Realität und Projektion

Microsoft hat mit seiner Holo Lens überrascht. Unabhängig vom Erfolg der wagemutigen Brille ist dem Unternehmen der PR-Coup bereits gelungen.

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Knapp eine Woche nachdem Google angekündigt hatte, seine Bildschirmbrille fürs Erste vom Markt zu nehmen, hat Microsoft die Öffentlichkeit mit seiner eigenen Brille überrascht. Der Konzern beschreibt Holo Lens als Hologramm-Brille. Wie Google Glass projiziert die Brille digitale Objekte ins Blickfeld der Trägerin oder des Trägers. Abgesehen davon sind die Konzepte grundverschieden. Googles Brille war ein Zweitbildschirm fürs Smartphone. Microsoft dagegen will mit Holo Lens nicht weniger als den Computer, die Spielkonsole und den Fernseher virtuell machen. Wer die Brille aufhat, braucht keinen realen Laptop mehr. Bildschirm und Bedienelemente können je nach Vorlieben auf den Tisch oder an die nächste Wand projiziert werden - im Stil eines Hologramms. Dank ausgefeilter Sensorik zeigt die Brille sie wie reale, statische Gegenstände im Raum, die ungeachtet der Kopfbewegungen des Nutzers am jeweiligen Ort verbleiben. Gesteuert wird mit Handgesten oder Stimme. Wie sich das anfühlen soll, zeigt Microsoft in einem Video(siehe Box).

Durchorchestrierte Vorführung

Glaubt man den ersten Eindrücken amerikanischer Journalisten, die eine durchorchestrierte Demonstration mitmachen durften, klappt die Illusion tatsächlich. Ob und wann Holo Lens aber ein Erfolg wird, lässt sich nur schwer abschätzen. Zu wenig hat Microsoft bis jetzt gezeigt. Nicht einmal einen Preis hat der Konzern genannt. Auf den Markt kommen soll die Brille zusammen mit Windows 10. Wann das ist, ist auch nicht klar. Die Rede ist von später im Jahr 2015.

Einen entscheidenden Vorteil hat Microsofts Brille aber bereits gegenüber Google Glass: Mit dieser Skibrillenoptik wird sich kaum jemand in die Öffentlichkeit wagen und Datenschutzbedenken schüren. Holo Lens ist etwas für den Arbeitsplatz und die Stube – aber sicher nichts fürs Kino oder die Badi. Einen ersten Erfolg hat Microsoft mit Holo Lens schon verbucht: Der angestaubte Grosskonzern wirkt risikofreudig und zukunftsweisend. Eine Win-win-Situation: Entweder die Brille wird ein Erfolg, oder sie war wenigstens gut fürs Image.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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