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«Tatort»-KolumneDoch kein Bierchen mit den Ermittlern

Ein Polizist rächt sich an einem Verbrecher. Jürg Mosimann, ehemaliger Sprecher der Kantonspolizei Bern, hätte am liebsten mit den Ermittlern der aktuellen «Tatort»-Folge gemeinsam im Fall ermittelt.

«Tatort»-Kolumnist Jürg Mosimann schreibt unregelmässig über die aktuellsten Folgen.
«Tatort»-Kolumnist Jürg Mosimann schreibt unregelmässig über die aktuellsten Folgen.
Susanne Keller

«Ich habe ihn getötet. Ich bin der Mörder.» Das Geständnis des Polizisten Ansgar Matzerath (Peter Lohmeyer) gleich zu Beginn des Films wirkte wie ein Hammerschlag. Vor sieben Jahren war seine Frau entführt und mehrfach vergewaltigt worden. Der Täter konnte nie gefasst werden. Dieses Manko hatte der Wachtmeister nun auf seine Weise behoben, indem er den Peiniger seiner Frau ermittelt und getötet hat. Und jetzt? Das fragte ich mich, und das fragten sich auch die Kommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch). Gerne hätte ich mich mit ihnen zusammengesetzt und bei einem Bierchen das weitere Vorgehen besprochen. Wäre vermutlich keine gute Idee gewesen. Die beiden litten nämlich noch stark unter den Nachwehen eines spontanen Besäufnisses. Also verköstigte ich mich halt allein mit Hopfen und Malz.

Witzig und tiefgründig

Derweil versuchte das Ermittlerduo, mit sich selbst und den äusseren Bedingungen – das Kommissariat war eine einzige Baustelle –, vor allem aber mit dem Geständnis ihres Kollegen, klarzukommen. Geschliffene Dialoge, witzige Szenen und tiefgründige Reflexionen der Polizeiarbeit machten die fehlende Spannung einer Mörderjagd wett. Dazu gehörten auch die Bemühungen der Kommissare, ihrem Kollegen goldene Brücken zu mildernden Umständen zu bauen. Der stellte sich jedoch auf den Standpunkt, dass jeder Verbrecher bestraft werden müsse, sonst scheitere das ganze System. Das gelte sowohl für den Vergewaltiger seiner Frau als auch für ihn selbst. Jeder Polizist müsse erkennen, wo die rote Linie verlaufe, die er unter keinen Umständen übertreten dürfe. Diesbezüglich stimmte ihm auch die pensionierte Kommissarin Bronski (Hannelore Elsner) zu, die den Fall damals nicht klären konnte.

Die Folge «Die Guten und die Bösen» kann man auch als Studie über Verbrechen, Schuld und Vergeltung sehen. Sie hinterfragt das Selbstverständnis der Polizeiarbeit und verfolgt Gedankengänge, über die es sich nachzudenken lohnt. Auch für Polizisten – und solche, die es werden wollen.