem ukrainischen Verband nicht möglich, genügend Spieler aufzubieten. Somit ist eine Verschiebung auch keine Option.

Die Uefa steht deshalb vor einem schwierigen Entscheid. Sie muss sich dabei auf folgende Richtlinien stützen:

  • Ist ein Nationalverband nicht in der Lage, eine Mannschaft mit der Mindestanzahl an Spielern (13, einschliesslich mindestens einem/einer Torhütern) aufzustellen, wird die Partie wenn möglich an einem von der Uefa-Administration festgelegten Termin neu angesetzt; die Uefa-Administration ist ausserdem befugt, diese an einem Spielort in einem neutralen Land (auf dem Gebiet eines Uefa-Mitgliedsverbands) anzusetzen, sollte sie dies für notwendig erachten.

  • Kann eine Partie nicht neu angesetzt werden, trifft die Uefa-Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer eine Entscheidung in dieser Angelegenheit. Die Kammer verhängt gegen den Nationalverband, der dafür verantwortlich ist, dass die Partie nicht bzw. nicht vollständig ausgetragen werden kann, eine Forfait-Niederlage.

  • Kommt die Kammer aber zur Schlussfolgerung, dass beide bzw. keine der Mannschaften dafür verantwortlich sind/ist, dass die Partie nicht bzw. nicht vollständig ausgetragen werden kann, kann keine Forfait-Niederlage verhängt werden. In diesem Fall wird die Uefa-Administration das Ergebnis der Partie per Los entscheiden (d.h. Sieg 1:0, Niederlage 0:1 oder Unentschieden 0:0).

So steht es auf dem Papier, die Uefa hat aber in Coronazeiten in einem fast identischen Fall bereits eine Entscheidung getroffen. Mitte August reiste Slovan Bratislava auf die Färöer-Inseln, um dort gegen KI Klaksvik ein Qualifikationsspiel der Champions League zu bestreiten. Nicht dabei waren ein Spieler und ein Mitglied des Staffs, beide waren bereits vor Abreise positiv getestet worden.

Auf den Färöer-Inseln schliesslich gab es ein weiteres positives Testergebnis, die örtliche Behörde verordnete eine Quarantäne, das Spiel konnte nicht stattfinden. Auch zum Leidwesen der Berner Young Boys, die lange auf ihren Gegner für die nächste Runde warten mussten. Schliesslich entschied die Uefa auf einen Forfait-Sieg für die Färinger. Unklar ist Stand Dienstag aber, ob dieses Reglement auch in der Nations League angewendet wird.

29 Kommentare
    George Rufer

    Sorry, aber wie konnten die überhaupt in die Schweiz einreisen? Wird langsam oberpeinlich für das BAG und Herr B.