Die Skepsis der Nutzer soll Facebook helfen

Eine Studie zeigt: Mediennutzer hegen eine skeptische Grundhaltung gegenüber Medien. Das könnte Facebook im Kampf gegen Fake-News nutzen.

Kann Facebook die Erkenntnisse dieser Studie im Kampf gegen Fake News nutzen? – Eine Szene von der F8-Entwicklerkonferenz im vergangenen Jahr.

Kann Facebook die Erkenntnisse dieser Studie im Kampf gegen Fake News nutzen? – Eine Szene von der F8-Entwicklerkonferenz im vergangenen Jahr. Bild: Noah Berger/Keystone

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Im Januar hat Facebook signifikante Änderungen an seinem Newsfeed angekündigt: Den Nutzern sollen zukünftig weniger Inhalte von Seiten angezeigt werden und mehr von Freunden und Verwandten, Bekannten und Gruppen. Um weiterhin Lokalnachrichten zu stärken und Fake-News zu bekämpfen, bekommen ausgewählte User die Frage eingeblendet, ob sie einer bestimmten Nachrichtenquelle vertrauen oder nicht.

Eine Studie bestätigt Facebook jetzt, dass sie damit grundsätzlich auf dem richtigen Weg sind – wenn sie ein nicht ganz unwichtiges Detail beherzigen. Denn die Algorithmus-Schrauber lassen eine Bewertung der Quelle nur zu, wenn der Nutzer diese auch kennt. Gibt er an, sie nicht zu kennen, ist eine Bewertung nicht möglich. Was auf den ersten Blick durchaus logisch erscheint, erweist sich bei genauerem Hinsehen jedoch als Schwäche.

Unbekannte Quellen sind weniger vertrauenswürdig

Denn gerade der geringe Bekanntheitsgrad einer Seite könnte ein Indikator für die Vertrauenswürdigkeit sein. Fake-News-Websites sind oft genug in obskuren Nischen des Netzes zu finden und deshalb nicht der breiten Masse bekannt. Diesen Faktor haben die Psychologen David Rand und Gordon Pennycook bei ihrer Studie berücksichtigt, die Facebooks Vorhaben voranbringen könnte.

Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit zeigten sie den Probanden sechzig Medien: 20 aus dem Mainstream, 20 hyperparteiliche (im angelsächsischen Raum sprechen Medienexperten in diesem Fall von «hyperpartisan news outlets») und 20 Fake-News-Produzenten.

Die beiden Wissenschaftler der Universität Yale stellten fest: Ist eine Quelle unbekannt, tendierten die Untersuchungsteilnehmer dazu, ihr nicht zu vertrauen. Je bekannter dagegen eine Quelle war, desto vertrauenswürdiger erschien sie. Natürlich nicht durch die Bank: Ausnahmen bildeten Seiten wie das hyperparteiliche Breitbart oder die Fake-News-Quelle Infowars. Sie sind relativ bekannt, wurden aber dennoch mit niedriger Vertrauenswürdigkeit eingestuft.

So sieht die Verteilung der Vertrauenswürdigkeit aus, wenn man alle Stimmen einbezieht

Ihre Ergebnisse verglichen die beiden Forscher mit Facebooks Ansatz. Und siehe da, wenn man nur die Einschätzungen derjenigen berücksichtigt, die eine Quelle auch kennen, werden hyperparteiliche Newsproduzenten und Fake-News als vertrauenswürdiger eingestuft.

So sieht die Verteilung aus, wenn man diejenigen ausschliesst, die die Quellen nicht kennen – Fake-News und hyperparteiliche Websites werden deutlich vertrauenswürdiger gewertet

Einen Nachteil haben Rand und Pennycook bei ihrem Ansatz jedoch festgestellt: Würde Facebook den Bekanntheitsgrad berücksichtigen, hätten es neue, noch unbekannte Medien schwerer, vom Algorithmus aufgewertet und so bekannter zu werden. «Wenn man die Wertungen von Leuten ausschliesst, die eine Nachrichtenquelle nicht kennen, lässt man viele schlechte Websites zu, aber auch mehr von den guten», sagt Rand gegenüber dem Nieman Lab.

Facebook liegt die Studie vor

Er schlägt Facebook aber auch gleich zwei Lösungsvorschläge für das Dilemma vor: Einerseits könnte man die Urteile derer, die Websites kennen, und derer, die sie nicht kennen, unterschiedlich gewichten. Andererseits könnte Facebook seinen Usern Inhalte der fraglichen Websites zeigen, bevor sie sie beurteilen lässt. Für Nutzer und Plattform entstünde zwar ein Mehraufwand, Rand hält ihn dennoch für lohnenswert.

Ob Facebook die Ergebnisse der zwei Wissenschaftler für sich nutzen wird, bleibt abzuwarten. Immerhin wird die Arbeit in Menlo Park wahrgenommen, das wissen Rand und Pennycook. Und eine positive Erkenntnis kann man jetzt aus dem Experiment ziehen: Eine gesunde Grundskepsis ist bei den meisten Lesern offensichtlich vorhanden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.02.2018, 19:10 Uhr

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